Trotz Corona: Edeka testet neues E-Center-Konzept mit Gastro-Schwerpunkt in Bremen und Berlin

Trotz Corona: Edeka testet neues E-Center-Konzept mit Gastro-Schwerpunkt in Bremen und Berlin

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Edeka will Kund:innen nicht mehr nur für den Versorgungseinkauf in seine E Center locken, sondern auch für den „Genuss in allen Facetten“. Dafür probiert die größte Regionalgesellschaft ein neues Konzept aus.

Partner und Sponsoren:

Sie haben das übers vergangene Wochenende sicher aus der Pressemitteilungs-Verwertungsindustrie mitbekommen: In Mülheim an der Ruhr hat Aldi Süd seine bislang größte Filiale eröffnet! Einen „XXL-Aldi“! Mit fast doppelt so viel Verkaufsfläche wie reguläre Filialen! Und jede Menge neuer Idee… – nee, Moment: mit demselben Sortiment wie überall, elektronischen Preisschildern, einem Kräutergewächshaus und dem Versprechen, da sonst nichts Besonderes ausprobieren zu wollen.

(Was ganz gut zu diesem Blogeintrag von vor ein paar Wochen passt.)

Während die einen Großflächen eröffnen, um sie halt zu haben, wagen andere das Unglaubliche und denken sich neue Konzepte dafür aus! Edeka zum Beispiel. Die größte der sieben Regionalgesellschaften, Edeka Minden-Hannover, hat sich für ihre E Center überlegt, zusätzlich zum klassischen Versorgungseinkauf an ausgewählten Standorten auch „Genuss in allen Facetten“ bieten zu wollen – nämlich: gastronomischen.


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Konzeptstart im Weserparkcenter

Umgesetzt wird das Vorhaben an zwei Standorten: Bremen und Berlin. Den Auftakt macht die Hansestadt – auch wenn die angekündigte gastronomische Komponente dort angesichts der aktuellen Corona-Einschränkungen nicht direkt ihr volles Potenzial entfalten darf.


Screenshot: edeka.de

Bis zum 26. November, dem Eröffnungsdatum des Markts im Bremer Weserparkcenter, ist es zwar noch eine Weile hin. Mindestens bis Ende des Monats sind gastronomische Einrichtungen aber weiterhin im Betrieb eingeschränkt. Auf Supermarktblog-Anfrage bestätigt eine Sprecherin von Edeka Minden-Hannover, man werde das Angebot

„unter die Vorgaben im Rahmen der Corona-Verordnungen stellen müssen und (…) daher vorerst alle vor Ort frisch zubereiteten Speisen nur zum Mitnehmen anbieten.“

Mit 50.000 Artikeln auf 6.800 Metern Verkaufsfläche wird der Laden als „der größte Edeka Norddeutschlands“ geführt und will „Genuss-Treffpunkte für höchste Ansprüche“ bieten; die Fläche wurde von Real übernommen, noch bevor Metro den Verkauf an SCP eingetütet hat und Edeka sich als Erbinteressent meldete.

Ein „Genuss Hafen“ mit Gastro-Theken

Das Besondere am intern unter dem Namen „Genusswelt“ firmierenden Konzept dürften Art und Weise sowie der Umfang der Eingliederung gastronomischer Angebote sein. Ähnlich wie es Jumbo in den Niederlanden vorgemacht und Real mit seinem Markthalle-Konzept hierzulande adaptiert hat, zielt auch Edeka mit seinem neuen Großflächen-Konzept auf Kund:innen, die nicht bloß Lebensmittel einkaufen, sondern an Ort und Stelle bereits welche zubereitet verzehren wollen.

Wie das – zumindest zu Nicht-Corona-Zeiten – aussehen kann, hat die Edeka-Kaufmannsfamilie Zurheide u.a. mit ihrem Markt im The Crown in der Düsseldorfer Innenstadt demonstriert (siehe Supermarktblog).

Edeka Minden-Hannover scheint nun etwas standardisierter an die Sache heran zu gehen. Und hat sich dafür einen kleinen Strauß an Zusatznamen für seinen „brandneuen Genuss-Hafen“ ausgedacht, in den Kund:innen an diversen Theken einlaufen dürfen:


Logos: Edeka

  • Der „Jungle“ sieht stark nach Saft- und Smoothie-Bar aus.
  • Die versprochene „Showbäckerei“, in der handwerklich gebacken werden soll, hat den Titel „Backmeister“ verliehen bekommen.
  • „Amor“ verspricht „den Geschmack Italiens“, und wenn dieser keine reichhaltig frische Pasta-Auswahl beinhaltet: was sonst?
  • Allerlei Molkereiprodukte hat der niederländisch klingende „Kääsmarkt“ in petto.
  • „Die Fleischer“ bieten „Fleisch mit Stil“ – und ein Rind mit Fliege im Logo.
  • Und was „Gusto“ genau kann, hab ich bislang nicht erraten.

Selbst scannen mit „Easy Shopper“

Namensfindung und 90er-Jahre-Logodesigns lassen sehr darauf schließen, dass die Entwicklungsarbeiten für die Zusatzmarken – wie man so schön sagt – inhouse erfolgt sind. Aber das liegt ja nahe bei einem Unternehmen, das ohnehin sehr davon überzeugt ist, alles selbst am besten zu können.

„Frische, Qualität und persönlicher Kundenservice“ sollen am Standort eine besondere Rolle spielen. Von Edeka heißt es:

„Wir werden dort außerdem eine erweiterte Warenkompetenz präsentieren und auch der Kundenservice steht für uns noch stärker im Fokus.“

Dazu gehöre auch das „Easy Shopper“-Angebot, das Edeka Minden-Hannover als Einkaufswagen-gebundenes System für Selbstscanner an zunehmend mehr Center-Standorten freischaltet, um „gerade in der aktuellen Coronazeit kontaktloses Einkaufen und Bezahlen“ zu ermöglichen.

In Berlin-Steglitz will Edeka die „No. 1“ sein

Mit Ausnahme der geplanten Sushi-Bar werden die gastronomischen Angebote in Bremen allesamt in Eigenregie betrieben; zumal einige Kompetenzen ohnehin schon ins Unternehmen geholt worden sind – etwa mit der Übernahme des Hamburger Fischgroß- und -einzelhändlers Hagenah, der im „Genusswelt“-Konzept als „Die Fischwerker“ mit eigener Theke auftaucht.

Kooperationen gibt es offensichtlich mit der Bremer Kaffeerösterei De Koffiemann und dem Weinhandel Bremer Ratskeller (dessen Weine auch über andere Edeka-Märkte vertrieben werden).

Anders als Real will Edeka seinen Gastronomie-Supermärkten keinen einheitlichen Namen verpassen. Während das E Center im Norden der Republik schlicht „Weserpark“ heißt, geht es am zweiten geplanten Standort im Osten etwas exquisiter zu. Zumindest kündigt sich der Markt an der Schloßstraße in Berlin-Steglitz mit unbescheiden anmutendem Zusatz an: Das „E Center No. 1“ sollte ursprünglich Ende dieses Jahres eröffnen; inzwischen verzögert sich das aber wohl auf Herbst 2021, wie Edeka bestätigt.

4.000 Quadratmeter für „Berlins Lebensmittelpunkt“

Dass die oben erwähnten Gastrowelten dort ebenfalls Einzug finden, ist bislang nicht bestätigt, aber wahrscheinlich (zumal das „No. 1“ teilweise schon in den Logos auftaucht). In Berlin ist deutlich weniger Platz als in Bremen, auch wenn 4.000 Quadratmeter innerstädtisch immer noch einen ganz stattlichen Supermarkt hergeben dürften. Nichts Geringeres als „Berlins Lebensmittelpunkt“ will der neue Markt sein und verspricht selbsttrunken: „Hier zieht Liebe ein.“

Beide „Genusswelten“-Märkte liegen übrigens in Einkaufszentren: Bremen eher am Stadtrand, Berlin mitten auf der Einkaufsmeile im neu gestalteten Forum Steglitz. Anders als Jumbos Foodmarkt und Reals Markthalle scheint sich Edeka also nicht nur auf mit dem PKW anreisende hungrige Gäste verlassen zu wollen.

Ganz allgemein kommt diese Entwicklung – wie so vieles beim blau-gelben Riesen – etwas spät; noch dazu ist die Zeit, um gastronomische Experimente zu wagen, wegen Corona derzeit denkbar ungünstig. Aber das ließ sich ja nun bei der Planung schwer vorhersehen. Und letztlich ist’s erfreulich, dass Edeka sich experimentell etwas weiter aus dem Fenster lehnt, um das Potenzial neuer Ansätze für Großflächen zu testen.

Damit die auch noch ihren Zweck erfüllen, wenn hoffentlich irgendwann die Zeit der Hamstereinkaufsreflexe vorüber sein wird.

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Titelfoto [M]: Edeka/Smb"

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3 Kommentare
  • Gusto sieht für mich nach der Allzweck ̶w̶a̶f̶f̶e̶küche für alles, was sonst nirgendwo rein passt, aus. Täglich wechselnde Menüs à la Karstadt Restaurant. Das Gesamtkonzept klingt aber interessant. Vielleicht, nein, hoffentlich gucken die anderen Regionalgesellschaften es sich ab.

  • Klingt nach einem weiteren Prestigeprojekt, welches aufgrund mangelnder Rentabilität keine Nachahmung finden wird.
    Die Zeit der Großflächen, auch inklusive Gastro, sind vorbei.
    EDEKA macht sowas häufiger, siehe Heidelberg Bahnstadt. Schön für die Kunden, aber die Mietkosten, Personalkosten fressen aufgrund zu geringer Margen die Erträge.
    Sorry, leider nichts neues.

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