dm bereitet sich mit Snabble auf den Start von Scan & Go vor

dm bereitet sich mit Snabble auf den Start von Scan & Go vor

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Nicht nur Supermärkte und Discounter experimentieren damit, Kund:innen ihre Einkäufe im Laden selbst per Smartphone scannen zu lassen. Auch dm sammelt derzeit erste Erfahrungen mit der Technologie. Aktuell laufen Tests in mehreren europäischen Ländern.

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Lidl hat das Jahr mit „Drogerie-Artikeln zu Hammerpreisen“ auf der Titelseite seines Wochenprospekts eingeläutet, Rewe fragt Kund:innen per Newsletter: „Kennst du schon unser vielfältiges Drogerie Sortiment?“ – klar, dass Drogeriemarktführer dm sich da was einfallen lassen musste, um gegenzuhalten: 10 Prozent Rabatt auf beliebig viele Einkäufe bis zum 14. Februar (ausgenommen Prepaid- und Geschenkkarten, Pfand usw.).

Screenshots [M]: Rewe, Lild, dm / Supermarktblog

Mit der Initiative will es das Karlsruher Unternehmen den Wettbewerbern nicht nur schwerer machen, Drogeriemarkt-Stammkäufer:innen zu sich zu locken, sondern gleichzeitig Kund:innen dazu bringen, sich für die kostenfreie „mein dm“-Mitgliedschaft zu registrieren, um sie enger an sich zu binden.

Denn das Rabattversprechen ist ausschließlich nach vorheriger Registrierung über die dm-Smartphone-App (oder alternativ: die Payback-App) einlösbar, indem der dort generierte QR-Code an der Kasse gescannt wird. Bei Online-Bestellungen über die dm-App wird die Vergünstigung automatisch berücksichtigt.

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Self-Scanning-Test in ausgewählten Märkten

Wie an dieser Stelle schon berichtet, nimmt die App bei dm eine zunehmend wichtigere Rolle in der Beziehung zu den eigenen Kund:innen ein. Dies könnte sich im Laufe des Jahres weiter verstärken. Denn wie viele Lebensmitteleinzelhändler tastet sich auch die Drogeriemarktkette derzeit ans Smartphone-basierte Selbstscannen von Einkäufen im Laden heran.

Foto: Supermarktblog

Momentan läuft ein Test in mehreren europäischen Ländern in Zusammenarbeit mit dem Bonner Anbieter Snabble, in dessen App die Scan-Möglichkeit aktuell ausgelagert ist („Der Einkaufs Scanner in Ihrem dm-Markt“). Snabble stellt seine Self-Scanning-Lösung u.a. Ikea, Pflanzen Kölle und Globus zur Verfügung und ermöglicht auch die Integration der Technologie in händlereigene Apps, so wie bei Teguts kassenlosem Minimarkt Teo (siehe Supermarktblog).

dm startete im vergangenen Jahr mit einer Filiale im Karlsruher Durlach Center. In den vergangenen Wochen sind drei Märkte in Bielefeld sowie einer in Bünde hinzu gekommen; außerdem kann in jeweils einer Filiale im österreichischen Anif (bei Salzburg), in Bratislava und Budapest selbst gescannt werden.

Auf Supermarktblog-Anfrage nach weiteren geplanten Testmärkten erklärt Sebastian Bayer, als dm-Geschäftsführer verantwortlich für das Ressort Marketing + Beschaffung:

„Wir schließen im Moment nicht aus, dass der Service auch an weiteren Standorten, sowohl in Deutschland, als auch im Ausland, angeboten wird. Wann dies der Zeitpunkt sein wird, können wir aktuell nicht sagen.“

Man befinde sich „im ständigen Austausch“ und nehme „Rücksicht auf die Rückmeldung unserer Kundinnen und Kunden, die den Service bereits an verschiedenen Standorten nutzen“, meint Bayer. So lasse sich Scan & Go kundengerecht noch weiter verbessern.

Bezahlt wird trotzdem an der Kasse

Aktuell funktioniert der Dienst so: Die Snabble-App benötigt Zugriff auf den Standort der Nutzerin bzw. des Nutzers und zeigt die entsprechende Funktionalität an, sobald der Aufenthalt in einem teilnehmenden Markt erkannt wurde. Anschließend lassen sich die aus dem Regal genommenen Produkte erfassen und, wie dm verspricht, direkt in die Tasche packen. (Zu den Ausnahmen gehören erneut Geschenk- und Prepaid-Karten, die vom Personal aktiviert werden müssen, sowie Fotoprodukte und Sodasprudler-Zylinder.)

Screenshot: dm.de

Den Weg zur und das Anstehen an der Kasse erspart das den Kund:innen aber (noch) nicht: Um den Einkauf abzuschließen, muss dort ebenfalls ein per App generierter QR-Code gescannt werden, danach wird regulär bezahlt: bar, per Karte oder Smartphone. Aufs Kassenband muss die Ware aber nicht mehr gelegt werden.

dm weist Nutzer:innen darauf hin, man behalte sich „stichprobenhafte Kontrollen des gesamten Einkaufs“ vor.

Integration in die Mein-dm-App?

Das Procedere ähnelt der Lösung, wie sie Rewe derzeit in seinen Märkten ausrollt, und ist vor allem dann etwas kompliziert, wenn man sämtliche zur Verfügung stehenden digitalen Services und Vergünstigungen in Anspruch nehmen möchte – weil dann im Zweifel an der Kasse drei Apps gescannt werden (Payback, mein dm, Snabble). Der Umweg fürs Selbstscanning über die Snabble-Lösung dürfte im Erfolgsfall aber nur ein vorübergehender sein. Bei dm beschäftigt man sich naheliegenderweise mit einer möglichen Integration der Funktionalität in die hauseigene App.

Eine Scan-Funktion besitzt diese schon heute; sie kann derzeit aber vor allem zum Aufruf von Produktinformationen und Bewertungen genutzt werden. Außerdem lässt sich mit der Scan-Hilfe der digitale Warenkorb füllen und z.B. als Einkaufserinnerung nutzen.

Eine zusätzliche Erfassung der gewählten Artikel für die Kasse würde es ermöglichen, dass Artikel im Laden bloß noch aus dem Regal genommen und direkt eingepackt werden könnten. So ließe sich ein entschiedener Teil des Einkaufs – das Erfassen regelmäßig gekaufter Produkte – bereits vor dem eigentlichen Ladenbesuch erledigen (z.B. zuhause oder in der U-Bahn).

Alles erledigt mit einem Scan

Ein Scan des von der App generierten QR-Codes könnte dann in Zukunft an der Kasse nicht nur Coupons anrechnen, sondern im selben Zug auch die stationär gekauften Artikel an die Kasse übertragen. Bereits während des Tests wirbt dm dafür, dass sich mit dem neuen Service „Zeit sparen“ lässt. (Auch für das Ladenpersonal, natürlich.)

Können sich Scan-&-Go-Kund:innen bei dm künftig den Gang zur stationären Kasse sparen? Foto: Supermatrktblog

dm-Geschäftsführer Bayer gibt sich auf Anfrage noch zurückhaltend. Man lege großen Wert auf Rückmeldungen von Kund:innen, auch bei der Weiterentwicklung der Mein-dm-App:

„Es ist durchaus denkbar, den Service Scan & Go zu integrieren, am Ende ist es unser Anliegen, dass die Kunden jeden Service von uns einfach und unkompliziert nutzen können.“

Nach Supermarktblog-Informationen denkt man in Karlsruhe außerdem darüber nach, Kund:innen, die sich als vertrauensvoll erwiesen haben, ohne Umweg über die Kasse mit selbst gescannten Einkäufen aus dem Laden gehen zu lassen – Voraussetzung wäre vermutlich, dass diese zuvor innerhalb der App bezahlt haben, wie es schon für Express- und Online-Abholbestellungen üblich ist (siehe Supermarktblog).

„Veränderung der Einkaufsroutine“

Konkret will Bayer das noch nicht bestätigen, erklärt jedoch:

„Auch hier freuen wir uns über die Meinung der Kunden, wie wohl sie sich beispielsweise mit einer solchen Funktion fühlen. Zudem muss betrachtet werden, welche Auswirkungen diese Funktion auf die Abläufe in unseren Märkten und auch Inventurdifferenzen haben kann. Denn sowohl für unsere Mitarbeiter als auch unsere Kunden handelt es sich um eine große Veränderung der Einkaufsroutine.“

Die dürfte auch für den Partner Payback von Interesse sein, dessen Zahlart Payback Pay seit längerem an den stationären Kassen von dm zum Einsatz kommt.

Gegenüber der „Lebensmittel Zeitung“ erklärte Payback-Geschäftsführer Bernhard Brugger kürzlich, man zähle „zurzeit mehr als eine halbe Million registrierte Anwender“ für Payback Pay (über alle Partner hinweg). „Gute Payback-Kunden“ würden damit mehr als vier Mal im Monat zahlen, der Umsatz dieser Nutzer:innen liege „im Durchschnitt rund 10 Prozent höher als derjenigen, die die App nicht als Zahlungsinstrument einsetzen“.

Zwei digitale Programme

Konkurrenz durch die von dm forcierte eigene App befürchte er nicht, so Brugger. Es handele sich „um ein Ökosystem verschiedener Apps, die sich gegenseitig befeuern“.

Naja, abgesehen davon, dass das Mein-dm-Ökosystem bei Online- und Express-Bestellungen schon heute z.B. ganz gut ohne das vom stationären Scan abhängige Payback Pay auskommt: Eine Mehrheit der dm-Online-Kund:innen entscheidet sich am Checkout für PayPal als Zahlart, hieß es kürzlich aus Karlsruhe. Und was hielte dm mittelfristig davon ab, eine per QR-Code angestoßene Abbuchung von einem hinterlegten Kund:innenkonto als eigene Bezahllösung nachzubauen? (Ähnliches plant Lidl für Lidl Plus.)

Zudem ergibt sich aus all dem die Frage, ob dm auf Dauer wirklich zwei digitale Programme zur Kund:innenbindung benötigt – Payback und Mein dm. Die Antwort dürfte vermutlich auch davon abhängen, wieviele Payback-Mitglieder zugleich bei Mein dm registriert und aktiv sind.

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2 Kommentare
  • Ein sehr schöner Ansatz. Ich hoffe aber doch dass man langfristig in der App bezahlen kann und sich somit den Weg zur Kasse ersparen kann.

  • Ich denke dm reagiert mit den 10% nicht nur auf die Discounter, sondern auch auf den Buchhändler Rossmann, der ja via eigener App und teilweise auch per Post mit solchen Coupons um sich wirft (zusätzlich zu Angebotspreisen).

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