Aldi testet digitale Preisschilder, go2market kommt nach Köln, Edeka lässt sich mit Naturkind (zu)viel Zeit

Aldi testet digitale Preisschilder, go2market kommt nach Köln, Edeka lässt sich mit Naturkind (zu)viel Zeit

Foto [M]: Smb, Günter Zipfelmayer/go2market
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Die Discounter bringen den digitalen Fortschritt ans Regal; go2market marktforscht ab Mai auch mit deutschen Kund:innen – und Edekas Fachmarktkonzept Naturkind bleibt in der „Pilotphase“. Drei Kurznachrichten.

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Digital am Regal: Aldi Süd zeigt Preise elektronisch an

Der verdammte Fortschritt macht auch vor nichts halt, nicht mal traditionsbewussten Discountern: In seinen Obst- und Gemüseabteilungen setzt Kaufland schon seit längerem auf elektronische Preisschilder, die dabei helfen, kurzfristig schwankende Preise für frische Ware nicht ständig neu ausdrucken und am Regal einstecken zu müssen. Mit den E-Displays geht das einfach auf Knopfdruck.

Das scheint auch der Schwester Lidl zu gefallen, die seit Ende des vergangenen Jahres in Filialen rund um ihre Zentrale Preise für Ananas, Bananen und Zucchini digital anzeigen lässt – vorerst testweise, wie die „Lebensmittel Zeitung“ meldete.

Und jetzt raten Sie mal, womit Aldi Süd gerade experimentiert. Richtig! Aktuell werden Mitarbeiter:innen gesucht, die sich um die „(Weiter-) Entwicklung und Tests einer Lösung für elektronische Preisschilder“ kümmern sollen; in „[e]nge[r] Kooperation mit unseren Fach- sowie den nationalen IT-Abteilungen und unseren Entwicklungspartnern“.

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Auf Supermarktblog-Anfrage bestätigt man bei Aldi Süd in Mülheim an der Ruhr:

„Aktuell testen wir den Einsatz von elektronischen Preisschildern in ausgewählten Filialen. Der Test soll zeigen, inwiefern elektronische Preisschilder die Preisauszeichnung optimieren können und dazu beitragen, den Kolleginnen und Kollegen in den Filialen die Arbeit zu erleichtern.“

Die „Electronic Shelf Labels“ (ESL) waren bislang vor allem in Supermärkten verbreitet; inzwischen scheinen auch die Discounter die Vorzüge erkannt zu haben. In wievielen Märkten der Test läuft, will Aldi Süd nicht verraten.

Danke an Daniel K. für den Hinweis!


go2market marktforscht ab Mai mit deutschen Kund:innen

Wer im Wiener Marktforschungssupermarkt go2market einkauft, wird unweigerlich zur Influencerin bzw. zum Influencer – für die Hersteller nämlich, die dort Produkte verkaufen, um sie auf ihre Marktfähigkeit zu testen, bevor sie landesweit in die Regale kommen. Dafür wird das Einkaufsverhalten der Kund:innen im Laden genau beobachtet, außerdem geben sie per Online-Befragung zusätzliche Auskünfte.

Wer dabei sein will, schließt eine zeitlich beschränkte Mitgliedschaft zum festen Monatspreis ab. Dafür darf man sich im Laden Produkte aussuchen, deren Gesamtwert über dem gezahlten Abo-Betrag liegt. Als Industriepartner werden auf der go2market-Website u.a. Nestlé, Krombacher, McCain, Danone, Knorr und Barilla angegeben.

Im vergangenen Jahr haben die Österreicher angekündigt, das Konzept auch nach Deutschland bringen zu wollen (siehe Supermarktblog). Statt in Berlin, wie ursprünglich geplant, erfolgt der Start nun Anfang Mai in Köln – aus Gründen der Repräsentativität, heißt es. Auf Supermarktblog-Anfrage erklärt go2market-Geschäftsführer Thomas Perdolt:

„Wir haben uns für eine ehemalige Rossmann Filiale mit knapp 400 Quadratmetern auf der Aachener Straße in Köln entschieden. Das Sortiment wird zum Start geplant 400 Produkte umfassen, dabei werden uns, Stand heute, auch einige österreichische Top-Unternehmen begleiten. Zum Start planen wir in Deutschland ein Panel bestehend aus 3.000 aktiven Mitgliedern, die dem Querschnitt der Soziodemografie Deutschlands entspricht.“

Online können sich Interessierte bereits für eine Mitgliedschaft vormerken lassen. Voraussetzung ist die Bereitschaft, Informationen zu Berufsstatus, Haushaltseinkommen, Produktvorlieben, Kaufgewohnheiten und Mediennutzung preiszugeben, um die repräsentative Auswahl zu ermöglichen.


Edekas Fachmarktkonzept Naturkind bleibt in der „Pilotphase“

Mit durchaus interessantem Konzept, aber auch vielen Kinderkrankheiten startete Edeka vor anderthalb Jahren seien ersten Bio-Fachmarkt unter dem Namen Naturkind in Hamburg. Mit Unterstützung der selbstständigen Kaufleute sollte sich das Format von den teilweise stark standardisierten Biofachmärkten der Konkurrenten abheben.

Vom Bio-Boom, den viele Händler in der Corona-Krise zu spüren bekamen, hat auch der Premierenmarkt profitiert. Das „Hamburger Abendblatt“ (Abo-Text) berichtete im Spätsommer 2020 dennoch über einen „schwierigen Start“, Marktleiter Benjamin Hirche sei „verhalten optimistisch“. Offensichtlich kamen nicht so viele Kund:innen wie erhofft, was auch an der Baustellensituation am Standort gelegen haben könnte (die schon bei meinem Besuch zu Beginn des Jahres ein Problem war).

Frischetheke und Unverpackt-Station funktionierten gut, der Automat, an dem sich Frischmilch zapfen lässt, offenbar weniger. Die Kundschaft kauft lieber Milchalternativen.

Gleichzeitig hat der Kaufmann in seinem daneben gelegenen Edeka-Markt das Bio-Angebot deutlich ausgeweitet – was bislang ein wesentlicher Schwachpunkt war (siehe Supermarktblog). Naturkind-Kund:innen seien bereit, für bestimmte Artikel auch noch zu Edeka zu gehen – „andersrum klappt das eher nicht“, bilanzierte das „Abendblatt“ und hat bei Edeka Nord erfragt, ob man weitere Naturkind-Märkte plane. Erstmal werde die „Pilotphase“ verlängert, heieß es damals.

Seitdem hat sich zumindest auf der Naturkind-Website in Sachen neue Standorte nichts getan; auf der Facebook-Seite von Naturkind Altona ist es seit Dezember sehr, sehr still.

Einen zweiten Naturkind-Markt gibt es in Dinkelsbühl. Doch die von Edeka mit großem Selbstbewusstsein angekündigte Fachmarktexpansion kommt bislang nicht voran. Auch die in die Gruppe geholte Hamburger Drogeriemarktkette Budni ist derzeit eher mit Selbstsortierung beschäftigt. (Mehr dazu in der nächsten Woche hier im Blog.)


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Danke an @PaoloRubigo!

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5 Kommentare
  • War heute in der Aldi-Süd-Filiale im Industriegebiet meiner Stadt. Da hing zur Begrüßung ein Banner vor der Tür, dass man bei Backwaren jetzt mit dem örtlichen Großbäcker zusammenarbeiten würde, von wegen der „Regionalität“.
    In der Filiale steht immer noch eines dieser unmöglichen Fönmonstren statt echtem Brötchenknast. Ob der momentan nun mit Rohlingen des Großbäckers bestückt wird, der in seinen eigenen Filialen auch nur die Brötchen nochmal zum Fertigbacken im Laden in den Ofen schiebt, konnte ich in meiner Eile leider nicht genau ergründen. Ist das ein punktuelles Experiment oder soll es mehr Kooperationen dieser Art geben?

  • In der „Welt größten“ Aldi Filiale an der Mannesmannallee sind alle Preisetiketten elektronisch. In der Presse wurde bei der Eröffnung im November argumentiert, dass aufgrund der Größe das Umstecken der Schilder zu aufwendig wäre.

  • Kennt sich hier jemand mit – im weitesten Sinne – Ladenbau aus? Im speziellen Design und Konstruktion von (Kühl)-Regalen, Tiefkühlregalen- und Truhen? Als Kunde mögen einem die Details bei Warenträgern nicht auffallen, aber als Mitarbeiter in einem Supermarkt treibt mich schon lange die Frage um, ob man Warenträger nicht deutlich effizienter, besser für die täglichen Anforderungen designen und konstruieren könnte. Der Umbau (Höhenverstellung) von Regalböden ist umständlich und fummelig, teilweise allein gar nicht zu bewerkstelligen. Warentrenner, Warenschieber sind oft aus billigem Plastik, werden durch Kälte spröde und brechen leicht oder lassen sich nur schlecht verschieben. Das Gleiche bei Etikettenleisten, die durch das ständige Wechseln der Etiketten oder durch daran reibende Ware verschleißen und regelmäßig zeitaufwändig ersetzt werden müssen. Außerdem gibt es viele schlecht oder gar nicht zu reinigende Spalten und Ritzen, in denen sich der Dreck und Schmodder sammelt. Meine Frage zielt darauf ab, ob es technisch möglich wäre, Warenträger kostengünstig so zu designen und zu konstruieren, dass alles mehr aus „einem Guß“ ist, also möglichst keine Spalten und Löcher, robustere und „integriertere“ Warensortiersysteme. Und jetzt wage ich einen noch revoluzzerischeren Vorschlag in Bezug auf elektronische Preisschilder: warum nicht gleich die entsetzlichen Plastik-Etikettenleisten ersetzen durch mit dem Warenwirtschaftssystem gekoppelte Touchscreens, deren Anzeige automatisiert oder vom Personal geändert werden kann. Also sozusagen eine in die Regalböden etc. integrierte „Smartphone-Etikettenleiste“. Preisanzeigen wären demnach wie Widgets, die vom Personal verschoben und angepasst werden könnten. Kunden könnten per Touch weitere Informationen zum entsprechenden Artikel erhalten. Reduzierungen, Werbung, Sonderauszeichnungen (Bio, glutenfrei etc.) könnten farblich und zum Beispiel durch Blinken besonders hervorgehoben werden. Diese vergleichsweise teure Eletronik müsste dann natürlich besonders robust und verschleißfrei konstruiert werden. Wenn ich aber einerseits die Mengen an Papier und Ersatzteile bedenke, die bei uns verbaucht werden und andererseits den damit zusammenhängenden Zeitaufwand (=Personalkosten), dann könnte ich mir vorstellen, dass man mit der scheinbar teuren Elektronik auf Dauer günstiger fährt. Zumal sich die Kosten dafür heutzutage dank enormer technischer Deflation ohnehin in Grenzen halten. Freilich ergibt meine kleine Spinnerei nur Sinn, wenn und solange der stationäre Einzelhandel binnen der nächsten Jahre nicht implodiert und nahezu komplett durch den Onlinehandel ersetzt wird.

    • Warum Touchscreens? Wo muss ich als Kunde denn an den Preisschildern rumgrabbeln, dass ein passives e-Ink-Display es nicht genauso tun würde? Das spart dann obendrein noch sehr viel Strom.

    • @Rolf

      Ein Touchscreen wäre interaktiv und ermöglichte es den Kunden, Zusatzinformationen bereit zu stellen, indem man zum Beispiel auf die Preisanzeige tippt. Oder die Anzeige könnte je nach Bedarf vom Personal stufenlos verbreitert oder verkleinert werden. Das ist meines Wissens nach mit herkömmlichen elektronischen Etiketten nicht möglich. Diese können auch nur Graustufen anzeigen und müssen einzeln an Leisten angebracht und verschoben werden, was wieder hohes Verschleißpotential bedeutet.
      Selbst wenn ein solches Display WESENTLICH mehr Strom kosten würde als e-ink-Displays oder Totholzmedium plus Toner wie zu Kaisers Zeiten, stände dem ein echter Mehrwert für den Kunden gegenüber. Oder sind wir in Deutschland schon so preissensibel geworden, dass uns jede Verbesserung, jeder Fortschritt im Supermarkt zu teuer ist? Das größere Problem sehe ich eher bei den Kosten für den Austausch oder die Reparatur, daher müssten sie eben besonders robust und wartungsarm konstruiert sein. Ich kann an dieser Stelle nur spekulieren, wie das in der Realität wäre. Was ich aber aufgrund meiner Arbeitserfahrung definitv weiß, ist, dass der Verbrauch von Totholzmedium und Toner enorm ist. Zudem verschleißen die Etikettenleisten beim Etikettenziehen – und Stecken auch nicht unerheblich.

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