Naturland-Kooperation: Pflanzt Aldi sich ein neues Bäumchen in den Bio-Eigenmarken-Dschungel?

Naturland-Kooperation: Pflanzt Aldi sich ein neues Bäumchen in den Bio-Eigenmarken-Dschungel?

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In den kommenden Monaten wollen Aldi Nord und Süd erstmals von Naturland zertifizierte Bio-Produkte verkaufen. Unklar bleibt, welche Markenstrategie die Discounter dabei verfolgen wollen: eine Aufwertung von „Gut Bio“ oder der Start von „Zurück zur Natur“?

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An diesem Mittwoch haben die beiden Aldis offiziell bestätigt, was schon länger kein Geheimnis mehr war: Die Discount-Gruppe kooperiert ab diesem Jahr mit dem Anbauverband Naturland, um Kund:innen höherwertiges Bio anbieten zu können. Um welche und wieviele Produkte es sich handelt, haben die beiden Discounter bislang nicht bekannt gegeben. Start soll allerdings „im ersten Halbjahr 2023“ sein, was reichlich Spielraum lässt.

Nicht dazu gesagt hat Aldi zudem, unter welcher Marke Naturland-zertifizierte Produkte ins Regal kommen sollen.

Mit der Bekanntgabe der Kooperation zeichnet sich aber ab, dass die Handelsketten ihre Pläne aufgegeben haben, ein eigenes Besser-Bio-Label mit selbst formulierten Richtlinien aufzusetzen. Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als ob der Discounter die Strategie der österreichischen Tochter Hofer adaptieren wolle, die mit ihrer Besser-Bio-Eigenmarke „Zurück zum Ursprung“ äußerst erfolgreich ist (siehe Supermarktblog).

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In der Fachpresse war im vergangenen Jahr bereits angeklungen, dass man sich hierzulande mit den notwendigen Partnern nicht einig geworden ist, um ein ähnliches Projekt zu stemmen.

„Zurück zur Natur“ für Besser-Bio?

Nun hat Aldi mehrere Möglichkeiten, Naturland-Produkte in sein Sortiment zu integrieren.

Im vergangenen Jahr hatte Aldi bereits mehrere Varianten der Eigenmarke „Zurück zur Natur“ angemeldet, von denen zwei zudem das Versprechen „Bio, das weiter geht“ im Namen trugen (siehe Supermarktblog). Kurze Zeit später war man mit weiteren Design-Varianten nachgezogen, und zwar ursprünglich unter dem Namen „Nur Nur Natur“. Zwei davon wurden in der Zwischenzeit ebenfalls in „Zurück zur Natur“ umgewandelt. Theoretisch ließen sich Naturland-Bio-Produkte unter diesem Namen in den Läden kennzeichnen.

Aldi testete mehrere Markendesigns unter dem Namen „Zurück zur Natur“; Foto [M]: Aldi GmbH / DPMAG / Smb
Foto: Aldi GmbH / DPMAG / Smb

Allerdings wäre „Zurück zur Natur“ damit bereits die dritte Aldi-Bio-Eigenmarke in Ergänzung zum regulären „Gut Bio“ (für EU-Bio-Ware) und Schneekoppe, das ebenfalls für „hochwertige Bio-Produkte zum Aldi-Preis“ stehen will.

Die zweite Möglichkeit: Aldi verzichtet künftig auf Schneekoppe und setzt auf „Gut Bio“ und „Zurück zur Natur“ als Bio-Duo. (Auf der Aldi-Nord-Website werden derzeit lediglich noch neun verfügbare Schneekoppe-Produkte angezeigt.)

Einfach so, wie’s Lidl macht?

Möglichkeit drei: Aldi integriert Naturland-zertifizierte Produkte einfach unter einem erweiterten Gut Bio, das von der Basis-Bio- zur Haupt-Bio-Eigenmarke aufgewertet würde. Nach verschärften Naturland-Richtlinien erzeugte Artikel könnten dabei einfach das entsprechende Siegel auf die Verpackung gedruckt bekommen. Exakt so verfährt Wettbewerber Lidl bei seiner Kooperation mit Bioland: entsprechende Ware wird unter dem Haupt-Label „Bio Organic“ mit Verbandssiegel gekennzeichnet – ohne dass dafür eine neue Marke benötigt wird. Nicht wenig spricht dafür, dass Aldi sich daran orientieren könnte.

Lidl arbeitet schon seit Ende 2018 mit Bioland zusammen; Foto: Smb

Gleichzeitig wäre das aber auch die umambitionierteste aller Lösungen, weil sie eine Strategie kopieren würde, die der Hauptkonkurrent so schon seit über vier Jahren verfolgt. (Die Lidl-Bioland-Kooperation war im November 2018 gestartet.)

Aldi hätte so mit seinem gescheiterte Versuch, Zurück zum Ursprung für Deutschland umzusetzen, vor allem sehr, sehr viel Zeit vertrödelt. Um dann doch bloß mit Lidl gleichzuziehen?

Ganz so einfach wird es vermutlich nicht: Aldi kündigt in seiner aktuellen Mitteilung an, zunächst exklusiver Partner eines neuen Naturland-Förderprogramms zu sein, für dessen Finanzierung man für jedes verkaufte Naturland-Produkt zusätzlich einen Betrag in einen Fördertopf einzahlen werde. Dieses Engagement darf auf den Verpackungen sichtbar gemacht werden – natürlich mit einem neuen Logo: „Für mehr Artenvielfalt“.

Was, egal für welche Variante man sich in Nord und Süd entscheidet, immerhin der bisherigen Strategie treu bliebe, im eigenen Bio-Sortiment für Kund:innen maximale Verwirrung zu stiften.

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