Wie Aldi Süd mit seinen Doppelkassen Kundschaft und Angestellte überfordert

Wie Aldi Süd mit seinen Doppelkassen Kundschaft und Angestellte überfordert

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Um den Kassiervorgang gleichzeitig schneller und effizienter zu gestalten, setzt auch Aldi Süd inzwischen auf Doppelkassen. Mitarbeiter:innen sind von den komplizierten Abläufen genervt, Kund:innen von der grußlosen Abfertigung. Ist deswegen bald wieder Schicht im Doppelschacht?

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Ähnlich wie es an der Rügener Kreideküste regelmäßig zu Hangrutschungen kommt, bricht die Kund:innenfreundlichkeit vieler Lebensmittel-Discounter knapp hinterm Scanner an der Kasse ebenso abrupt wie steil ab: Um die Kundschaft zum möglichst schnellen Wiedereinpacken des Einkaufs in den bitte mitzuführenden Wagen zu drängen, reduzieren Lidl, Penny, Aldi Nord & Co. die Ablagefläche auf ein absolutes Minimum.

Kassenkliff mit Kund:innenserviceabbruch bei Aldi Nord; Foto: Smb

Viele Kund:innen fühlen sich davon unter Druck gesetzt, weil sie die nachfolgende Kundschaft blockieren, wenn sie zu langsam sind. Manche überlegen sich Strategien, wie sie die Artikel bereits in der Wiedereinpackreihenfolge aufs Band positionieren oder Obst & Gemüse bzw. Brötchenknastware strategisch dazwischen positionieren können, um durch Wiegen und händisches Eintippen Miniverzögerungen einzubauen. (Auf Reddit ist unter Diskutierenden liebevoll von „Bremsgebäck“ die Rede.)

Andere stört es nicht im Mindesten, wenn Kassierer:innen hinter ihren bezahlten Produkten bereits kleine Türmchen mit den Produkten der Nachfolger:innen aufschichten, während sie in aller Seelenruhe ihre eigenen verstauen.

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Seit anderthalb Jahren versucht Aldi Süd, es besser zu machen. Und was ist der Dank dafür? Ein frecher Beitrag im sonst nicht unbedingt für ausgewiesene Handelskompetenz bekannten Mischmagazin „Der Spiegel“.

Scannen, während andere noch räumen

Im vergangenen Jahr hatte die Handelskette angekündigt, künftig Dopppelkassen in ihre Filialen zu bauen, wie sie bei vielen Super- und Drogeriemärkten schon lange Tradition sind. Mitarbeiter:innen von Rewe, Edeka und dm können so bereits den nächsten Einkauf scannen, während die vorherige Kundin bzw. der vorherige Kunde noch mit dem Einpacken beschäftigt ist. Der neue Einkauf wird an einem Trennarm vorbei einfach in einen zweiten Auffangschacht geschoben. So sollen allzu lange Wartezeiten vermieden werden.

Doch die Doppelkasse ist in Verruf geraten – spätestens seit sich besagtes Mischmagazin im vorigen Monat über die Tücken der Aldi-Süd-Initiative ausließ (Abo-Text, Zusammenfassung u.a. hier). Denn in Mühlheim an der Ruhr hat man ein entscheidendes Detail verändert.

Um den Kassiervorgang noch weiter zu beschleunigen, sind beide Schächte der Aldi-Süd-Doppelkassen jeweils mit einem eigenen Bezahlterminal ausgestattet. Kassierer:innen scannen den Einkauf von Kund:in 1 in Schacht 1 und fragen, ob bar oder mit Karte bezahlt werden soll. Bei Kartenzahlung wird Terminal 1 aktiviert, während die Kassenkraft bereits die Waren von Kund:in 2 in Schacht 2 zu scannen beginnt.

Die Aldi-Süd-Doppelkassen verfügen über zwei Bezahlterminals, um mehrere Einkäufe gleichzeitig abwickeln zu können; Foto: Smb

Einkaufsvorgänge werden an den Doppelkassen also nicht mehr nacheinander, sondern parallel zueinander bearbeitet.

Empfindliche Bezahlchoreographie

Aldi Süd ist der Überzeugung, damit Mitarbeitenden und Kund:innen Gutes zu tun, nachdem man das Konzept zuvor „umfangreich getestet“ habe. Gegenüber dem „Spiegel“ berichtet eine Aldi-Süd-Kassierkraft hingegen, von dieser Form der Einkaufsabwicklung erheblich gestresst zu sein, weil so viele unterschiedliche Dinge gleichzeitig beachtet werden müssten. Außerdem sei es an den neuen Kassen trotz Kameratechnologie schwieriger zu erkennen, ob in Einkaufswagen womöglich unbezahlte Ware liegen bleibe.

Dazu komme, dass Diebstähle erleichtert würden, wenn Kund:innen hinter dem Rücken der Kassierkraft agieren, und abgebrochene Bezahlvorgänge am Terminal erst so spät gemeldet würden, dass man den Kund:innen auf den Parkplatz nachlaufen müsse.

Tatsächlich sind die angeblichen Vorteile der Doppelkassen auch aus Kund:innensicht streitbar: Zum Einpacken mag jetzt mehr Zeit bleiben. Dafür ist es gewöhnungsbedürftig, von der Kassenkraft quasi schon mit Ansage der Kartenzahlung verabschiedet und danach grußlos ignoriert zu werden – nachdem man sich vorher im Zweifel zurechtweisen hat lassen, wie man sich vor seinen Kassenschacht positionieren muss, um die empfindliche Bezahlchoreographie nicht zu stören.

Drei Kund:innen auf einmal

Dafür hat Aldi Süd eigens verschiedenartige Bodenaufkleber angebracht, die die Position von Einkaufswagen und Kund:innenfüßen vorgeben wie auf einer Theaterbühne. (An vielgenutzten Kassen sind die Bodenkleber inzwischen schon fast verblichen, das sieht richtig schön schäbig aus.)

Regieanweisung vom Discounter: Bitte positionieren Sie sich genau so; Foto; Smb

Ein angenehmes oder auch nur freundliches Ambiente schafft das alles nicht: Kassierer:innen wirken im Zweifel noch gehetzter also ohnehin schon. Und bei Hochbetrieb kann’s sehr schnell total unübersichtlich werden: Als ich bei meinem Einkauf kürzlich neben einem weiteren Kunden an meinem Kassenschacht 2 mit Einpacken und Kartenzahlung beschäftigt war, initiierte die Kassiererin bereits einen dritten Kassiervorgang, der bar bezahlt werden sollte, und dessen gescannte Artikel in meine hineinliefen, weil ja kein dritter Auffangschacht mehr zur Verfügung stand.

Stressfreier als alles möglichst schnell vom Kassenkliff wieder in den Wagen zu schieben, wie es die Schwester Aldi Nord weiterhin praktiziert, war das auch nicht.

Abgeguckt hat sich Aldi Süd die Praxis (vermutlich) mal wieder bei seiner österreichischen Tochter Hofer, die schon länger auf Doppelkassen setzt, Einkaufswagen-Positionierungsaufkleber inklusive.

Auch Hofer in Österreich arbeitet mit Doppelkassen und Positionierungsaufklebern; Foto: Smb

Der wesentliche Unterschied ist, dass Hofer aber – in den von mir gesehenen Läden – nur ein einziges Kartenterminal nutzt, das zwischen den Schächten angebracht ist und beim Bezahlen deswegen auf eine klassische Nacheinander-Abwicklung setzt. (In Großbritannien scheint es Aldi Süd genauso zu machen; siehe IGD Retail Analysis [mit Anmeldung].)

Kreisverkehrkasse bei Tesco

Vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt – und Aldi Süd will mit seinen durchoptimierten Discount-Doppelkassen einfach zuviel: mit zu wenig Personal zu schnell mehrere Kund:innen gleichzeitig abwickeln. Genauso fühlt man sich danach auch: abgewickelt.

Vor exakt zehn Jahren hatte sich Tesco in Großbritannien bereits an einer – noch aufwändigeren – Variante des zeitoptimierten Zugleichabkassierens versucht: In einer Testfiliale konnten Kund:innen ihre Einkäufe auf ein Förderband legen, dessen Scanner Waren automatisch erfasste, um sie anschließend in einen von drei kreisrund aneinander grenzenden Einpackschächten zu lotsen, an denen eigene Bezahlstationen angebracht waren (siehe Supermarktblog von 2014).

Kreisverkehrkasse bei Tesco (2014); Foto: NCR

Durchgesetzt hat sich die Kreisverkehrkasse nicht – obwohl sie, in einer Variante mit bedientem Scannen, dem Aldi-Süd-Ziel durchaus nahe kommen könnte.

Mit dem entscheidenden Nachteil, dass dafür massig Platz geopfert werden müsste, den der Discount ja an den allermeisten Standorten auch nicht im Überfluss herzugeben hat.

Kampfzone Discounter-Kasse

Die Aldi-Süd-Initiative ist Teil eines größeren Problems: nämlich dass der Lebensmittel-Discount gerade massiv daran scheitert, die Kassenzone so durchzuoptimieren, wie es seinem auf Effektivität zielenden Geschäftsprinzip geschuldet sein müsste.

Ständig neu zu besetzenden Einzelkassen, wie sie weiterhin die Norm sind, aber permanent geöffnet und wieder geschlossen werden, verschwenden wertvolle Arbeitszeit von Mitarbeiter:innen, die ständig durch den Laden laufen müssen, anstatt sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren.

Traditionelle Kassenzone bei Lidl: nicht zufriedenstellend durchoptimiert; Foto: Smb

SB-Kassen, wie sie sich gerade in großem Stil durchsetzen, können Schlangen entzerren, sind aber fehler- und diebstahlanfällig. So sehr, dass die Handelsketten sie im Zweifel gleich wieder abbauen: Netto (ohne Hund) verfährt in Berlin und anderswo so (siehe Supermarktblog); Lidl hat (vermutlich zu Beginn des Jahres) sämtliche Schnellkassen in seiner Filiale am Münchner Ostbahnhof („Kleine Einkäufe schnell bezahlen“) wieder abgeschafft, Mitarbeiter:innen-Ausküften zufolge weil – trotz Aufsicht – zuviel Ware am Scanner vorbeigeschmuggelt wurde.

Beim Scannen unter Beobachtung

Und wenn es keine separate SB-Kassen-Aufsicht gibt, muss die einzige Kassenkraft im Laden im Zweifel Probleme am Self-Checkout lösen, während gleichzeitig die Schlange an der eigentlich von ihr geführten Bedienkasse wächst.

Seine eigenen SB-Kassen (mit Aufsicht) hat Aldi Süd derweil so nachgerüstet, dass die scannenden Kund:innen ihr videoüberwachtes Bild direkt über sich auf einem Monitor sehen – vermutlich, um gar nicht erst den Eindruck zu erwecken, unbeobachtet zu sein.

Aldi Süd hat seine SB-Kassen mit sichtbaren Videomonitoren über dem Scanfeld nachgerüstet; Foto: Smb

Richtig gut funktioniert – allen Innovationen und Experimenten zum Trotz – bislang keine dieser Lösungen. Und es sieht ganz danach aus, als würde die Kasse im Discounter noch eine ganze Weile die Schreckenszone bleiben, die sie schon immer war.

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24 Kommentare
  • Finde die Aldidoppelkassen recht praktisch. Ich will da möglichst schnell raus, das Angegrinse und Gegrüße brauch ich nicht. Wenn ich das haben will geh ich zum Rentnerrewe und wart halt entsprechend länger an der Kasse. Vielleicht kann man Trödelkassen einführen, 5€ mehr pro einkauf, dafür mehr Platz und Zeit für nen Plausch. Und wer dann die Zügigkasse blockiert muss halt auch extra zahlen.

    Bei Rentnern bin ich da gnädig, die könnens halt nicht mehr besser. Aber mir fallen auch immer mehr komplett verpeilte junge leute auf die komplett überrascht sind, dass sie ja ihren Einkauf auch zahlen müssen und dann in aller Seelenruhe noch nach der Geldkatze kramen. Während ich hufescharrend dahinter warten muss, die Karte schon im Anschlag.

    Thema SB Kasse – die sind dann gut, wenn keine Kontrollwage wie im hiesigen Kaufland verbaut ist. Und die die Klappe halten und nicht wie hier beim aldi schon losmeckern wenn man nicht innerhalb von 3 Sekunden das nächste Produkt scannt. Am besten gefallen mir die in NL, einfach rüberziehen, keine Wage, keine Ansage, einfach einpacken wann, wie und wohin man will.

    • Bargeldzahler nerven, das ist Fakt.
      Es gibt drei Gruppen von Bargeldzahlern, erstens die Querdenker welche „keine digitalen Spuren hinterlassen“ wollen beim Einkauf, zweitens die Rentner welche schon immer mit Bargeld zahlen und die sich nie so recht mit Geldkarten anfreunden konnten und drittens sehe ich sehr viele Ausländer und Migranten welche mit Bargeldscheinen in gebündelten Rollen herumlaufen warum auch immer, vor allem die Ukrainer fallen mir hier sehr unangenehm auf beim Einkaufen!

    • @Herbert: In Ihrem ersten Satz fehlt hinter dem zweite Wort ein „mich“; der Rest Ihrer Verallgemeinerungen spricht für sich.

    • Mein Aldi wurde kürzlich umgebaut und hat jetzt die Doppelkassen und SB-Kassen. Die SB-Kassen haben keine Waage. Überrascht war ich allerdings, als ich den Barcode eines Sixpacks Cola gescannt habe. „Ein Mitarbeiter kommt“ o.ä. stand dann im Display der SB-Kasse. Die Kassiererin der nächstgelegenen Doppelkasse rief mir zu, dass ich den Barcode einer Einzelflasche scannen müsste. Auf dem Display ließ sich dann das Sixpack auswählen. Warum einfach, wenn es auch umständlich geht? (Verwechslungen der Barcodes mögen ja möglich sein, aber warum wird man nicht in beiden Fällen auf dem Display gefragt, statt Kunde und Mitarbeiter aufzuhalten?)

  • Ich finde die neuen Nebeneinander-Einräumen-Setups in meinen beiden Aldis gut. Allerdings wird der Zeitgewinn im Flow dadurch konterkariert, dass bisher die meisten Einräumenden vor mir neben ihrem Einkaufswagen stehen – aber in dem für mich vorgesehenen Wagen-Abstellbereich. Die Kassenkräfte haben für entsprechende Hinweise der Falschsteher leider auch kein Auge mehr. Mal sehen, ob die Umgewöhnungszeit der Kundschaft länger braucht als der Einsatz der Doppelkassen…

  • Immerhin gibt es wieder Packtische, diese Entscheidung war Aldi der Branche und den Kunden seit Jahrzehnten schuldig.

    Ich selbst bin Fan dieser Kassen. Der Effizienzgewinn wäre für Aldi immer noch groß genug, wenn einfach nicht mehr als zwei Kunden gleichzeitig bedient werden. Dann kann man auch den Abschluß des Kassiervorgangs im Auge behalten. Deal, Aldi ? 😉

  • Was passiert eigentlich mit den Bidenklebern, falls – was wir alle natürlich nicht hoffen – Donald Trompete die kommenden US-Präsidentschaftswahlen gewinnt? Werden die dann einfach umbenannt?

  • Hallo!
    Ich habe eine solche Doppelschachtkasse im Gebiet Koblenz ausprobieren können und kann die Schilderungen nur bestätigen. Einerseits fand ich es praktisch, nicht auf die Kundin vor mir warten zu müssen, die ein Problem mit einer Ware oder dem Bezahlen hatte, aber insgesamt wirkte es alles sehr unübersichtlich und stressfördernd.

    REWE kriegt das mit den Doppelschächten seit langem ohne Stress sehr gut hin, vor allem dadurch, dass einer der Schächte mit Flyern, Sammelboxen und sonstigem Ablagematerial unbrauchbar gemacht wird. Hier erziehen sich die Kassierer ihren Arbeitgeber.

    Ebenfalls im Raum Koblenz habe ich bei LIDL jetzt mehrfach eine Selbstscan-Kasse ausprobiert. Wenn es klappt, eine feine Sache, selbst wenn der Scanvorgang selber länger dauert als an der richtigen Kasse, so ist man doch aktiv eingebunden und hat nicht des Gefühl des Wartens (= psychologischer Vorteil).
    Leider ging in 8 von 10 Fällen etwas schief.
    Und dann musste ich mich entweder zusätzlich nochmal an der normalen Kasse anstellen oder warten, bis die dortige Kassiererin (*) mal Luft hatte. Der Zeitverlust war jedesmal enorm und das Versprechen einer Schnellkasse wurde permanent gebrochen.
    Das ärgert dann schon sehr.
    Außerdem verführt es zu unsozialem Verhalten, wenn die Hauptkassiererin ihre bereits lange wartenden Kunden wegen mir noch länger warten lassen muss.
    Oder wenn ich gezwungen werde, Ware, mit der es Probleme gab, einfach liegen zu lassen. (Besonders doof, wenn es Ware aus der Kühlung ist. Ja, ICH bringe sie zurück, macht dann aber auch nicht jeder).
    Viele der Probleme wären in meinen Augen vermeidbar (z.B. kann ich mit meiner EC-Karte Zigaretten am Automaten kaufen (ab 18 Jahre), aber keinen Sekt an der SB-Kasse im LIDL (ab 16 Jahre)).
    Aber Lidl scheint sich für solche Probleme nicht zu interessieren, wenn man hinschreibt, wird man mit Textbausteinen abgespeist.
    Eine Anleitung zu den neuen Kassen (zB Erklärvideo) auf der Homepage konnte ich auch nicht finden.

    Eine weitere Alternative gäbe es wohl in Koblenz im Globus mit Kassen, wo man während des Einkaufs bereits die Ware selber einscannt. Klingt für mich von allen Systemen noch am besten, aber noch nicht probiert.

    VG
    St.

    (*) Dass die Standardkassierer*in auch noch bei den Problemen mit den Schnellkassen aushelfen muss, macht ihm/ihr nicht nur Stress, sondern zwängt mir auch den Vergleich mit einer Kuh auf, die dem Schlachter helfen soll, wenn es Probleme mit dem Messer gibt.

  • Diese Innovation konnte ich bei unseren Aldis auch schon vor längerem testen. Ich empfand, dass es dadurch für den Kunden angenehmer wird, weil man einen Einpackbereich hat. Aldi hat also die Kundenfreundlichkeit gesteigert, jedoch aus den völlig falschen Gründen (Steigerung der Effizienz bis zum geht nicht mehr. wehe, eine Kassenkraft hat mal 5 Sekunden zu verschnaufen, während ein Kunde die Girocard oder das Geld herauskramt)
    Dass die Kunden sich etwas im Weg stehen, kommt jetzt auch durch die Abschaffung des Einpackbereichs bei allen Discountern seit Jahren. Leute haben es verlernt, dass es eigentlich mal normal war, eine solche Fläche zu haben – incl. des klappbaren Diverterstabes.
    Das eine Argument „Fehlkonstruktion“ im Spiegel-Bericht würde ich gerne entkräften: Es zielt ja nur auf die schlecht einsehbaren Wagen durch schlecht montierte Spiegel oder schlecht auflösende Kameras. Da es in vielen nicht-Discountern solche Vorrichtungen gibt, sollte Aldi sich hier mal abschauen, wie man die Spiegel korrekt montiert. Außerdem müssen die Kassierer/innen wissen, dass sie im Moment, in dem die Kunden an der Kasse durchlaufen, einen Blick zum Spiegel machen sollten. Bei Rewe klappt das ja auch.
    Ich schlage vor, den zweigeteilten Einräumbereich so zu lassen, aber nur ein und nicht zwei Zahlterminals. Das macht weniger Stress für Kunden und Kassierer. Gefällt auch der Gewerkschaft, aber halt leider nicht dem Aldi-Eiffizienzwahn.

  • Am Rande des Themas, aber ich liebe die Würdigung von „Bremsgebäck“ als Phänomen. Ich packe meistens mein Obst ans Ende, nicht nur zum quetschfreien Einpacken, sondern auch, um nach dem Einpack-Sprint noch umständlich alle benötigten Apps zum Scannen öffnen zu können, um meine 7 Cent Rabatt einzustreichen, um danach wieder zur Handyzahlung zu wechseln. Schöne neue Kassen-Welt 🙂

  • Frage zu den Bodenaufklebern: Kundy 1 stellt sich also an Position 1 und beginnt mit dem Einpacken. Währenddessen Läuft Kundy 2 mit dem Wagen um Kundy 1 herum und beginnt ebenfalls mit dem Einpacken. Dann ist Kundy 1 fertig und muss nun mit dem Wagen um Kundy 2 herum um zum Ausgang zu kommen. Erscheint mir ziemlich umständlich, und die meisten Aldi-Kassenzonen sind meiner Erfahrung nach auch eher knapp bemessen?

  • sehe das ständige Öffnen und Schliessen von Kassen als das wirklich teure Problem
    hier gibt es noch erhebliches Optimierungspotential: Warum werden nicht am Eingang die Kunden gezählt und mangels KI kann man vermutlich relativ genau berechnen, welche Kassen man in den nächsten 30 Minuten braucht?

    • Die Ketten schließen glaube ich lieber Kassen wieder als zwischendrin zwei Minuten Personal da sitzen zu haben, dass dann kurz nix zu tun haben könnte. Gibt ja überall sonst noch genug Arbeit im Laden…

    • Also, ich find’s gut, wenn beim Lidl eine 2.Kasse aufgemacht wird, dann stürmt die Hälfte vor mir wie die Geisteskranken in diese Schlange. Und wartet.
      Und wenn ich dann an dieser Schlange vorbei an der ursprünglichen Kasse endlich dran bin, hat sich nach 5-6 Minuten mal ein Mitarbeiter an die neue Kasse bemüht und bedient gerade den ersten Kunden.

      Zu dem Leitspruch, niemals in eine vermeintlich kürzere Schlange wechseln (es wird bestimmt eine Oma da sein, die’s passend hat), kommt bei Lidl hinzu: nie an eine Kasse wechseln, die öffnen soll.
      Sicher, das Personal hat bestimmt viel zu tun. Aber dafür muß man ja nicht den Störfaktor Kunde schmoren lassen.

  • „Einfach scannen und schnell eintüten“ ist auch ein gewagtes Motto für die SB-Kassen. Der Lifehack für alle Doppelkassen-Gestressten ist schließlich, künftig an die SB-Kassen zu gehen und sich dort dann die Zeit fürs Einpacken zu lassen, weil kein Kassenpersonal drängeln kann und ja auch keine potentiell nörgelnde Person direkt hinter einem steht. (Erfunden vermutlich von einem Herr im Rentenalter aus München, bei dem ich mich zuerst wunderte, dass er die SB-Kasse nutzte – was sich dann aber durch sein gemütliches und stressfreies Einpacken für mich erklärt hatte).

    Apropos Überwachung der SB-Kassen: Uns ist gestern passiert, dass die Dame an der Doppelkasse, offenbar eine Anweisung übers Ohr bekommen hatte, meinen Kassenzettel zu überprüfen. Jedenfalls hat sie nach dem Kassenzettel gefragt und gab dann zwei Nummern vom Kassenzettel per Mikrofon durch. Allzu viel scheint nicht kontrolliert worden zu sein, weil sie dann auch recht schnell den Kassenzettel zurückgegeben und sich bedankt hat.

    Keine Ahnung allerdings, ob das eine Zufallskontrolle war oder ob im Überwachungsraum jemand verwirrt war, weil wir während des Einpackens der gescannten und bezahlten Produkte noch einen (zuvor vergessenen) Pfandbon eingelöst hatten.

    Worauf ich auch nicht geachtet hatte: Ob die an der Doppelkasse bediente Person glücklich über die Scanpause war oder eher genervt. Aber das wäre im Zweifel ja ein weiterer Lifehack neben des Bremsgebäcks: Nur noch an die Doppelkasse zu gehen, bei der das Kassenpersonal auch noch die SB-Kassen im Auge behalten muss.

  • Also ich weiß nicht ob es nur hier im Gütersloher Raum so ist: Bei uns wurden in mehreren Netto Filialen neue Kassen als 2. Kasse aufgebaut, welche ganz normal aussehen, bei welchen sich die Scannereinheit jedoch zum Kunden hin drehen lässt. Wenn keine Stoßzeiten sind kann man die Kasse daher als SB-Kasse nutzen, wobei dies von der Kassierer*in an der besetzten Kasse mit überwacht wird. Zu Stoßzeiten wird die Kasse dann als normale 2. Kasse vom Personal besetzt.
    In meiner Stamm Filiale hat das dazu geführt, dass häufig nach 20 Uhr überhaupt keine Kasse besetzt ist, dass Personal jedoch bei größeren Einkäufen zur Sb/Hybrid-Kasse kommt und anbietet den Einkauf zu scannen.

  • Also, mal so in den Raum geworfen: Doppelkassen waren in den 90ern doch völlig normal im Supermarkt um die Ecke.

    Also „neu“ is die idee nicht, wenn auch jetzt etwas anders in der Abwicklung

  • Wenn Aldi diese Rumkommandierei an den Kassen nicht zeitnah ändert, war ich die längste Zeit Kunde .
    Steht der Wagen nicht in der richtigen Position kommt sofort ein unfreundlicher Rüffel.
    Wie im Kindergarten .Mit dem Unterschied, dass die Menschen hier freundlich sind.
    Es gibt genug Marktbegleiter mit qualitativ und preislich ähnlichen Produkten

    • Hallo Hans, habe es eben genauso bei Aldi im saarland erlebt. Werde künftig kein Kunde mehr von Aldi sein . lg

  • Für mich bleibt das größte Mysterium im deutschen Einzelhandel, dass das Kassensystem per default auf Barzahlung steht und immer „mit Karte“ gesagt werden muss. Dann muss der Kassierer reagieren, Kartenzahlung aktivieren, dann erst kann man sein Smartphone, Apple Watch oder was auch immer dranhalten.
    Umgekehrt wäre viel sinnvoller. Wenn der Kunde sein Bargeld rausholt kann man kommentarlos die Kasse auf Bar schalten und das benötigt auch keine Gedenksekunde.
    Da hetzt Aldi alle dermaßen um Sekunden am Kassenband zu sparen und das „mit Karte“ scheint genauso heilig zu sein wie alle, „außer Damen“, also alle Männer darum zu bitten ihre Taschen im Wagen anzuheben und ggf. zu öffnen.
    Auf Nachfrage kommt immer die Auskunft bei „Damen“ dürfen wir das nicht. Das hinterlässt immer eine Assoziation von Kaiserzeit, Adenauerära, Frauen nicht ernst nehmen, Frauen sind harmlose und tugendhafte große Kinder, die können unmöglich stehlen, den Inhalt einer „Damen“tasche, kann ja nur Makeup sein um für den Mann stets bereit zu sein, sehen zu wollen ist demzufolge überflüssig und zugleich dermaßen respektlos, dass die DAMEN Gefahr laufen vor Entsetzen in Ohnmacht zu fallen, wenn man mit der Frage nach dem Inhalt der Damentasche andeutet, dass darin Diebesgut sein könnte.

    Wirklich bizzar.

  • Unser Aldi hat nun auch diese „Doppelkassen“. Als Kunde ist das nicht viel anders als früher. Aber ich finde die Aldi Angestellten nun deutlich gestresster an der Kasse was so ein wenig eine unschöne Atmosphäre schafft. Das mag egal sein aber irgendwie ist es jetzt halt wieder Discounter Feeling pur und da wollten die Discounter ja eigentlich von weg. Ich kann auch nicht wirklich erkennen dass es nun alles viel schneller geht. Wir reden hier vielleicht von Einsparungen mit niedrigen Sekundenbereich.

    • Ja das ist schlecht gelöst.

      Wären die Deutschen nicht so auf Bargeld fixiert könnte man das Lesegerät einfach so einsetzen, dass der letzte wartende Kunde schonmal sein Zahlungsmittel einliest und bestätigt, dann beginnt der Kassiervorgang und dann kann er gleich alle Artikel in den Wagen räumen wie sie gescannt wurden und danach sofort gehen.
      Bei SB Kassen bekommen das zugegebenermaßen auch viele Boomer nicht hin (zuerst die Karte, dann den Tankvorgang beginnen) aber das trial and error macht man genau einmal und dann läuft es ja.

      Wäre mir auch viel lieber als der immergleiche Dialog „Mit Karte bitte“, „Sie dürfen“, …
      und würde Zeit sparen ohne irgend jemanden zu stressen.
      Die Barzahler sind inzwischen ja im Bundesdurchschnitt knapp in der Minderheit, dh bei ca. der Hälfte der Einkäufe würde man Zeit sparen, was die wartenden Barzahler motivieren könnte doch auch die Karte zu nutzen, solange sie keine Ideologen aus Prinzip sind

  • Die Doppelkassen bei Aldi Süd finde ich schrecklich! Man wird bedrängt, das Personal ist mürrisch und unfreundlich geworden und wenn am anderen Schacht nur 2 Teile abgerechnet werden, hat man schnell Kunde Nr. 3 im Nacken. Da wird man schon leicht panisch. Ich meide Aldi seitdem und gehe lieber zu Lidl, wobei die neuen Kassen hier auch verkürzte Zonen zum Einpacken haben und zudem verdammt hoch geworden sind, so dass ich bei Packungen Wasser usw. Probleme habe sie da wieder herunter zu bekommen. Aber: man wird nicht bedrängt und das Personal bleibt freundlich!

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