Rewe Drive vs. Kaiser’s Bringmeister (1): Welcher Online-Supermarkt ist besser?

Rewe Drive vs. Kaiser’s Bringmeister (1): Welcher Online-Supermarkt ist besser?

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Erst jeder zehnte Deutsche hat schon mal Lebensmittel im Internet gekauft, haben irgendwelche Marktforscher neulich hochgerechnet, und dass es nicht mal die Hälfte danach ein zweites Mal probiert, könnte natürlich auch daran liegen, dass ständig das Telefon klingelt und irgendein marktforscher dämliche Fragen stellt. Denn eigentlich hört sich das doch irre bequem an: die Sachen bequem an den Kühlschrank geliefert zu kriegen. In Frankreich und England funktioniert’s schon. Die deutschen Märkte testen noch, welches das richtige Konzept sein könnte. Das Supermarktblog hilft gerne und bittet zur Lieferschlacht. Wer ist besser: Rewes Abholservice oder Kaiser’s Bringdienst?

I. Abholung vs. Lieferung

„Wir sind alle über 40“, drohen Brunner & Brunner im Party-Remix aus den Lautsprechern, die der Alleinunterhalter vor dem Berliner Rewe-Markt aufgebaut hat, um bei der Kundschaft für den neuen Drive-Service zu werben. Für Leute, die schon was bestellt haben und jetzt abholen wollen, ist das ein bisschen unpraktisch: Weil man nämlich den zuständigen Mitarbeiter herbeischellen muss und kaum versteht, was der einem über die Fernsprechanlage mitteilen will: Er. Kommt. Alle über 40. Gleich.


Es regnet in Strömen, nach einer Minute ist der Mitarbeiter da, und als sich die Schiebetüren zur Abholstation wieder schließen, ist drinnen gespenstische Stille. Ziemlich komisch, wenn man beim Einkaufen sonst an Scannerkassenfiepen, Angebotsdurchsagen in der Dauerschleife und rumpelnde Wareneinräumer gewöhnt ist.

Früher war hier der Rewe-Getränkemarkt, aber der ist vor ein paar Monaten geschlossen worden. Jetzt ist auch klar, warum: um den Anbau als Zwischenlager zu nutzen, wo die Online-Einkäufe auf ihre neuen Frauchen und Herrchen warten können. An der rechten Seite stehen Kühl- und Gefrierschränke mit grünen Kisten für leicht Verderbliches. Die Rückwand ist mit Regalreihen für rote Transportboxen zugebaut, in die der Rest einsortiert ist. Gerade schlummert da nur eine: meine. Scheint sich ja noch nicht so richtig zu lohnen. Aber das Drive-Angebot gibt’s in diesem Markt auch erst seit einem Monat. Und am Wochenende ist mehr los, sagt der Mitarbeiter, der per Mobiltelefon benachrichtigt wird, wenn ein Drive-Kunde klingelt. Viele Leute würden gleich kistenweise bestellen, zum Beispiel für Partys, und dann mit dem Transporter vorfahren.

Das erklärt natürlich die Musikauswahl des Alleinunterhalters. Ist aber vielleicht nicht die beste Voraussetzung, um sich einen größeren Kundenstamm aufzubauen.

Egal: Der Mitarbeiter ist freundlich, stellt die rote Box auf den breiten Metalltresen mit der Kasse, der sich auch gut für „Tatort“-Obduktionen eignen würde, wäre er außenherum nicht so schön mit Schokoriegeln, Kaugummis und Limonaden für den Schnellkonsum geschmückt. Abkassiert wird zackig, bezahlt ganz normal, zum Beispiel per EC-Karte.

Die grüne Kiste bleibt im Lager, die rote darf ich mitnehmen, Leihgebühr: 5 Euro. Nur zum Auto schleppen muss man die Sachen bitte schön selbst. Damit das nicht allzu abschreckend wirkt, hat Rewe direkt neben der Station drei knallrote Sonderparkplätze extra für Drive-Kunden aufmalen lassen, bei deren Benutzung man von den Normaleinkäufern angeglotzt wird als sei man gerade mit einer fliegenden Unterasse darauf gelandet. Also: ein Riesenspaß.

* * *

Im Ausland, wo die Kunden – wie erwähnt – schon viel bestellbegeisterter sind, werden von den Märkten Abholkonzepte getestet, die noch ein bisschen kurioser sind. In Frankreich ermöglicht Marktführer Carrefour nach der Bestellung mit dem Smartphone die Abholung in einer Stadtfiliale (wo sonst eigentlich kein Platz dafür ist – weder zum Lagern noch zum Parken). Britische Händler wie Tesco und Asda experimentieren gerade mit „Drive-Thrus“: kleinen Häuschen, bei denen Kunden direkt vor die Tür fahren, um sich ihre Bestellung in den Kofferraum liefern zu lassen, was sehr albern wahlweise nach Zollstation ohne Beamte, Tankstelle ohne Zapfsäulen oder Waschstraße ohne Wasch aussieht.

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Dank Kaiser’s muss man zwecks Futterentgegennahme nicht mal das Haus verlassen, bloß rechtzeitig wach sein. Der Liefermann klingelt um 8.51 Uhr, über eine Stunde vor der im Netz ausgewählten Zeit. Man muss nichtmal ans Telefon gehen, wenn er vorher anruft, um die Verfrühung anzumelden. Geliefert wird bis an die Türkante – auch wieder in Boxen, aber die müssen gleich in der Küche geleert werden, um wieder mitgenommen zu werden. Die meisten Sachen sind in Tüten verpackt, fast so wie beim normalen Einkauf im Supermarkt. Auf Verpackungsschnickschnack verzichten die „Bringmeister“. So hat Kaiser’s seinen Lieferservice Ende Mai umbenannt. Warum, ist nicht ganz klar, wahrscheinlich hat der vorige Name „Kaiser’s Lieferservice“ zu wenige Kunden verwirrt.

Das Liefernlassen ist natürlich nicht halb so spektakulär wie der Drive-Einkauf, erfüllt aber seinen Zweck: Die Bestellung ist da, wo sie hinsoll. Dafür berechnen die „Bringmeister“ aber auch bis zu 6 Euro Liefergebühr, je nach Zeit. Das Selbstabholen bei Rewe kostet 2 Euro, die neue Kunden das erste Mal aber nicht berechnet kriegen. Bei Tesco in Großbritannen ist die Abholung übrigens kostenlos, nur die Zeitersparnis beim „Drive-Thru“ kostet 2 Pfund extra.

II. Die Bestellung

Alles da? Fast. Bei Rewe hapert’s an der Frischware: Bio-Champignons und Pflücksalat sind ausverkauft, obwohl zwischen Bestellung und Abholung fast 24 Stunden lagen. Der Mitarbeiter in der Abholstation legt aber sofort nach Gesprächsbeginn ein Geständnis ab und besorgt Ersatz im Markt nebenan: normale Champignons und Feldsalat tun’s auch. Außerdem fehlt die Karamell-Schokolade, für die es aber keinen Alternativvorschlag gibt. Sehr diätfreundlich. Und kein schlechter Schnitt: Von 27 Positionen (für 55 Euro) auf dem Einkaufszettel fehlen nur drei.

Die Kaiser’s-Lieferung kommt mit kostenlosem Überraschungskitzel: Das Auspacken der Tüten ist gleichzeitig ein Ratespiel, was von der Bestellliste fehlen könnte. Denn bei der Lieferung an die Tür ist der Mitarbeiter viel zu beschäftigt mit Kistensortieren und mobiler EC-Bezahlung, um sich mit seinem Kunden zu beschäftigen. Praktischerweise fehlt: gar nichts. Zumindest den Positionen auf der Rechnung nach zu urteilen (22 Positionen für 55 Euro).

Wirklich praktisch ist: Der Kasten Mineralwasser, das Sechserpack Bier und das Toilettenpapier werden ebenfalls bis vor die Tür getragen. (Letzteres wurde offensichtlich aus slowenischen Restbeständen aufgekauft.) Alles Frische ist da: Gurke, Zwiebeln, Champignons, Feldsalat, Milch. Bei den auf 750 Gramm bestellten losen Frühkartoffeln hat sich ein Mitarbeiter bei der Kommissionierung offensichtlich vom Arbeitsehrgeiz überkommen lassen und 749 Gramm abgewogen. Nur die Cocktailtomaten sind leicht in der Größe mutiert. Und wenn die Fertigpizza und die Backfritten schon in einem Müllbeutel verpackt abgegeben werden, wär’s natürlich schön, wenn dort drinnen nicht schon Tauwetter wäre.

Nudeln, Konserven, Säfte, Tiefkühlbrötchen, Chips und Obst waren bei beiden Services kein Problem. Alles in allem also: kein perfektes, aber zweimal ein ziemlich gutes Ergebnis. Jetzt muss das alles nur noch irgendjemand aufessen.

Vorher klären wir aber noch, wie der Online-Einkauf bei Rewe Drive und den „Bringmeistern“ funktioniert und ob die Preise in Ordnung sind. Im nächsten Supermarktblog-Eintrag.

Außerdem ist die Kommentarspalte offen für Ihre Erfahrungen beim Online-Einkauf, auch wenn’s nicht bei Rewe oder Kaiser’s war.

Fotos: Supermarktblog

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3 Kommentare
  • Wegen anhaltender Rückenprobleme habe ich dieses Jahr angefangen, meine Lebensmittel im Internet zu bestellen, und zwar bei REWE. Bisher habe ich auch im Laden bei REWE gekauft und kenne daher so in etwa das Sortiment. Die Eingabe im Internet fand ich einfach, hat sogar Spaß gemacht – wie das Vorbeischlendern an den Regalen. Man kann alles bequem Zwischenablegen auf „Einkaufslisten“ so zieht sich mein Einkauf immer über mehrere Tage und wird entsprechend umfangreich. Wenn alles zusammengestellt ist, noch von der Liste in den Warenkorb schieben, Terminfenster auswählen. Die sind unterschiedlich teuer – ab bestimmtem Einkaufwert wird´s dann wieder billiger. Bezahlart wählen – ich zahle per Kreditkarte, AGB akzeptieren und ab dafür. Sofort bekommt man eine Bestätigungsmail. Falls man was vergessen hat, kann man die Bestellung nun noch bis zur Bereitstellung ändern. Dann gibt´s wieder eine Mail und man erfährt schon konkret was geliefert wird. Manchen Artikel gibt´s gar nicht, bei manchen Sachen wurde ein Ersatzartikel ausgewählt. Ausgerechnet immer bei meinem geliebten Froop Zitrone, dafür gibt´s dann Pfirsisch-Maracuja …. ich hasse Pfirsisch-Maracuja – aber man kann unerwünschte Ersatzartikel dem Fahrer wieder mitgeben ….. sofern man sie bei Lieferung auf die Schnelle in dem Tütenwust findet. Es sind immer Unmengen Tüten (Plastik und Papier) Aber toll, ich bekomme alles in die 15. Etage (natürlich mit Aufzug) geliefert – wenn ich will sogar bis in die Küche. Leergut gebe ich mit. Lieferschein liegt – ebenso Punkte für die grade laufenden Aktionen – ich muss noch auf einem kleinen elektronischen Kasten unterschreiben. Wenn der nette Lieferfahrer weg ist, muss ich nur noch Ordnung in das Tütenchaos bringen und den Kühlschrank auffüllen. Alles prima! Bisher hatte ich keinen Grund zu Klage – bis auf Pfirsich-Maracuja. Für Leute, die aufgrund Alters, Krankheit oder Behinderung nicht gut im Laden einkaufen können eine prima Sache. Ich werde es weiterhin machen.

  • Ich habe heute den REWE Abholservice getestet, der seit kurz vor Ostern auch in unserer Filiale angeboten wird.
    Das Ding heißt offensichtlich nicht mehr Drive und es gibt keinen Klingelschalter oder riesige Regale dafür, alles wird ganz in Handarbeit von den bekannten Gesichtern im Laden gemacht und der Lotto-Stand ist jetzt auch Abholservice-Kasse.
    Außerdem habe ich nun verstanden, warum im Eingangsbereich zwischen den zwei Schiebetüren (dort wo sonst die Blumenerde und das Vogelfutter liegen), jetzt drei große Kühlschränke ohne Preisschild stehen. 🙂

    Ansonsten hat es gut geklappt, ob ich die 2 € Aufpreis zahlen will, muss ich mir überlegen, aber die Zeitersparnis war real und das System mit den bepfandeten, befüllten Klappboxen finde ich ideal.
    Eine Lieferung in Plastiktüten wie bei Kaiser’s wäre für mich aus ökologischen Gründen ein NoGo, zumal ich keine Plastiktüte möchte, um Dinge von meiner Wohnungstür zum Kühlschrank zu transportieren.

    • Der Beitrag, den Sie kommentiert haben, ist 5 Jahre alt! Hat sich ein bisschen was getan zwischendurch…

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