Ende mit Schrecken: Wie Migros Tegut abgewickelt hat

Ende mit Schrecken: Wie Migros Tegut abgewickelt hat

Inhalt:

Früher als befürchtet gibt Migros Zürich die Hoffnung für Tegut auf. Viele Filialen, die Herzberger-Bäckerei und sogar die Teo-Smartstores sollen an Edeka gehen. Die Marke Tegut wird nicht weitergeführt. Wieder müssen Mitarbeitende im deutschen LEH darauf warten, was das Kartellamt sagt. [Update mit neuen Migros-Statements]

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Alle, die zuletzt in halbleeren Tegut-Märkten einkaufen waren, während sich andere Supermärkte in der Nähe vor Kundschaft kaum retten konnten, haben schon geahnt, dass es Probleme gab. Und dass die sich nicht per Fingerschnips würden lösen lassen. Am Ende ging es dann aber doch schneller, als man selbst in den pessimistischsten Szenarien erwartet hätte.

Die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) zieht sich vollständig aus Deutschland zurück und verkauft einen „wesentlichen Teil“ der Tegut-Gruppe an Edeka. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in einer Medienmitteilung mit.

Der Vertrag mit Edeka umfasst demnach einen Großteil des Filialportfolios samt Vertriebspersonal, das Logistikzentrum im hessischen Michelsrombach, die Herzberger-Bäckerei – und sogar die zuletzt noch ausgekoppelte Smart Retail Solutions GmbH, Betreiberin der Teo-Smartstores.

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Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Mit weiteren, nicht namentlich genannten Marktteilnehmern verhandelt Migros Zürich nach eigener Auskunft über die Übernahme der restlichen Standorte. Auf die Supermarktblog-Frage, wie viele der derzeit bestehenden Tegut-Filialen Teil des Edeka-Vertrags sind und für wie viele noch ein Käufer gesucht werde, heißt es aus Zürich:

„Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts. Erst nach Vorliegen des Beschlusses des Bundeskartellamts können wir verbindliche Auskünfte zu einzelnen Filialen erteilen. Die Migros Zürich bittet um Verständnis, dass aufgrund der Vertraulichkeit keine Informationen zu den laufenden Gesprächen mit anderen Marktteilnehmern bekannt gegeben werden können.“

Gleichzeitig erklärt eine Unternehmenssprecherin, die Arbeitsplätze in den rund 300 Tegut-Märkten, „wo der Grossteil der Mitarbeitenden innerhalb der Tegut-Gruppe arbeiten, sollten erhalten werden können“:

„Edeka übernimmt einen wesentlichen Teil der Märkte mit ihren Verkaufsmitarbeitenden.“ 

Ende eines Abenteuers

Es ist das Ende eines knapp 13 Jahre andauernden Deutschland-Abenteuers, das als vielversprechende Investition begann und als strategische Fehlinvestition der Migros-Gruppe mit hohen Gesamtverlusten in die Bücher eingehen dürfte. (Die mit Bilanzen und die über Handelsgeschichte gleichermaßen.)

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Und es ist die Bestätigung eines Szenarios, das sich in den vergangenen Monaten immer deutlicher abgezeichnet hat (siehe Supermarktblog): dass die von GMZ-Chef Patrik Pörtig veranlasste „Sanierung“ von Tegut womöglich einem ganz anderen Zweck diente als dem offiziell kommunizierten.

Die Chronologie der vergangenen Monate liest sich im Rückblick zumindest wie ein Handbuch der kontrollierten Abwicklung: Im November 2024 trennte sich Migros von der langjährigen Tegut-Geschäftsführung, kündigte einen Stellenabbau an und setzte der deutschen Tochter ein öffentliches Ultimatum: schwarze Zahlen bis Ende 2026, sonst sei Schluss (siehe Supermarktblog). Es folgte: die systematische Schließung von Frischetheken in manchen Filialen (siehe Supermarktblog). Da war die Integration der übernommenen Biomarktkette Basic, die zum Aufbruch in Süddeutschland werden sollte, bereits gescheitert (siehe Supermarktblog).

Dass es Probleme gab, war offensichtlich: Tegut-Markt in Hessen; Foto: Smb

Erst Trendwende, dann Blitzverkauf

Wer diese Schritte und Entwicklungen einzeln betrachtete, konnte sie noch als harten, aber womöglich notwendigen Sanierungskurs lesen.

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In der Gesamtschau drängt sich ein anderer Schluss auf: Dass Pörtig spätestens in dem Moment, in dem die Veräußerung einzelner Filialen nur schleppend lief, auf einen Komplettausstieg umgeschwenkt ist – und die laufenden Sanierungsmaßnahmen vor allem dazu dienten, die Verluste bis dahin möglichst gering zu halten.

Auffällig ist jedenfalls der Widerspruch zwischen Pörtigs öffentlicher Kommunikation und dem jetzigen Handeln. Noch im Frühjahr 2025 sprach er gegenüber der „Handelszeitung“ von einer „deutlichen Trendwende“ bei Tegut – das Ergebnis habe sich im ersten Quartal um 44 Prozent verbessert. In der heutigen Mitteilung heißt es, die operativen Verluste seien „um mehr als die Hälfte“ reduziert worden.

Trotzdem wird verkauft. Nicht am Ende des Ultimatums, nicht nach dem Scheitern der Sanierung – sondern mittendrin, trotz angeblicher Verbesserung. Weil sich das Marktumfeld in Deutschland weiter „verschärft“ und das „zu rückläufigen Umsätzen“ für Tegut geführt habe. In der offiziellen Mitteilung steht:

„Die umfassende Analyse der Situation hat deutlich gemacht, dass Tegut unter diesen Bedingungen mit der spezifischen Positionierung und der vergleichsweise kleinen Unternehmensgrösse langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig ist.“

Sich selbst die Umsätze weggespart

Die bittere Ironie: Gerade die während des Migros-Sparkurses beschlossenen Änderungen – geschlossene Frischetheken, ausgedünntes Sortiment, weniger Fokus auf Bio – dürften zumindest mit dafür gesorgt haben, dass sich auch bisherige Tegut-Stammkund:innen umorientiert haben. Das verschärfte Marktumfeld, auf das sich die Mitteilung beruft, hat Migros damit ein Stück weit selbst geschaffen.

Drastischer formuliert: Migros hat seiner deutschen Tochter – absichtlich oder unabsichtlich – selbst die Umsätze weggespart.

Auffällig ist aber auch das Timing: Die finanziellen Auswirkungen der jetzigen Transaktion sollen bereits im Jahresabschluss 2025 sichtbar werden, der am 24. März veröffentlicht wird – also in weniger als zwei Wochen. Ein Ende mit Schrecken, das sauber in ein Geschäftsjahr passt, anstatt noch ein weiteres zu belasten – das sieht zumindest so aus, als sei es sehr gut vorbereitet worden. Und zwar nicht nur wegen einer plötzlichen Verschärfung des Marktumfelds.

Edeka gewinnt erneut durch Zukauf

Für Edeka ist der Deal bemerkenswert. Neben Filialstandorten und Personal – laut „Lebensmittel Zeitung“ für die Regionen Hessenring, Südwest, Südbayern und Nordbayern – kommen wesentliche Teile der Tegut-Wertschöpfungskette zum Marktführer. Geht die Transaktion wie geplant durch, verstärkt sich die ohnehin hohe Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel noch weiter: Wieder verschwindet ein eigenständiger Anbieter vom Markt – und wieder profitieren die Großen.

Edeka profitiert durch die beabsichtigte Übernahme zahlreicher Tegut-Filialstandorte; Foto: Smb

Mindestens ebenso interessant: die Smart Retail Solutions mit den Teo-Standorten. Migros hatte das kassenlose Format erst vor wenigen Monaten von Tegut abgelöst, in neues Corporate Design gehüllt, Markenrechte und Patente gesichert und als eigenständiges, Franchise-fähiges Technologieunternehmen positioniert (siehe Supermarktblog).

All das wandert jetzt an Edeka, das plötzlich auch ein veritabler Player im Smartstore-Umfeld ist – und nicht mehr nur Warenzulieferer (siehe Supermarktblog).

Neu gestalteter Teo-Markt im Main-Taunus Zentrum Sulzbach; Foto: Smb

Das Ende der Marke Tegut

Was aus der Marke Tegut selbst wird und wem sie künftig gehört, erwähnt die Pressemitteilung mit keinem Wort. Dabei ist das für die verbliebene Kundschaft in Hessen und Thüringen keine Nebensache. Auf Supermarktblog-Anfrage erklärt eine GMZ-Sprecherin am Mittwoch allerdings unmissverständlich:

„Die Marke ‚tegut…‘ wird künftig nicht weitergeführt. Einzelheiten zu der konkreten Abwicklung und den Timings stehen derzeit noch nicht fest.“

Das gelte auch für die Zusammenarbeit mit Amazon: Über den Partner und dessen Prime-Logistik liefert Tegut bislang frische Lebensmittel im Großraum Darmstadt, Frankfurt, Mühlheim, Würzburg, Marburg/ Gießen, Kassel, Fulda und Südhessen. Unklar ist, wie lange noch.

Und was passiert mit der Tegut-Zentrale in Fulda und den dort verbliebenen Mitarbeitenden in Verwaltung und zentralen Funktionen? Die Auskunft aus der Schweiz dazu lautet:

„Wie viele der Mitarbeitenden aus der Betriebszentrale, der Logistik und der Herzberger Bäckerei weiterbeschäftigt werden, steht derzeit noch nicht fest.“

Bemerkenswert ist die Formulierung, dass „die Option einer Gesamtübernahme von Tegut durch einen Händler, der bisher nicht im deutschen Markt präsent ist“ sich „als nicht umsetzbar erwiesen“ habe. Es scheint also mindestens Gespräche mit einem ausländischen Interessenten gegeben zu haben. Wer das war und woran es scheiterte – keine Angabe. Nur die knappe Erklärung auf Supermarktblog-Anfrage:

„In den verschiedenen Gesprächen mit potenziellen Käufern konnte kein Händler gefunden werden, der einen Markteintritt in Deutschland plant und die Tegut-Gruppe entsprechend übernommen hätte.“

Ein elegant gelöstes Dilemma?

Und dann ist da noch die Frage der Bestandsgarantie. Noch Ende 2023 hatte sich Migros Zürich vertraglich verpflichtet, Tegut bis zum 31. Dezember 2026 finanziell so auszustatten, „dass diese jederzeit in der Lage ist, ihre Verpflichtungen zu erfüllen“. Diese im Jahresbericht der GMZ Deutschland Holding dokumentierte Liquiditätsausstattungsgarantie war womöglich das entscheidende Problem für Pörtig: Zürich konnte Tegut nicht einfach fallen lassen, ohne gegen die eigene vertragliche Zusage zu verstoßen.

Der Verkauf könnte dieses Dilemma elegant lösen: Edeka übernimmt den operativen Betrieb, die Bestandsgarantie könnte mit dem Closing gegenstandslos werden. Vorausgesetzt, das Kartellamt spielt mit. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Gegenüber dem Supermarktblog sagt die GMZ-Unternehmenssprecherin:

„Die Verpflichtung steht bis zum Vollzug aller Veräusserungen und deren Abwicklung fort.“

Das ist auch riskant für Migros selbst. Denn es bindet die Garantie an einen Zeitpunkt, den Zürich nicht (mehr) kontrolliert. Das Kartellamt bestimmt jetzt faktisch, wie lange Migros noch für Tegut zahlt.

Die Marke Tegut soll aus dem Lebensmitteleinzelhandel verschwinden; Foto: Smb

Für die Mitarbeitenden in Fulda und den Filialen ist die Lage in der Zwischenzeit alles andere als komfortabel. Sie arbeiten in einem Unternehmen, dessen Eigentümer den Rückzug angekündigt hat, dessen neuer Besitzer noch auf die behördliche Freigabe wartet – und für dessen restliche Standorte noch nicht mal ein Käufer feststeht. Kaiser’s Tengelmann lässt grüßen.

„Die Entscheidung, Tegut zu veräußern, ist uns äußerst schwergefallen“, lässt sich Pörtig in der Migros-Mitteilung zitieren. Aber das Handeln seines Unternehmens in den vergangenen Monaten macht es zumindest schwer, das zu glauben.

Die Antworten der GMZ auf Supermarktblog-Fragen wurden nachträglich im Text hinzugefügt. Dieser Text wurde nach der Veröffentlichung weiter ergänzt und überarbeitet.

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29 Kommentare
  • Wie ist eure Einschätzung?
    Bleibt der Name tegut an den Märkten?
    Viele Filialen sind doch in direkter Nachbarschaft zu EDEKA, zB Zeil am Main

    Das Konzept hat mich immer begeistert und würde unter Edeka mit fairen Preisen und weniger Kosten in Logistik bestimmt funktionieren

  • Nach LZ will Edeka wohl die Hälfte der etwas über 300 Filialen (waren es mal 350?) und Rewe „eine hohe zweistellige Zahl“. Wenn man hier Kaisers Tengelmann wiederholt und beide Ketten sich wieder komfortable, kleine Mini-Monopole bauen wollen, wird das Kartellamt sicherlich schon jetzt begeistert sein…

    • Das Kartellamt hat diese Mini-Monopole, die sich zumindest hier in Berlin stark verstetigt haben, ja bei der Aufteilung zugelassen bzw. nicht aktiv dagegen votiert.

  • Schade, auch wenn es sich abgezeichnet hat. Vermutlich ist es für die Angestellten in den Läden noch die beste Lösung sofern es durchgeht.
    Zumindest in Frankfurt/M sollte es meiner Ansicht nach auch keine Kartellrechtlichen Schwierigkeiten geben, hier ist Rewe ja sehr dominant und Edeka kaum vertreten. Der kürzlich erst eröffnete „Flagshipstore“ (Edeka Graf) im Four in der Innenstadt als Ausnahme…

  • SCHADE, sehr schade. Ein grosser Verlust für die Vielfalt im deutschen LEH. Ich ziehe demnächst in meine hessische Heimat um, freue mich schon auf TEGUT. Keine Ahnung ob der Name bleibt, aber die nächsten Sortimentsmanager sollten sich die Mischung aus regionalen und schwer woanders zu findenden Lebensmittel sehr gut anschauen. Diese Produkte sind es, die Tegut ausmachen. Es wäre eine vergeudete Chance, meine neue Filiale einfach in einen Edeka oder Rewe umzuflaggen.

    • So ist es – ich hoffe auch auf die Beibehaltung des tegut-Sortiments.
      Ein weiteres Edeka oder Rewe am Ort würde für mich totale Einschränkung des Angebots bedeuten.

    • Es werden bestimmt auch zig Filialen schliessen
      Rödental bei Coburg hat direkt nebenan Rewe und Edeka.
      Heldburg wird nebenan neuer Edeka gebaut.
      Was mit Coburg? Zwei große Märkte und Edeka und Rewe vertreten

      Bleibt spannend.

      Ich hätte die Marke tegut beibehalten…

  • Danke für diesen Überblick über die Entwicklungen, die jetzt zum Ende von tegut führten.
    Keine guten Nachrichten für den Verbraucher und den Markt insgesamt. Ich hoffe, dass das Bundeskartellamt regulierend eingreift.
    Gerade teo wäre doch interessant als Einstieg für ein Zabka, 7Eleven oder als Erweiterung für Alimentation Couche Tard (Circle K).

    @Peer Schader Die Übernahme von Kaiser’s/Tengelmann durch Edeka hat das Bundeskartellamt damals sehr wohl untersagt: https://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Meldung/DE/Pressemitteilungen/2015/01_04_2015_Edeka_Tengelmann_Untersagung.html und auch die Monopolkommission war gegen die Übernahme.
    Letztendlich war es aber der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der die Übernahme per „Ministererlaubnis“ gegen alle Widerstände durchdrückte.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiser’s_Tengelmann#Zusammenführung,_Sanierung_und_Verkauf

    • @Anton: Das ja. Ging aber weiter: Rewe legte Beschwerde gegen die Ministererlaubnis ein, zog sie aber zurück, als klar war, dass man selbst profitieren und einen Teil der von Edeka zunächst übernommenen Filialen kriegen würde. Das Kartellamt gab das frei und verstieg sich sogar zu der Behauptung, dass das „zu keiner Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen führt, sondern sogar zu strukturellen Verbesserungen“ (weil Edeka sonst überall Marktführer gewesen wäre). Das war – zumindest mit heutigem Blick auf manche Berliner Bezirke, die sich Rewe und Edeka z.T. sauber aufgeteilt haben – ziemlicher Quatsch. Mehr dazu vielleicht demnächst hier im Blog.

    • @Peer: Vielleicht kannst du ja was zu Deutschlands letztem Kaisers in Hilden (ja, es gibt immer noch eine Filiale samt Branding) dann noch mal einordnend sagen 🙂

  • Oh Mann, wie traurig ist das! Es war ja leider vorherzusehen, aber dass die Konzentration jetzt noch ein Stückchen stärker wird, ist echt ärgerlich. Und zumindest mir werden die tegut-Bio-Eigenmarken fehlen. Das Gefühl der Trauer hat mich ja schon seit dem Kurswechsel in der Schweiz befallen, seit dem alles, was tegut mal so besonders gemacht hatte, nach und nach eingespart wurde, ohne dass die Preise dadurch konkurrenzfähiger geworden wären. Aber jetzt ist es halt so endgültig. 🙁
    Ich bin mal gespannt, was die Edeka aus dem Sammelsurium kleinster, kleiner und großer tegut-Flächen hier in Frankfurt macht – und ob die Rewe wie seinerzeit bei KT nochmal reingrätscht. Wobei sie zumindest hier im Rhein-Main-Gebiet, wo sie im Supermarktsektor ja eh schon das Beinahe-Monopol besitzen, dafür keine Chance haben dürfte. Wahrscheinlich wird man sich hinter verschlossener Tür mit der Edeka über ein paar Filialen im ländlichen Raum einigen.
    Für die Markant und „Jeden Tag“ dürfte es jetzt auch noch mal ein bisschen enger werden.

  • als jemand der im tegut freien NRW lebt, hab ich letztes Jahr extra einen Geschäftstermin in Hessen genutzt, um einen tegut zu besuchen

    • Ich mache das immer im
      Urlaub und nutze auch Kurztripps aus NRW dazu!
      War schon Kunde in alten Okay Läden, aus den 70ern!
      Bin tieftraurig auch für die Mitarbeiter!
      Ein besonderes Kapitel deutscher Einkazfsgeschichte endet unrühmlich!

  • @Peer Leider kann ich nicht auf dritter Ebene auf deinen Kommentar antworten.
    Danke für die Klarstellung zur Causa Kaiser’s/Tengelmann!

    Wie schon gesagt: ich hoffe, dass das Kartellamt bei tegut genauer hinschaut, zumal ja auch die Monopolkommission im November die Marktmacht der vier großen Ketten im LEH deutlich kritisiert hat. In diesem Zusammenhang finde ich auch die zunehmende vertikale Integration des LEH bedenklich. Beispielsweise die Übernahme der Molkerei in Prenzlau durch Edeka, die Akquisition der Marmeladenfabrik Göbber durch die Schwarz Gruppe (beide 2025) und die Übernahme des Bio-Großhändlers Naturkost West, ebenfalls durch Edeka.

  • Es ist für die betroffenen Beschäftigten und auch von Tegut abhängigen Kund*innen natürlich sehr unangenehm. Aber ich komme nicht umhin, über die regionale Umsetzung des Deals zu spekulieren: Er wurde ja offenbar mit der Edeka-Zentrale geschlossen. Insbesondere betroffen wäre die eher konservative und äußerst kaufleutegeprägte Edeka Hessenring – hat die bisher überhaupt Regiemärkte jenseits der legendär oldschooligen Herkules SB-Warenhäuser (und angeschlossenen Baumärktne und Elektronikmärkten und ähm Sportartikelläden) über die Rheika-Delta Warenhandelsgesellschaft? Mir sind keine bekannt. Sollen die Standorte dann den regionalen Kaufleuten angeboten werden oder wird eine ganz neue Regiemarkt-Schiene begründet? Oder möglicherweise eine Mischung aus beidem – Filetstücke zu den Kaufleuten, Netto für den Rest? 😉 Wenn die Teguts gesammelt übernommen werden, bekommen sie ein Konzept „aus einem Guss“ oder wird der indivudielle Rumpel-Charakter einfach unter neuem Leuchtschild weitergeführt? Ich kann es mir gerade noch nicht ganz vorstellen, wie das funktionieren kann, gerade bei der doch sehr innovationsscheu wirkenden Hessenring.

    • Kann mir das auch noch nicht vorstellen.
      Hier bei uns Nordbayern ist EDEKA und Rewe immer direkt in der Nähe.
      Beispiel Hirschaid
      Tegut direkt neben Netto
      EDEKA baut aktuell neuen Markt am Ortseingang und REWE auch nur paar km entfernt

    • Spannender Aspekt! Du hast Recht, zumindest für Frankfurt kann ich mich nur an einen einzigen (vermutlichen) Regie-Markt erinnern, das E-Center in Griesheim (außer, ich habe den Kaufmannsnamen übersehen). Das bestand aber auch nur kurze Zeit, heute ist da ein Kaufland drin. Meines Wissens gibt’s nur eins, zwei Edeka Georgs im Norden und ganz neu den Edeka Graf in der City. Der aber im Interview auch schon gejammert hat, er würde zu wenig Umsatz machen, weil er keine Parkplätze hat und ihm die Wochenend-Großeinkäufe fehlen. Am erfolgreichsten sind die mittlerweile drei Scheck-Inn-Center (Ostend, Sachsenhausen, Niederrad). Und genau der kommt ja meines Wissens aus dem Südwest-Gebiet und nicht aus Hessen. Für den dürften selbst die größeren tegut-Märkte aber zu klein sein.
      Dass die tegut-Kleinflächen an Netto abgegeben werden, kann ich mir aber auch nur schwerlich vorstellen, zumal von den damals übernommenen Plus-Filialen über die Jahre der größte Teil geschlossen und nur sehr punktuell durch neuere, größere Filialen ersetzt wurde. Der tegut bei mir im Haus war ja früher mal ein Plus, dann ein basic. Und für einen Bio-Supermarkt wäre die Fläche und der Standort auch am besten geeignet. Sonst bespielt ja nur noch Penny solche Kleinflächen, aber den gibt’s schon eine Straßenecke weiter. Ähnlich die Problematik am Eschenheimer Turm: auch so ein Mini-City-Lädchen, für ’nen Edeka zu klein und einen Netto gibt’s bereits in der Nähe. Schade, dass Edeka die Naturkind-Biosupermarkt-Schiene wieder aufgegeben hat, dafür wären die kleineren Läden gut.

    • Ja, genau, wobei die Stadt Frankfurt (und der Taunus, das Georg-Reich 😉 ) ist ja schon Edeka Südwest, die zumindest nach Wikipedia auch schon Regiemärkte betreiben. An der Stadtgrenze zu Bad Vilbel/Wetteraukreis beginnt dann nach Norden das paybacklose Hessenring-Gebiet.

    • Okay, ich wollte mir das Off-Topic verkneifen, aber ich schaffe es nicht 😉 die Edeka-Regional-Grenze mitten durch das Rhein-Main-Gebiet finde ich nämlich eh spannend. Ich vermute stark, sie ist wohl auch ein historischer Grund dafür, dass der Ballungsraum mit seiner Randlage zu aller Verteil-Infrastruktur aus Sicht aus Offenburg und Melsungen eher Edeka-Diaspora ist – im Gegensatz zum Leibbrand-Nukleus von Rewe. Und auch aus Kundensicht ist es spannend, z.b. mal nacheinander im Edeka Langanki im Hessen-Center und im 15 Autominuten entfernten Herkules in Bad Vilbel einzukaufen. Nicht nur wegen der sehr unterschiedlichen Styles und Services (Payback Pay vs. kein Amex, auf dem Land auch gerne mal noch „EC-Karte ab 5 Euro“) sondern auch wegen leicht unterschiedlicher Ware. „Regional“ bedeutet hier gerne „vom Bodensee“ und dort auch mal „aus Thüringen“ 🙂

    • Oh, das wusste ich bislang noch nicht mit der Bezirksgrenze. Ich dachte ganz naiv immer, wo „Hessenring“ draufsteht, ist (ganz) Hessen drin. Wieder was gelernt. Aber das erklärt dann auch, warum Edeka bislang im finanzstarken Rhein-Main-Gebiet so schwach vertreten ist. Und macht die eigenständige Existenz des Hessenrings ja noch ein Stück absurder – obwohl ich die Paybacklosigkeit ja sogar als äußerst sympathisches Alleinstellungsmerkmal empfinde. 🙂 Danke für die Info!

  • Ich werde es bedauern, wenn Tegut schließt. Ich habe schöne Erinnerungen an HaWeGe aus meiner Kindheit in den 70er Jahren, als ich meine Oma in der Nähe von Marburg besuchte. Der Laden wurde später zu Tegut umgestaltet und erst vor Kurzem komplett renoviert. Die Qualität war immer ein bisschen besser als in anderen Supermärkten.

  • Tegut hat studentische Aushilfen sehr schlecht behandelt. Diese haben dann nicht mehr bei Tegut eingekauft, ebenso oft deren Freunde und Verwandte, die von den Missständen erfuhren. Nach einiger Zeit fehlten dann viele zahlungskräftige Kunden. Die Unternehmensführung hat seit mindestens 2012 einfach sehr dumm gewirtschaftet. Ähnlich wie bei Schlecker zuvor.

  • Das ist wirklich ein herber Verlust. Tegut ist der Supermarkt, den ich seit über einem Jahrzehnt fast täglich besucht habe und von dem ich in meiner tegutfreien Heimat immer wieder geschwärmt habe. Das Sortiment von Tegut ist immer etwas anders und interessanter gewesen als das von Edeka, Rewe und Co. Ich werde ihn vermissen.

  • Schade, mich überrascht es leider nicht, dass tegut wohl aus dem Markt raus sein wird.
    Wenn wenigstens etwas ähnliches wie bei E-Feneberg möglich wäre, fände ich das besser, als einen komplett auf Edeka umgestellten Marktauftritt.
    Bei der Gelegenheit, allen die mit Feneberg zu tun haben, viel Erfolg, dass sich da alles zum Guten wendet.

    Mir wurde tegut durch den Laden im Milaneo Stuttgart bekannt. Dort kaufe ich schon ziemlich seit Beginn ein.
    Das Personal wechselte zwar im Lauf der Jahre, aber insgesamt ist mein Eindruck, dass die Leute die dort arbeiten, zum Erfolg beitragen.

    Zur Produktpalette kann ich wenig sagen, denn ich nehme diesen tegut als normalen Supermarkt wahr.
    Insofern kann ich die meisten Dinge auch anderswo bekommen.

    Es ist eben das Einkaufsgefühl, der vom allgemeinen Standard abweichende Marktauftritt, der mich gerne dort einkaufen lässt
    Wenn ich bei Edeka, Rewe, Aldi, Lidl usw. einkaufen möchte, habe ich jeweils minimum zwei oder mehr Läden zur Auswahl, wo ich hingehen kann.

    Für Bio-Produkte findet sich auch Auswahl.
    Was in Stuttgart dann vermutlich nicht mehr erhältlich sein wird, ist „Jeden Tag“. Denn soweit mir bekannt gibt es das in Stuttgart ausschließlich in den Läden von tegut.

    Was mich enttäuscht, dass ich nun zum zweiten Mal erlebe, dass sich MIGROS aus der Region Stuttfart zurück zieht.
    Durch Einkaufsmöglichkeit in der Schweiz, ist mir MIGROS bekannt. Kaufe dort auch gerne ein.
    Werde nun aber bewusst auch nach coop in der Schweiz schauen. Der Rückzug von MIGROS hat also schon ein wenig Konsequenzen.

  • Auch interessant: Noch Ende November 2025 hat man die Verträge als Hauptsponsor des diesjährigen Hessentages fixiert und muss bis Juni schlecht angelegte Mittel (da die Marke ja nicht weitergeführt werden soll und die sofortigen Mehrumsätze diese kaum kompensieren dürften) locker machen. Wobei beispielsweise eine Verlosung unter diesem Deckmantel, die den Upload eines Kassenbeleges über mind. 100 € voraussetzt, schon ziemlich nach verzweifeltem Versuch der Zahlenkosmetik anmutet 😉

    • Das kann ich vor allem bei den weniger schnelldrehenden Eigenmarken/Produkten (z.B. einigen unter tBio/tBio vegan) in Kühlung und Trockenware leider bestätigen. Das fällt besonders auf, wenn man sich nicht die Mühe macht, für seltener/gar nicht mehr nachbestückte Artikel andere Facings in die Breite zu ziehen …

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