Das Supermarktblog wird 5!

Das Supermarktblog wird 5!

Inhalt:

Heute vor fünf Jahren erschien der erste Eintrag im Supermarktblog. Seitdem hat sich im deutschen Lebensmittelhandel einiges getan. Ein kurzer Geburtstagsblick zurück – und auf das, was noch kommt.

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Heute vor fünf Jahren erschien der erste Eintrag im Supermarktblog. Und gleich in der Premierenwoche hab ich drei entscheidende Dinge gelernt: 1. Dass man niemals, wirklich niemals pünktlich zu Supermarktneueröffnungen kommt, weil man morgens um 7 Uhr sonst alleine mit dem Hausfotografen dasteht; 2. dass man von anderen Leuten ziemlich dämlich angeschaut wird, wenn man Fotos von Supermärkten macht; 3. und dass dieses Blog ein ziemlich großer Spaß werden könnte.

Punkt 1 vermeide ich inzwischen, mit Punkt 2 haben sich mein Umfeld und ich arrangiert, und dass Punkt 3 tatsächlich wahr geworden ist, hab ich Ihnen zu verdanken: Weil Sie hier mitlesen, mir Mails oder Tweets mit wertvollen Hinweisen schicken und lehrreiche, launische, lustige Kommentare unter die Einträge schreiben.

(Und natürlich, weil Sie im Herbst 2012 hier mit in meine eigene Blogbutze gezogen sind.)


Der Blogstart fiel damals nicht ganz zufällig mit der Eröffnung von Rewes neuem Minimarktkonzept Rewe to Go in Köln zusammen, mit dem sich gleich zwei der ersten Texte befassten (“Wenn Sie in der Kölner Fußgängerzone bald Leute sehen, die ein dampfendes Hacksteak mit Zwiebelsoße vor sich hertragen und es dabei ein kleines bisschen eilig haben, wundern Sie sich nicht! Lesen Sie lieber diesen Text.“)

rewetogo02

Was aus den freundlichen To-Go-Kaffeebechermännchen (oder -frauchen) geworden ist, weiß ich leider nicht, gemeldet haben sie sich – trotz Aufforderung – in den Kommentaren nie. Allerdings bin ich seit diesem Apriltag im Jahr 2011 überzeugt davon, dass die Kontaktaufnahme einer extraterrestrischen Lebensform bei ihrem ersten Erdenbesuch ziemlich exakt so aussehen wird wie auf diesem Foto:

rewetogo01

(Die Kölner Fußgängerzone hat ja ohnehin etwas Außerirdisches.)

Und wenn wir gerade schon bei Science-Fiction sind: “Ungefähr so stellt man sich als Laie die Steuerkonsole im Todesstern vor”, stand damals im zweiten Blogeintrag über die riesigen Selbstbedienungskassen von Real, die ihren Benutzern (und der restlichen Kundschaft im Laden) immer SEHR LAUT VORLASEN, was sie da gerade aus dem Einkaufskorb in die Tüte rüberscannten.

realsb01

Ohnehin lesen sich die Texte der ersten Wochen im Nachhinein wie ein Best-of der späteren Blog-Lieblingsthemen: Lidl erfand gerade den Brötchenknast und wischte Aldi mit seinen klobigen Backautomaten eins aus, bei Penny deutete sich bereits der Neustart an und Netto (ohne Hund) musste sich nicht nur für seine vermurkste BioBio-Eigenmarkenadaption von Plus schelten lassen, sondern auch noch “Netto (ohne Hund)” nennen. (Der später erschienene Erklärtext dazu wird von freundlichen Lesern seitdem regelmäßig verlinkt.)

Dabei war der ursprüngliche Gedanke natürlich nicht (nur), sich lustige Alternativnamen für umständliche Handelsbegriffe auszudenken. Sondern vor allem, die Lücken in der Berichterstattung der klassischen Medien über die großen Supermarktketten zu füllen. Weil in den Zeitungen zwar regelmäßig Platz für (Lebensmittel-)Skandale war. Aber:

“Seltener wird darüber geschrieben, auf welche Weise die großen Handelsketten beeinflussen, wie und was wir einkaufen, wie Supermärkte modernisiert werden, was deutsche Händler aus dem Ausland lernen können (oder schon gelernt haben), über die Strategien der Unternehmen im Umgang mit ihren Kunden.”

So steht’s in der alten Blog-Eröffnungsmitteilung. Und es stimmt nicht mehr. Wirtschaftsmedien, Verbrauchersendungen und Online-Redaktionen berichten inzwischen regelmäßig über die Ereignisse im Lebensmittelhandel; zumal Unternehmensnamen wie “Aldi”, “Lidl” oder “dm” in der Überschrift jedes Mal ein sicherer Klickhit sind. (Egal, was dann drunter steht.)

Das heißt aber nicht, dass ich hier den Laden dicht machen wollte.

Weil ich glaube, dass es sich lohnt, auch fernab des Tagesgeschehens darüber zu schreiben, wie sich die Lebensmittelbranche verändert. Ohne Brüll-Überschriften und Sensationsschlagzeilen. Dafür mit einem Blick auf Sonderbarkeiten und Details, für die in anderen Medien (manchmal zurecht) kein Platz ist. Und vor allem: auch mal als Tierreportage, Hochzeitsrede oder Theaterstück.

Auf den Kopf gestellt

Wie sehr sich eine regelmäßige Begleitung lohnt, lässt sich schon an den Umwälzungen der  vergangenen fünf Jahre erkennen: Zum Blogstart rangierte die Metro-Gruppe noch auf Platz 3 der größten deutschen Lebensmittelhändler und ist inzwischen auf Platz 5 hinter die Schwarz-Gruppe (Kaufland, Lidl) und Aldi zurückgefallen (LZ/Trade Dimensions). Edeka hat seinen Vorsprung als Marktführer weiter ausgebaut und bekommt mit Unterstützung des Wirtschaftsministers noch mal einen ordentlichen Schub.

Kaiser’s Tengelmann verschwindet von der Bildfläche, Schlecker ist an seinen eigenen Fehlern gescheitert (was den Gründer wohl nicht davon abhielt, das eigene Unternehmen vor der Insolvenz zum Selbstbedienungsladen zu machen). Das kommt Rossmann und vor allem dm zugute, auch auf die Gefahr hin, dass dort durch die Expansion die komplette Unternehmensphilosophie auf den Kopf gestellt wird.

Tegut ist von der Schweizer Migros übernommen worden. Das nächste Sorgenkind ist Real, von Metro arg stiefmütterlich behandelt und demnächst in einen eigenen Konzernteil verschoben. Zugleich werden die großen Discounter den Supermärkten immer ähnlicher, um ihnen Marktanteile abzujagen.

Anders gesagt: Zu schreiben gibt es auch künftig genug. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind – und sage Jochen Krisch von Exciting Commerce herzlichen Dank, der all das hier unterstützt und möglich machen hilft.

Außerdem verspreche ich, dass es jetzt augenblicklich wieder vorbei ist mit den Selbstreferenzen. Als kleines Geburtstagsgeschenk soll in dieser Woche bloß noch eine Top 5 der außergewöhnlichsten Supermärkte erscheinen, die ich in den vergangenen fünf Jahren besucht habe. Und im Anschluss schauen wir uns nochmal zusammen an, was eigentlich aus dem anderen Geburtstagskind geworden ist, das ich vor kurzem wiedergetroffen habe: Rewe to Go in der Kölner Fußgängerzone.

Und falls Sie all das hier erst jetzt entdecken, wiederhole ich mich gerne:

Das Supermarktblog ist geöffnet von 0 bis 24 Uhr. Herzlich Willkommen!

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Fotos: Supermarktblog, GRafik: gemacht mit Piktochart

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17 Kommentare
  • Vielen Dank für die interssanten wie auch amüsanten Berichte aus der Welt der Supermärkte. Sie erziehen uns zu kleinen Experten, ich gehe nun ganz anders durch den Markt meines Vertrauens und verfolge gespannt jeden Umbau.

  • Schon seit FAZ-Tagen lese ich Ihren Blog wirklich gerne und gehe inzwischen mit ganz anderen Augen einkaufen! Auf die nächsten fünf Jahre!

  • Schon allein dass hier noch “das” Blog und nicht “der” Blog gesagt wird, macht dieses Blog herausragend.

    PS: Vielen Dank, Herr Schader, für das Nachfragen bei Penny wegen dieser Sache mit den Namenszuweisungen. Und auch spannend, dass man hier bald erfährt, was aus diesem ominösen “Rewe to go” geworden ist.

  • Erstmal habe ich zu danken für (nicht ganz von Anfang an verfolgte) Jahre mit guten, fundierten, spannenden, journalistisch sauberen, durchaus wirtschafts- und sozialwissenschaftlich relevanten Texten, deren Lebensnähe mir das bietet, was im (Handels-)Marketingstudium teils etwas zu kurz kam.
    Der genannte Punkt 2 gilbt aber für vieles, ob nun Supermärkte, Flugzeuge, Züge, Dienstfahrzeuge von Sicherheitsbehörden usw..
    (Zu) Früh bei Supermarkteröffnungen kann auch nett sein. Ich war mal am ersten Tag in einem neuen Aldi, im edlen Zwirn. Mußte unhöflich älterer Dame ins Wort fallen, um ihr zu raten, das Lob eher den Leuten mit feinen Zwirn zu erzählen, die mit dem Filialleiter beisammen standen und anders als ich wohl für die Albrechts arbeiten.

  • Auch ich möchte hier nochmal meinen ausdrücklichen Dank und ein großes Lob für diesen Blog aussprechen. Ich lese ihn ebenfalls bereits seit FAZ-Zeiten und bin froh, dass es ihn gibt. Auch wenn “andere Medien” inzwischen auch über die Supermarktlandschaften berichten, so ist dieser Blog für mich dennoch etwas besonderes. Hier kommen dann doch noch andere bzw. spezieller Details unter die Lupe. Zudem geschieht dies immer gepaart mit einer Portion Humor, die mir gut gefällt und auch der Schreibstil ist ein besonderer. In diesem Sinne: Danke und weiter so! 🙂

  • Herzlichen Glückwunsch!
    Der Supermarktblog ist für mich eins dieser Kleinode, das es schafft mich für Themen zu begeistern, die ich entweder doof fand oder gar nicht auf dem Schirm hatte – danke dafür!
    Und auch unabhängig vom Inhalt ist der Blog sprachlich einfach schön und glänzt mit tollen Formulierungen und auch mal ungewöhnlichen Präsentationsideen – Stichwort Tiefkühl-Comic.
    Persönlich würde ich mir noch Infos zum Thema der Kooperation von Sky/Coop und REWE wünschen, aber das ist wohl ein sehr regionales Thema.
    Weiter so!

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