Zukunftstechniken der Vergangenheit (2): Wer hat uns verraten? Kaffeeautomaten!

Zukunftstechniken der Vergangenheit (2): Wer hat uns verraten? Kaffeeautomaten!

Inhalt:

Sitzgelegenheiten und wohlschmeckende „Kaffeespezialitäten“ haben Aldi und Lidl ihren Kunden versprochen! Die Koffein-getränkte Realität sieht in den meisten Märkten dann aber doch anders aus.

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Um was es geht

Ganz neuen Kundenservice haben sie uns versprochen! Sitzgelegenheiten und wohlschmeckende „Kaffeespezialitäten“! Seit einigen Monaten installieren die großen Discountketten in ihren Läden Kaffeeautomaten, die geradezu sinnbildlich für die Aufwertung der riesigen Filialnetze stehen (mindestens bei denen, die drüber berichten). Dennoch hat dieses Blog von Anfang an über die „Bushaltestellen mit Heißgetränkeanschluss“ gespottet, wie sie beispielsweise Aldi Süd in seine Märkte baut.

Dabei scheinen die Automaten zu einem identitätsstiftenden Bestandteil des fortentwickelten Discount-Konzepts zu werden.

In neuen Lidl-Filialen sind sie im gläsernen Eingangsbereich als offizielles Kunden-Empfangskomittee abgestellt (siehe Titelfoto).

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Und im Kundenmagazin „Aldi inspiriert“ hat sich kürzlich Dietmar S., 41 Jahre, zu Wort gemeldet. Dietmar ist Filialleiter in der Aldi-Süd-Regionalgesellschaft Kirchheim a. d. Weinstraße und freut sich in der aktuellen Osterausgabe im Regionalteil (ja, den gibt’s!) unter „Meine Empfehlung“:

„Als leidenschaftlicher Kaffeetrinker bin ich begeistert von den COFFEE3 To Go Automaten bei ALDI SÜD. Am besten schmeckt mir Latte macchiato mit Karamellsirup.“


Wie es funktioniert

Kommt drauf an, in welcher Tiefebene des Aldireichs Sie sich beim beabsichtigten Heißgetränkegenuss gerade befinden. Im Untergeschoss der Harburg Arcaden bei Hamburg lockt Aldi Nord die Kundschaft etwa mit der verheißungsvollen Aussicht „NEU to go!“ bzw. „Unsere Bohne jetzt frisch im Becher“ und wirbt mit einem besonderen Qualitätsmerkmal:

„NEU – Bitte Zahlen Sie Ihre Getränke an der Kasse – NEU“

Im Aldi-Süd-Universum sieht das völlig anders aus: Der Automat in der Filiale schräg gegenüber des Münchner Hauptbahnhofs verlangt hinter den Kassen nämlich Vorauszahlung – in Cash!

Sorgen Sie sich aber nicht: Falls auch die Gattin zu den leidenschaftlichen Kaffeetrinkern gehört und sich für eine der 1-Euro-Brühspezialitäten entscheidet, akzeptiert der Direktzahler-Automat praktischerweise Scheine.


Warum das wieder weg kann

Weil’s nicht schmeckt.

Und weil der passgenau in die herausgeputzte Backstraße des schicken Modellmarkts integrierte Kaffeespender (wie im Gladbecker Aldi Nord und seinem heute der Öffentlichkeit zugängig gemachten Hertener Nachfolgekonzept) in den allermeisten Fällen genauso wenig der Realität entspricht wie das cremefarbene Sitzbänkchen-Paradies in Aldi-Süd-Märkten.

Sondern so:

Wer dem Ruf der frisch gemahlenen Aldi-Bohne in Harburg folgt, landet direkt hinterm Eingang zwischen „Iso Light“-Getränkepalette und Müllschlucker an dem in die Ecke geschobenen Kaffeespucker, dessen Selbstbedienung sich nur dann empfiehlt, wenn im Hintergrund nicht zuviele Kunden mit ihren Einkaufswagen nachdrängeln.

Wer’s schafft, danach erfolgreich den davor aufgebauten Gittertisch-Parcours zu bewältigen und den Becher verbrühungsfrei an die Kasse zu balancieren, darf sein Heißgetränk zur Belohnung anschließend im Stehen genießen.

Noch ein bisschen aufregender steht sich’s nur am Münchner „COFFEE3 To Go“-Automaten von Aldi Süd, der am Marktausgang zusammen mit den Prospektständern, dem Müllwürfel und dem Werbeaufsteller für potenzielle Discount-Nachwuchskräfte eine traurige Discount-Skyline bildet.

Anders formuliert: Während Kaffeeautomaten in frisch rausgeputzten Umbau-Discountfilialen immerhin nicht im Weg rumstehen und halbwegs ordentlich aussehen, nehmen sie in durchschnittlichen Märkten einfach nur Platz weg, stauben ein und hängen mit ihren aus dem Schwingdeckel herausmüffelnden Müllkumpeln ab, damit denen nicht langweilig wird. Mit „Kundenservice“ oder leckerem „Kaffee“ hat das aber nix zu tun.

Zur langen Aldi-Tradition überflüssiger Automaten im Markt passt die Initiative allerdings hervorragend.


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Fotos: Supermarktblog"

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20 Kommentare
  • Der Artikel ist zwar sehr Aldi-lastig, aber ich möchte erwähnen, dass der hiesige Lidl-Kaffeeautomat gerade von Studenten sehr gut angenommen wird. Er steht auch im Eingangsbereich, wird meinen Beobachtungen zufolge aber fast nur NACH dem Einkauf benutzt. Ich habe auch verschiedene „Kreationen“ probiert und muss sagen, dass er besser schmeckt als der Uni-Kaffee von Dallmayr, und der ist teurer.

    Btw: die Lidl-Packer haben mittlerweile Knopf im Ohr und Funkgeräte, die tatsächlich auch benutzt werden. Kannte ich bisher nicht. Ist das neu oder mir nur noch nie aufgefallen?

    • Das ist neu und erst seit wenigen Monaten :). Die Lidl-Motarbeiter haben auch endlich ihre neuen Klamotten bekommen! In den meisten Lidl-Märkten steht der Automat mit Absicht im Ausgangsbereich damit kein Mensch seinen Becher durch den Laden schippern muss. Allerdings ist es äusserst kuschelig wenn der Ausgangsflur gerade mal 2,5 m breit ist.

    • Das Standardblaumit gleben Streifen weicht einer blau-grauen Musterung. Das kräftige grün wird etwas blasser. Auf den Softshelljacken steht jetzt dezent LIDL in hellgrau.

  • anfangs dachte ich auch das eigentlich niemand beim oder nach dem einkaufen im discounter lust auf oder freie hand für einen becher kaffee hat wurde dann aber nachhaltig eines besseren belehert.

    bei horden von handwerkern, lieferwagenfahrern und ähnlichen fahrensleuten ist lidl seit der großen brötchenverknastung ein ausgesprochen beliebter anlaufpunkt für vesper oder mittagspause und der recht passable automatenkaffee findet viele dankbare abnehmer.

    • Lustig, nachdem ich den Artikel hier gelesen hatte und praktisch noch nie eine Person, zu meinen Einkaufszeiten > 19:00, an einem Lidl Kaffee-Automaten gesehen habe, fiel mir doch tatsächlich diese Woche eine Dame auf, die sich Kaffee holte, aber den Laden nicht betrat. Wie sich rausstellte, eine Taxifahrerin.

      Bei den Handwerkern geht sicher auch nicht der ganze Trupp in den Laden, vielleicht sollten Lidl und Co. diese Automaten also gleich auf dem Parkplatz installieren.

  • Das Titelfoto ist auch sehr schön, „Der Umwelt zuliebe“ plakatieren und daneben einen „To Go“ Kaffeeautomaten hinstellen… Es sollte sich doch inzwischen herumgesprochen haben, dass die meisten Kaffeebecher nicht recyclebar sind und ein riesen Umweltproblem darstellen.

    So wie der schreckliche Kapselkaffee sollten auch diese Automaten zum Wohle aller schnell wieder in der Versenkung verschwinden.

  • In Lidl-Filialen ohne einen der neuen diagonal gebauten Eingangsbereiche darf man sich den Flur am Ausgang jetzt mit Recyclestation, Prospektaufstellern und Kaffeeautomat teilen. Wenn man nicht mit dem Auto da ist und also seinen Einkauf umpacken muss, wird man dann jetzt regelmäßig von nachfolgenden, autofahrenden Kunden weggerempelt oder zumindest missbilligend mit Blicken gegrillt, weil man die Spur blockiert. Da hat Lidl auf jeden Fall ein besonderes Einkaufserlebnis geschaffen – ein besonders unangenehmes.

    • Relativ umpackerfreundlich ist seit jeher eh fast nur Aldi (Süd). Der Raum, wo bei ehemaligen Standardlidls jetzt der Kaffeeautomat steht, war dafür eh nie richtig nutzbar (teils ist auch die Trennwand etwas verschoben worden). Blöd sind vorallem die zusätzlichen Pfützen. Mindestens München Pelkovenstraße (gegenüber OEZ) hat übrigens schon seit Jahren (lang vor dem Umbau) so einen Automaten; neu ist bloß, dass sie jetzt überall sind. BTW, die Frischkuchenkühltheken, die es mal in manchen Lidls gegeben hat, sind glaub ich alle wieder weg.

    • Dass man Aldi als Fußgänger besser nutzen kann, ist einer der Gründe, warum ich lieber dorthin gehe.

      Der Raum, wo bei ehemaligen Standardlidls jetzt der Kaffeeautomat steht, war dafür eh nie richtig nutzbar…

      Schon, aber dafür sind die Aufsteller jetzt in den Raum gewandert, den man nutzen konnte.

  • Hm, ich kann mich dem Filialleiter nur anschließen, ich finde den Kaffee sehr lecker. Frisch gemahlen aus ganzer Bio-Bohne und der Sirup kann sich auch sehen lassen im Vergleich zu Starbucks und McDonalds. Wenn ich bedenke, dass ich beim Mc Café 3,79 zahle und bei Starbucks gut und gerne 5€… Geschmacklich kann der Aldi Kaffe mithalten und dafür ist der Preis wirklich gut. Würde nur gerne per Kreditkarte zahlen können, dadurch fällt der Kauf meist aus, ich trage kein Bargeld mehr mit mir rum.

  • Mein Mann muss bei jedem gemeinsamen Einkauf einen Lidl-Kaffee ziehen, um die unfassbar lange und belastende Einkaufszeit zu überstehen 😀
    Ich für meinen Teil würde nie, nie, niemals aus einem solchen Automaten was trinken, einfach weil die Dinger meistens total versifft sind. Vornedran Pfützen auf dem Boden, durch die Horden Einkaufswilliger mit ihren Wägen durchgerollert sind. Wenig einladend. Wer weiß, wie die Automaten innen aussehen.

    • Schon mal an den jeden Tag gereinigten Leergutautomaten und Kundentoiletten der Supermärkte gerochen? Ähnlich „sauber“ dürften die Automaten nach der Reinigung sein.

      Mindestens genauso lecker ist der feuchte Schwammlappen der in Tchibo-Filialen auf seinen Einsatz wartet: Schublade auf, Lappen rausnehmen, Milchschaumdüse damit abwischen, Lappen reinlegen, Schublade wieder zu. Immer und immer wieder.

      Genießertipp: Zu den Bakterien und Keimen to go passt perfekt ein sommerlicher Fertigsalat mit ähnlich wertvollen Inhaltsstoffen.

    • nun das mit dem automaten kann ich zumindest in unser Filiale versichern, da ich in selber arbeite.

  • Ich frage mich ernsthaft, warum man beim Einkauf in einem Discounter Lust auf einen Automaten-Kaffee haben sollte – ich kann das ehrlich überhaupt nicht nachvollziehen. Das gilt auch für danach. Ich kaufe ein, fahre mein Zeug nach Hause, räume es ein und habe höchsten dann Lust auf einen Kaffee – mit Sicherheit aber nicht während der notwendigen Übels „Einkaufen“.

  • Im Osterurlaub an der Nordseeküste, lange Umsteigezeit am Stadtrand Bahnhof von Esens, kein Bäcker, kein Kiosk, einziger Laden im Umkreis ein moderner Lidl 100m gegenüber.

    Und genau hier gibt es natürlich KEIN Kaffee-Automat, Arghh 🙂

    Liebe Lidl-Manager, überprüft die Lage, über den Bf Esens wird der Urlaubsverkehr für die Nordseeinseln abgewickelt.

  • Lidl hat jetzt erweiterte Öffnungszeiten für die Kaffeeautomaten (zumindest in München am Frankfurter Ring). Der Kaffeeautomat macht um 6 Uhr auf, die Filiale erst um 7. Ist eine relativ weitgehend renovierte Standardfiliale, wo der Kaffeeautomat in der ehemaligen Schleuse zwischen Ein- und Ausgang steht, mit Verbindung zur seitlichen Pfandrückgabe, wo ehemals ein Bäcker drin war.

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