Lidl Großbritannien macht Bedienkassen in Stadtfilialen zum Auslaufmodell

Lidl Großbritannien macht Bedienkassen in Stadtfilialen zum Auslaufmodell

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Gehen Kund:innen auch im Discounter an die SB-Kasse? Lidl glaubt: ja! Und probiert in London sogar aus, wie es ankommt, wenn die reguläre Kasse dafür ganz an den Rand rückt.

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Sind Kund:innen auch im Discounter offen dafür, sich selbst abzukassieren? Lidl glaubt: ja! Und testet eine entsprechende Möglichkeit derzeit in der Schweiz. In spanischen Filialen stehen die Geräte auch schon. In Portugal, Frankreich und in den Niederlanden lassen sich in Testfilialen derweil Produkte während des Einkaufs mobil scannen (per App mit dem eigenen Smartphone und neuerdings per Handscanner, meldet Distrifood.nl). Und in Großbritannien traut sich die Discountkette, für die neue Technologie sogar die gewohnte Ladenstruktur zu verändern – um in Stadtfilialen für Self-Checkouts fast die komplette Kassenzone zu reservieren.

Im Londoner Stadtteil Stockwell, wo die meisten Kund:innen zu Fuß zum Einkaufen kommen, hat Lidl beim Umbau vor ungefähr zwei Jahren eine klassische Bedienkasse geopfert, um an deren Stelle Platz für mehrere Self-Checkouts zu machen – gleich zehn an der Zahl (siehe Supermarktblog). So sah das aus:

Zu Stoßzeiten musste man im Laden aber trotzdem noch ziemlich lange anstehen – auch weil die vier (von einst fünf) regulären Kassen, die weiter daneben zur Auswahl standen, vermutlich nie komplett besetzt waren.


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Vielleicht hat sich Lidl auch deshalb dazu entschlossen, nochmal umzubauen. Und die Systeme dabei ihre Plätze tauschen zu lassen. Übrig geblieben ist eine Bedienkasse, die ans rechte Ladenende verlegt wurde (wo vorher die SB-Geräte standen); dafür nimmt die von der Vertikalen ins Horizontale umgebaute, nochmals erweiterte SB-Kassenzone nun den größten Teil der vorderen Ladenfläche ein.

14 + 1 = weniger Schlangen?

Nach dem Umbau stehen (wenn ich richtig gezählt habe) 14 Selbstbediengeräte zur Verfügung: acht, die ausschließlich Karten (oder Smartphones mit NFC) als Zahlungsmittel akzeptieren; und sechs, die zusätzlich auch Scheine und Münzen annehmen. Die Kassentypen sind entsprechend gekennzeichnet.

Die Self-Checkouts sind mit einer niedrigen Glaswand vom Laden abgetrennt. Sie verfügen über einen klaren Ein- und Ausgang und es gibt eine separate Kassenaufsicht, die frei werdende Geräte ansagt und Kund:innen dort hinlotst.

Das bedeutet für Lidl zwar, dass im normalen Betrieb mindestens zwei Mitarbeiter:innen mit Kassieren beschäftigt sind (eine:r als Bedienung, eine:r als Aufsicht) – im Vergleich zur Situation vor dem ersten Umbau, als sich mit der gleichen Besetzung ganze zwei Kassen öffnen ließen, sind es nun: 15 (!).

Vor allem für die SB-Aufsicht ist das – zurückhaltend formuliert – eine ziemlich sportliche Aufgabe, weil es im Hochbetrieb ständig was zu rödeln gibt. Allerdings sind neben den Geräten von Diebold Nixdorf kleine Monitore angebracht, auf denen man sich selbst beim Kassieren zusehen kann, um Diebstahl vorzubeugen, genau wie beim Wettbewerber Aldi (siehe Supermarktblog).

In dieser Filiale ist die SB-Bezahllösung zum neuen Standard geworden; wer seine Einkäufe weiter auf ein reguläres Kassenband legen möchte, muss dafür an den Rand des Ladens gehen.

Geht’s auch ganz ohne?

Für größere Lidl-Märkte dürfte diese Schwerpunktverlagerung Richtung Self-Checkout eher nicht in Frage kommen, weil Kund:innen mit Wocheneinkäufen vermutlich weiter eher zur Bedienkasse tendieren; aber an Standorten, wo die Mehrzahl mit einem überschaubar gefüllten Einkaufskorb in Richtung Ausgang eilt, ist die Verschiebung eine Möglichkeit, um Rückstaus in den Laden hinein zu vermeiden.

Die klassischen Bedienkassen komplett abzuschaffen, dürfte für den Discounter – vorerst – auch scheuen; mit Kinderwagen ist das Durchkommen in der SB-Zone nämlich eher schwierig. Und selbst bei unter den Britinnen und Briten gibt es nach wie vor Selbstscan-Verweigerer.

Es geht aber auch anders: The Co-Op verzichten in seinen Londoner „On the Go“-Läden z.B. auf klassische Bedienkassen; dafür hilft die Aufsicht, wenn es beim Selbstscannen Probleme gibt. Die betroffenen Läden sind aber noch sehr viel kleiner und, wie der Name schon sagt, eher darauf ausgelegt, dass sich Kund:innen schnell für unterwegs mit einem Sandwich und einem Getränk eindecken. (Mehr zum Format steht demnächst hier im Blog.)

Fotos: Supermarktblog"

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