11 Dinge, die Sie über Teguts Minimarktkonzept Teo wissen sollten

11 Dinge, die Sie über Teguts Minimarktkonzept Teo wissen sollten

Foto: Tegut
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Im November 2020 eröffnete Tegut in Fulda den ersten Laden ohne Personal, in dem Kund:innen per App eingelassen werden, ihren Einkauf selbst scannen und bezahlen. Das sind aber nicht die einzigen Besonderheiten des Konzepts.

Partner und Sponsoren:

1. Platz für mehr Produkte dank Holzfassade und „Walk-in Cooler“

Die Produktauswahl im Teo ist begrenzt. Allerdings liegt die Zahl der verfügbaren Artikel mit 950 höher als im „T-Box“ getauften Pilotmarkt, der lediglich auf 890 Artikel kam – obwohl die Verkaufsfläche mit 50 Quadratmetern gleich geblieben ist. Das liegt zum einen am neuen Design: Teo ist rundherum holzeingefasst und verfügt lediglich über zwei runde Seitenfenster statt einer großen Glasfassade. Dadurch ist drinnen mehr Platz für Regale. Außerdem wurden keine wuchtigen Kühlschränke eingebaut. Gekühlte Ware ist stattdessen in einen separat begehbaren „Walk-in Cooler“ einsortiert.

Besonders oft werden bislang Obst, Gemüse, Brot und Red Bull gekauft, Tee und Kaffee eher selten. Zweimal pro Tag werden die Regale aufgefüllt; die Belieferung erfolgt bislang noch über das zentrale Tegut-Lager in Fulda.

2. Preise auf Supermarkt-Niveau, aber wenige Discount-Artikel

Die Preise liegen nach Tegut-Angaben auf Supermarkt-Niveau oder leicht darüber, auf jeden Fall nicht so hoch wie an der Tankstelle. Dadurch will sich Teo als alltägliche Einkaufsalternative etablieren, ohne Kund:innen das Gefühl zu geben, sie müssten für den schnellen Einkauf extra bezahlen. Dass viele im Teo trotzdem etwas mehr ausgeben dürften, liegt daran, dass der Platz im Regal vor allem für Produkte der Tegut-Mittelmarke und Bio-Artikel reserviert ist; Produkte zum Discount-Preis sind (verständlicherweise) eher die Ausnahme.


3. Ältere Teo-Fans zücken lieber die EC-Karte als die App

Teo kann nach einmaliger Registrierung 24 Stunden am Tag per App betreten werden, indem an der Tür ein QR-Code gescannt wird (siehe Supermarktblog); alternativ ist der Einlass auch per EC-Karte möglich, der laut „Brand eins“ von älteren Kund:innen bevorzugt wird. Die eingekauften Waren werden anschließend per Smartphone (in Kooperation mit Snabble) oder an der SB-Kassensäule gescannt. Die Bezahlung ist ebenfalls über beide Wege möglich.

Im Schnitt sind (registrierte) Teo-Kund:innen aktuell 40 Jahre alt, und damit etwas älter als die Handelskette ursprünglich annahm.

4. Diebstahl-Quote ist vergleichbar mit anderen Märkten

Bei ihrem Teo-Einkauf werden Kund:innen zwar von Kameras beobachtet; dennoch muss sich die Handelskette zu einem großen Teil auf ihre Ehrlichkeit verlassen, tatsächlich sämtliche Waren zu scannen und zu bezahlen – ohne in Versuchung zu geraten, heimlich was mitzunehmen. Das scheint zumindest in Fulda bislang zu funktionieren: „Brand eins“ hat sich sagen lassen, dass im Teo nicht mehr geklaut werde „als in einem durchschnittlich bemannten Tegut-Supermarkt“. (Was aber auch bedeutet: Es wird trotz gut sichtbarer Kameraüberwachung ab und an geklaut.)

5. Umsatzrekord am frühen Morgen

Der umsatzstärkste Einkauf, der im ersten Teo bislang registriert wurde, kam auf eine Bonsumme von 98,12 Euro – morgens um 5 Uhr. (Da hat wohl jemand nach der Nachtschicht Hunger bekommen.)

6. Noch im März eröffnet bereits der dritte Teo-Markt

Nach dem Startschuss für den ersten Teo im November 2002 in der Fuldaer Innenstadt hat sich Tegut nicht lange Zeit gelassen und einen zweiten Markt in Rasdorf bei Fulda aufgestellt. Dort hat Teo auf dem Grundstück des Treffpunkts Via Regia Anschluss gefunden, wo es bereits eine Fleischerei und einen Bäcker mit Bistro gibt. Am 25. März soll laut „Fuldaer Zeitung“ bereits der nächste Teo in der Fuldaer Innenstadt eröffnen (Petersberger Straße, auf Höhe des Telekom-Gebäudes).

Etwa zehn Teo-Märkte sollen bis Jahresende an den Start gebracht werden. Das ist auch in etwa die Größenordnung, in der sich Teos in anderen Regionen rentieren würden, um einen Umschlagplatz zu etablieren, der mit dem Sattelschlepper angefahren werden kann. Von dort würde die Ware auf kleinere Transporter umgeladen und in die Minimärkte gebracht werden.

Nachtrag, 26. März: Der dritte Teo ist da.

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7. Verschiedene Sortimente für unterschiedliche Standorte

Tegut testet ganz bewusst sehr unterschiedliche Standorte, an denen auch unterschiedliche Sortimente gefragt sein dürften. In der Stadt werden – zumindest nach Corona – Convenience-Produkte für den sofortigen Verzehr relevant sein, z.B. in der Nähe von Hotels, Schulen oder Krankenhäusern. Zugleich werden Einkäufe dort vermutlich überschaubarer ausfallen, dafür ist die Frequenz womöglich höher als in ländlichen Regionen.

Als weitere Standorte kommen Neubauquartiere, Stadtränder, Fabrikgelände, Firmenzentralen und Universitäten infrage.

8. Höhere Durchschnittsbons in ländlichen Regionen

Damit sich ein Teo für Tegut rechnet, sind 300.000 Euro Jahresumsatz pro Holzrolle veranschlagt. Wie diese Umsätze zustande kommen, könnte sich aber von Markt zu Markt stark unterscheiden: In ländlicheren Regionen könnte Teo die Funktion als Grundversorger übernehmen, bei dem Anwohner:innen die Woche über einkaufen könnten, ohne ins Auto steigen zu müssen. Tegut rechnet an diesen Standorten deshalb mit höheren Durchschnittsbons.

9. Kooperationen mit Kommunen helfen bei der Standorterschließung

Für die Expansion mit Teo scheint Tegut eng mit kleineren Kommunen zusammenarbeiten zu wollen, die ihrerseits ein großes Interesse daran haben, dass in ihrem Ort bzw. Stadtteil wieder Einkaufsmöglichkeiten geschaffen werden, ohne dafür lange Wege in Kauf zu nehmen. Auf diese Weise kann sich Tegut Standorte sichern, an denen sich der Betrieb eines klassischen Supermarkts nicht rentieren würde – und die von Wettbewerbern mit deren Formaten nicht belegt werden können.

Die „Fuldaer Zeitung“ berichtet u.a. davon, dass sich der Ortsbeirat in Gläserzell (Im Norden Fuldas mit 1.100 Einwohner:innen) „kürzlich auf eine Fläche neben dem Bürgerhaus geeinigt“ habe: „Dort sei nicht nur Platz für den Mini-Markt mit seinen rund 50 Quadratmetern Verkaufsfläche, sondern es gebe auch Parkmöglichkeiten, erläutert Ortsvorsteher Roman Namyslo.“

10. Natürlich wirkendes Design soll Teo zum Nachbarn machen

Das im Vergleich zum kastigen Prototypen grundlegend überarbeitete Design mit der bereits erwähnten Holzfassade, einem begrünten Dach und den Seiteneinfassungen in Tegut-Orange soll Teo nicht nur auffallen und weniger technisch aussehen lassen. Im Idealfall hilft es auch dabei, den Markt ihn Wohngebieten und an Orten zu platzieren, wo die Akzeptanz für einen Einkaufscontainer in der Nachbarschaft sonst eher nicht so hoch wäre.

Dafür hat die zuständige Design-Agentur einen ganzen Schwung einsetzbarer Gimmicks („Plug-In-Elemente“) entwickelt: Teo Nummer eins verfügt an der Fassade über eine Sitzbank, frei benutzbares Werkzeug für Radfahrer und ein regensicheres Büchertauschregal. Tegut Nummer zwei ist mit einer Packstation von DHL kombiniert. Möglich wären zudem eine E-Bike-Lademöglichkeit, Insektenhotels oder digitale Schwarze Bretter.

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11. Neue Teos könnten auch in Lizenz mit Partnern entstehen

Wenn das Experiment in Fulda gelingt, könnten „bald mehrere Hundert Teos folgen“, hat sich „Brand eins“ von Tegut-Beirat Karl-Christian Bay sagen lassen: „unter der Tegut-Flagge, aber auch in Lizenz oder zusammen mit Partnern wie Amazon oder karitativen Organisationen, die in Eigenregie einen Minimarkt betreiben wollen“.


Quellen: „Kauf ich!“ („Brand eins“), „Tegut Teo II. residiert in Rasdorf“ („Fuldaer Zeitung“), „Teo-Markt in Rasdorf eröffnet“ („Fuldaer Zeitung“), Die Tegut… teo Interviewreihe (Snabble via YouTube), „DHL-Packstation ergänzt neues Vertriebskonzept Tegut Teo“ („Osthessen News“), eigene Recherchen.

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4 Kommentare
  • interessant wäre ja, wie sich das Konzept mit den Ladenschlussgeschäften der Länder verhält
    Wird der Laden, da nachts ohne Personal rechtlich als Automat bewertet, der immer öffnen kann?
    gerade in Bayern dürfte das Konzept interessant sein, weil Bayern das mit Abstand strengste Ladenschlussgesetz hat

  • „„Brand eins“ hat sich sagen lassen, dass im Teo nicht mehr geklaut werde „als in einem durchschnittlich bemannten Tegut-Supermarkt“. (Was aber auch bedeutet: Es wird trotz gut sichtbarer Kameraüberwachung ab und an geklaut.)“

    Das kann es bedeuten, muss es aber nicht. Da steht ja „Diebstahl Teo <= Diebstahl Tegut-Supermarkt" – was auch heißen könnte Diebstahl Teo = 0 [zugegeben, das hätte man dann wahrscheinlich auch so an Brand ein weitergegeben 😉 ]

  • Ein Insektenhotel neben einem Supermarkt-Eingang finde ich eher abschreckend. Aber das Teo-Konzept gefällt mir extrem gut, da drücke ich alle Daumen!

    • So ein Teo hat ja auch eine Rückseite, die je nach Aufstellung sichtbar ist und an der man das Insektenhotel anbringen kann. Insbesondere, wenn er mit dem Rücken z.B. zu einem Park steht. 😉

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