Knuspr erhöht Lieferkosten für Wenig-Besteller:innen, Mindestbestellwert und Grenze für Gratis-Lieferungen

Knuspr erhöht Lieferkosten für Wenig-Besteller:innen, Mindestbestellwert und Grenze für Gratis-Lieferungen

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Bislang machte der Lebensmittel-Lieferdienst Knuspr vor allem mit cleverem Kund:innenservice und vielfältigem Sortiment von sich reden. Im Zuge der Krise steigen jetzt aber die Lieferkosten für alle, die Knuspr nicht zu ihrem primären Einkausfziel machen wollen. Wer seinen Einkauf weiter gratis erhalten will, muss zudem mehr bestellen.

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Der zur tschechischen Rohlik-Gruppe gehörende Lebensmittel-Lieferdienst Knuspr hat bekanntermaßen ehrgeizige Expansions- und Wachstumspläne. In einem Interview erklärte Knuspr-CEO Erich Comor kürzlich, der nächste Standort Hamburg sei bereits in Vorbereitung; in Essen, Düsseldorf, Köln und Berlin seien Verträge für Fulfillmentzentren unterzeichnet. Stuttgart und Leipzig ständen ebenfalls auf der Agenda.

Im vergangenen Jahr hatte Knuspr zudem den Anspruch formuliert, „Nummer 1“ im deutschen E-Food-Markt werden und sich bis 2024 rund 30 Prozent Marktanteil sichern zu wollen. Das könnte schwieriger werden als gedacht, denn mit sofortiger Wirkung hebt Knuspr sowohl die Liefergebühren als auch den Mindestbestellwert und die Grenze für Gratis-Lieferungen in München und Frankfurt am Main an.

Wenig-Besteller:innen konnten sich bislang ab einem Warenkorbwert von 39 Euro von Knuspr beliefern lassen und zahlten dafür 4,90 Euro.


Seit diesem Mittwoch galt aber eine neue Staffelung, die Einkäufe unterhalb der bisherigen Grenze von 79 Euro, ab der die Lieferung vollständig kostenfrei erfolgte, maximal unattraktiv machten. So sollten Kund:innen mit Warenkörben zwischen 39 und 49,99 Euro künftig das Doppelte bezahlen: 9,90 Euro Lieferkosten. Die weitere Staffelung erfolgte in Zehnerschritten (8,90 Euro, 7,90 Euro, 6,90 Euro).

Neue Kostenstaffel für die Liefergebiete

Auf Supermarktblog-Anfrage bestätigt ein Knuspr-Sprecher, „dass wir aktuell leider aufgrund von steigenden Kosten unsere Lieferbedingungen anpassen müssen“.

Die zwischenzeitlich auf der eigenen Seite kommunizierten Liefergebühren würden mit Wirkung zum morgigen Freitag aber direkt wieder gesenkt, heißt es. Im selben Zug hebe man allerdings Mindestbestellwert und die Bestellgrenze für Gratis-Belieferungen an. Um die Verwirrung komplett zu machen, gelten für Frankfurt am Main und München künftig unterschiedliche Werte.

In München kann demnach ab 39 Euro bestellt werden, kostenfrei wird die Lieferung ab sofort aber erst ab 89 Euro. In Frankfurt muss für mindestens 49 Euro bestellt werden, kostenlos ist die Belieferung erst ab 99 Euro – das sind 20 Euro mehr als bislang.

Knuspr liefert bislang in München und Frankfurt, plant aber die schnelle Expansion; Foto: Smb

Knapp zehn Euro für Mini-Bestellungen zu verlangen, traut man sich nicht mehr: Die neue neue Gebührenstaffel startet bei 6,90 Euro für Einkäufe zwischen 39 und 49,99 Euro (München) bzw. 49 und 59,99 Euro (Frankfurt) und sinkt dann in Zehner- bzw. Zwanzigerschritten bis auf die zuletzt verlangten 4,90 Euro.

Wocheneinkauf oder Draufzahlen?

Kund:innen würden am Freitag „proaktiv via Banner-Schaltung auf der Website und auf der App informiert“, heißt es bei Knuspr. Und außerdem:

„Der Unterschied zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und München ergibt sich durch die Teil-Automatisierung dank AutoStore für Trockenprodukte in München. Dadurch haben wir in München einen niedrigeren Kostendruck als im Rhein-Main-Gebiet und können aktuell die Anpassungen moderater halten.

Man habe „alles versucht, um eine Anpassung der Lieferbedingungen zu vermeiden“, erklärt ein Sprecher.

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„[L]eider konnten wir dem Kostendruck im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld, in dem wir uns befinden, jedoch nicht mehr standhalten. Die Maßnahmen helfen uns, Kosten zu sparen und inmitten der aktuellen Marktturbulenzen so spät wie möglich eine neue Finanzierungsrunde einzuplanen.“

Für Kund:innen, die bereits einen Großteil ihrer Lebensmitteleinkäufe über Knuspr erledigen, dürfte die Erhöhung nicht so schwer ins Gewicht fallen. Wer kein Interesse daran hat, den Dienst zu seiner Haupteinkaufsstätte zu machen, sondern vielleicht bloß ein paar regionale Spezialitäten ordern will, wird sich das künftig aber vielleicht zweimal überlegen.

Kein guter Deal mehr für kleinere Haushalte

Alle, die außerdem den neuen Service in Anspruch nehmen möchten, sich von Knuspr innerhalb eines selbst gewählten 15-Minuten-Zeitfensters beliefern zu lassen (was bislang nur eingeschränkt möglich ist), zahlen nach derzeitigem Stand ebenfalls mehr als die bisherigen 2,90 Euro (aktuell ist in der App ein Aufschlag von 4,90 Euro ersichtlich).

Die bisherige Lieferkostenfreiheit ab 79 Euro war ein vergleichsweite guter Deal: Manche Knuspr-Konkurrenten liefern erst ab einem Warenkorbwert von 100 bzw. 120 Euro kostenfrei (im vergleichbaren 2-Stunden-Zustellfenster). Knuspr sieht sich auch mit „geänderten Lieferbedingungen (…) immer noch auf Linie mit unseren Mitbewerbern“.

Klar ist aber auch: Für kleinere Haushalte oder Kund:innen, die für die Gratis-Belieferung keine Vorratshaltung beginnen wollen, hat Knuspr dadurch an Attraktivität verloren.

Vorerst keine besseren Konditionen für Club-Mitglieder

Zuletzt hatte der Lieferdienst gegenüber Kundinnen vor allem mit Vergünstigungen geworben: Preise für vielgekaufte Basis-Produkte wurden, um Verbraucher:innen angesichts steigender Inflation nicht weiter zu belasten, öffentlichkeitswirksam „eingefroren“ und sollen bis Ostern nicht erhöht werden.

Außerdem hatte Knuspr erklärt, Mitgliedern seines vor allem für Familien gedachten „Hörnchen Clubs“ die Liefergebühren zu bestimmen Zeiten auch für kleinere Warenkörbe zu erlassen; im Gespräch war dienstags bis donnerstags zwischen 10 und 14 Uhr, wenn die Nachfrage ohnehin nicht besonders groß ist. Damit hätte sich die Anhebung der Lieferkosten teilweise wieder umgehen lassen.

Auf Anfrage sagt Knuspr jedoch, dass man „bis auf Weiteres auch auf die geplanten freien Lieferslots für den Hörnchen Club verzichten“ müsse.

Zuletzt hatte auch Wettbewerber Flaschenpost in einigen Regionen Liefergebühren eingeführt und den Warenkorbwert für eine kostenlose Belieferung deutlich angehoben (mehr dazu demnächst im Blog).

Danke an Uwe R. für den Hinweis!

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2 Kommentare
  • Nun, die hohe Inflation sorgt aber auch dafür, dass die bisherigen Einkäufe für 79 Euro kleiner ausfallen als vor der Krise. Da ist es nur konsequent die Lieferkostengrenze anzuheben.
    Ich nehme an spätestens im kommenden Jahr steht ähnliches auch bei der Konkurrenz an.
    Und außerhalb des Lebensmittel-Lieferdienstes stehen derartige Veränderungen sicherlich auch an, bspw. bei Amazon Prime; dort sind durch die Preissteigerungen immer mehr Artikel in der Versandkostenfreiheit von Amazon Prime inbegriffen, was sich am Ende auch ein Amazon nicht mehr leisten will/kann.

  • Mittlerweile wurden die Gebühren in Rhein Main wieder gesenkt, Gratislieferung ab 89€ und wenn man zeitlich flexibel ist, kann man ab 49€ für 1,90€ geliefert bekommen.

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