E Center No.1 in Berlin-Steglitz: Theken-Eldorado von Mittagspause bis Feierabend

E Center No.1 in Berlin-Steglitz: Theken-Eldorado von Mittagspause bis Feierabend

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Ende August eröffnete Edeka im Berliner Süden sein E Center No.1, das Kundschaft nicht nur für den klassischen Lebensmitteleinkauf dabehalten will, sondern auch mit üppigem Gastro-Angebot umschmeichelt. Teil 1 des Supermarktblog-Ladenrundgangs.

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Komplimente sind da, um gemacht zu werden. Wieso sollte der Lebensmitteleinzelhandel eine Ausnahme sein? Deshalb trägt Edekas neueste Großfläche, das E Center No.1 in der Hauptstadt, nicht nur den eigenen Anspruch („Berlins No.1 Frische Center“) im Namen, sondern schmeichelt potenzielle Kundschaft auch direkt in den Laden hinein: „Du bist meine No.1“, steht als Einladung an den großen Obergeschoss-Fenstern im Atrium des neu eröffneten „Forum Steglitz“, einem von Grund auf renovierten Einkaufscenter im Süden der Stadt.

Wer dem nachgibt und sich von der Rolltreppe hinauf tragen lässt, steht in einem Markt, wie er sonst in Deutschland nur selten gebaut wird.

Das liegt vor allem an der engen Verknüpfung von Gastronomie und Einkaufsmöglichkeit, die im Ausland bereits vielfach erprobt wurde – und vorpandemisch auch hier im Blog immer wieder eingefordert worden ist.

Die Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover hat die Idee nun sprichwörtlich verinnerlicht und einen Markt mit vielen Besonderheiten konzipiert, der seinen Kund:innen sehr verschiedene Einkaufserlebnisse zugesteht. Die Berliner:innen nähmen das Konzept „bislang sehr gut an, wir steigern unseren Umsatz von Woche zu Woche“, sagt Marktleiter Robert Jablonksi, der Großflächenexpertise aus dem Marktkauf in Luckenwalde mitgebracht und die Planung am E Center No.1 über drei Jahre begleitet hat, im Supermarktblog-Gespräch. (Was reichlich Interpretationsspielraum lässt.)

Unverkennbare Inspiration

Die Inspiration bei Jumbos Foodmarkt in den Niederlanden (siehe Supermarktblog) ist jedoch unverkennbar. Gleichzeitig wirkt das E Center No.1 nicht wie eine Kopie des Formats der Kolleg:innen, sondern passt sich mit seiner Innenstadtlage konsequent den Bedürfnissen der Kundschaft aus der Nähe an.

Vollständig gegen den Trend (siehe Supermarktblog) besteht die komplette erste Hälfte des Markts fast nur aus Bedientheken, an denen man sich Lebensmittel, Spezialitäten und Besonderheitenwie gewohnt für zuhause einpacken lassen kann – oder wahlweise gleich für den Verzehr an Ort und Stelle zubereiten.

Nur mit der Gewohnheit, frisches Obst und Gemüse ganz nach vorne zu räumen, wollte Edeka für das neue Konzept nicht brechen. Deshalb verschwendet das Center keinen einzigen Meter Fläche und schiebt die Frische-Angebote wirklich direkt an den Eingang, von dem Kund:innen links und rechts in den Laden hinein geführt werden, um entlang Marktständen nachempfundenen Schütten und (leider nur) auftapezierter Backsteinkulisse an der Ananas-Schneidemaschine vorbei zur ersten Thekenkombination geführt zu werden.

Willkommen im Obst-Dschungel

Hinter der stylischen Salatbar, die Zutaten stolz in Bio-Qualität bietet (im deutschen Handel bislang eine Ausnahme), beginnt zur linken Seite der „Jungle“, in dem Markt-Mitarbeiter:innen auf der einen Seite frische Smoothies abholfertrig zubereiten bzw. Obst, Gemüse und schokolierte Früchte für die SB-Theke ein paar Meter weiter vorne portionieren („Hausgemacht für Sie von uns“) – und auf der anderen die Kolleg:innen des Konzessionärs BabaCous verzehrfertige Veggie-Mezze zum Mitnehmen zubereiten. (Nicht ganz günstig, aber lecker.)

Um die Ecke ist außerdem ein Gewächshausschrank von Infarm in den Schnibbedschungel eingelassen, dessen marktgewachsene Kräuter direkt davor verkauft und auch als Belag für belegte Brötchen verwertet werden.

Die Integration der Partner ist funktionell eine super Idee – selbst wenn der „Jungle“ als unbekannte Marke erstmal gewöhnungsbedürftig wirkt. Wie bei den weiteren Theken, die alle unter eigenem Namen firmieren, hat sich Edeka zur Sicherheit auf einem kleinen Lätzchen als Absender kenntlich gemacht („mit Liebe von Edeka“). Den Kund:innen dürfte der Unterschied aber ohnehin schnuppe sein.

Auf dem Lätzchen unter den Thekenlogos weist Edeka sich als Absender aus; Foto: Smb

Auf der gegenüberliegenden Seite präsentiert sich eine kleine Back-Phalanx, deren gewöhnliche Verkaufstheke für Brot und Brötchen in der Mitte von mehreren Elementen gesäumt wird: auf der einen der klassische Brötchenknast, schlau ergänzt durch einen Brezelbackautomaten, der die noch heißen Brezeln der Kundschaft fast in den Einkaufswagen hineinpurzeln lässt; auf der anderen mit einer Show-Backstube samt großer Glasfront, hinter der sich markteigene Bäcker:innen bei der Teigverarbeitung zusehen lassen.

Obendrüber hängen die Empfehlungen der Woche („❤ Havelkruste, ❤ Meersalzkruste, ❤ Butterhefezopf“), und beim Erstkontakt dürften es die allermeisten Damen und Herrschaften erstmal schwer haben, zu entscheiden, was sie eigentlich erwerben wollen: die günstige Aufbackware in Selbstbedienung, zugelieferte Ware der Edeka-eigenen Backkette Schäfer’s – oder die mit separatem Label versehenen Backwaren aus der „Bäckerei No.1“?

Hinsetzen und Kuchen essen

Angeregt vom Duft frischer Backwaren wird man schließlich direkt an die Café-Theke geschickt, wo sich beim Barista Kaffeespezialitäten ordern lassen, für die Bohnen des regionalen Partners Berliner Kaffeerösterei gemahlen werden (die in Zweitplatzierung direkt gegenüber auch gleich verpackt erworben werden können).

Damit niemand seinen Espresso im Vorbeigehen kippen muss, gibt’s vor dem Tchibo-Regal zudem eine erste Sitzgelegenheit: Am großen Holztisch ist genügend Platz, um auch direkt ein Stück Kuchen oder Torte der Confiserie Reichert zu verzehren, deren Stammhaus wenige hundert Meter die Schlossstraße abwärts liegt.

An der Theke mit den Barstühlen sitzt es sich aber genauso gut. Außerdem lässt sich von dort schon mal die Auswahl der Wein- und Spirituosen-Abteilung in Augenschein nehmen, die neben Obst und Gemüse als einziger klassischer Supermarktbestandteil weit nach vorne geholt wurde.

Und zwar, weil sie samt der ab 13 Uhr (samstags schon früher) bis Ladenschluss geöffneten Weinbar zum Probieren so gut zum daneben gelegenen „Kääs Markt“ mit Käsetresor passt, der sich U-förmig vor den Sitzgelegenheiten in den Schaufenstern Richtung Schlossstraße breit macht. Und an dem auch Antipasti, frische Pastagerichte oder ein Stück Quiche zu bestellen sind, um all das mit Blick auf das Einkaufsstraßentreiben zu verzehren, während das Smartphone am USB-Tischanschluss auflädt.

Cheesecake-Widerstand ist zwecklos

„Wir wollen auch für alle, die nach ihrem Feierabend zu uns in den Markt kommen, noch ein passendes Angebot machen: zum Beispiel mit Pasta, Steak und Wein“,

sagt Marktleiter Jablonksi mit Blick auf die langen Thekenöffnungszeiten, die derzeit ja alles andere als selbstverständlich sind.

Dazu passt auch die daneben gelegene „Gastro No.1“, die sich vollends darauf konzentriert, hungrige Kund:innen satt zu kriegen – und solche anzulocken, die eigentlich gar nicht fürs Einkaufen herkommen, sondern für Frühstück oder Lunch, das optisch ansprechend und je nach Tageszeit wechseln in der Auslage präsentiert wird.

Bis zum frühen Mittag lässt sich überprüfen, ob einem visuell eher das „Käse Frühstück Steglitz“ oder das „Spreewalder Frühstück“ zu je 5,99 Euro zusagt, und welchen Widerstand man dem Cheesecake aus eigener Herstellung entgegen zu setzen vermag; später wird der Platz in der Vitrine u.a. für den Lachssalat No.1 freigeräumt. Currywurst von Curry36 und „Wilde Sau Burger“ (für 9,99 Euro) aus dem markteigenen Burgerkonzept laufen außer Konkurrenz.

Die Preise für zubereitete Mahlzeiten sind durchweg niedriger als in der klassischen Gastronomie, dafür herrscht Selbstbedienung; Besteck und Servietten werden an mehrfach im Laden positionierten „Butler“-Wagen abgeholt, Tabletts bitteschön zur versteckt integrierten Spülküche gebracht. Nur wenn’s kurz dauert, bis das Essen fertig ist, werden Kund:innen mit später brummelndem Pager weggeschickt.

Am „Butler“-Wagen gibt’s Servietten und Besteck in Selbstbedienung; Foto: Smb

Zubereitungstipps hinterm Seemanns-Tau

Die Thekenvielfalt ist damit aber immer noch nicht erschöpft. Weiter geht’s im Kund:innenlauf mit den Edeka-eigenen „Fischwerkern“, die sich samt Räucherofen wie auf dem Fischmarkt präsentieren und geschulte Mitarbeiter:innen dank Seemanns-Tau-Absperrung unmittelbar vor die Auslage kommen lassen, um der Kundschaft dort Ware und Zubereitung zu erläutern; wer will, kann aber auch dableiben, und kriegt Forelle, Makrele und Co. direkt auf den Teller gegrillt.

Mit ungewöhnlichem Ambiente setzt Edeka „Die Fischwerker“ in Steglitz in Szene; weiter hinten wird der Fang auch direkt zubereitet; Foto: Smb

Oder kann sich, wie Anfang Dezember, für einen Gastro-Abend im Center anmelden, bei dem es für 35 Euro pro Person Vorspeise, Hauptspeise und Nachtisch samt Erläuterungen vom Lachs-Experten gab. Marktleiter Jablonski sagt:

„Elemente zur Kund:innenbindung wie unser Fischabend mit Weinbegleitung spielen für uns eine sehr große Rolle.“

(Alternativ gibt’s Plätze zur Whisky- und Aquavit-Verkostung zu buchen bzw. zu verschenken.)

Wer lieber was auf die Hand mag, lässt sich ein frisch belegtes Fischbrötchen eintüten, das in der Auslage unter dem auch an anderen Theken verwendeten „Hier im Markt frisch für Sie zubereitet“-Bogen liegt. (Eine super Idee.) Um die Ecke gibt’s auch noch thekenintegriertes Sushi vom Partner Eat Happy.

Der Marktfrisch-Bogen macht Produkte kenntlich, die im Laden zubereitet wurden; Foto: Smb

Steakessen vor der Insta-Wall

Fleisch-Bevorzuger:innen werden schließlich an der langen, in edlem Schwarz-Weiß verkachelten „Die Fleischer“-Theke fündig, die nicht nur mit einem großen Reifeschrank für Dry-Aged-Spezialitäten zu protzen weiß, sondern auch mit separatem „Steak Point“, wo man sich sein Stück zur Direktzubereitung aussuchen und mit diversen Beilagen als Menü kombinieren kann – auch kanadisches Bison-Entrecôte für 100 Euro das Kilo, wenn’s mal was Besonderes sein soll.

„Die Fleischer“ gibt’s mit angedocktem Dry-Aged-Reifeschrank und Grillstation daneben; Foto: Smb

Wer sich von einkaufenden Kund:innen lieber nicht beim Essen auf den Teller gucken lassen mag, zieht sich in einen separaten Sitzbereich zurück, der sich bei meinem Besuch zur Mittagszeit ziemlich schnell mit hungrigen Senior:innen und Leuten aus benachbarten Büros und Läden füllte. Und der dank Pflanzen-Arrangements ein bisschen nach „Jungle“-Erweiterung aussieht, gelb pochendes Edeka-Leuchtröhrenherz und „Sie sind unsere No.1“-Insta-Wall inklusive.

Für sein 130 Angestellte umfassendes No.1-Team hat Jablonski einerseits Mitarbeiter:innen aus dem Handel, aber auch solche verpflichtet, die davor in der Gastronomie gelernt haben, u.a. großen Steakhäusern. Alleine an der Gastro-No.1-Theke sind samstags bis zu sieben Mitarbeitende tätig, um alle Kund:innenwünsche zu erfüllen. (Ein Königreich für nachwachsendes Personal!)

Nicht nochmal extra anstellen

Welchen Umsatzanteil die Gastronomie innerhalb des Konzepts ausmacht, will Marktleiter Jablonski nicht verraten (sie ist „auf jeden Fall ein wichtiger Baustein“) – und schmunzelt, wenn man ihn fragt, ob er mit seinem Center dem KaDeWe Schampus-affine Kulinariker:innen abzugraben plant. Die Edeka-typisch überdiplomatisch formulierte Entgegnung:

„Wir wollen ein Markt für jedermann sein und freuen uns auch über Kund:innen, die bislang anderswo essen gegangen sind.“

Etwa die Hälfte des Ladens hat man als Kund:in an diesem Punkt gesehen, und weil auch Edeka klar ist, dass nicht jede:r, die bzw. der in den Markt kommt, auch gleich noch den Wocheneinkauf erledigen will, gibt es an allen zuvor genannten Theken die Möglichkeit, Bestellungen für den Direktverzehr gleich zu bezahlen: per Karte, Edeka-App oder am eingebauten Bargeldautomaten, der auch passendes Rückgeld ausgibt.

An den Theken können bestellte Mahlzeiten und Getränke sofort bezahlt werden; Foto: Smb

Es muss sich also niemand, der bloß schnell was mittagessen und ein Getränk dazu möchte, nachher noch an der regulären Kasse am Ladenende anstellen; zur Bezahlung von Minieinkäufen seien die Kassen aber nicht gedacht, um die Mitarbeiter:innen an den Theken nicht von ihren eigentlichen Aufgaben abzulenken, sagt Jablonski.

Nach den „Fleischern“ geht der Bedien- und Gastroteil des Steglitzes E Centers endgültig in den regulären Markt über, der aber seinerseits auch zahlreiche Besonderheiten vorzuweisen hat.

Und um die geht’s dann in Teil 2 des Supermarktblog-Ladenrundgangs.

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