Kampfansage an Lidl & Co.: Alnatura startet Discountpreis-Eigenmarke „Prima! Alnatura“

Kampfansage an Lidl & Co.: Alnatura startet Discountpreis-Eigenmarke „Prima! Alnatura“

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Der Lebensmitteleinzelhandel verspricht seinen Kund:innen zunehmend, Bio-Artikel zum kleinen Preis für jeden Tag anzubieten. Davon profitierten zuletzt vor allem die Discounter. Alnatura will sich jetzt einen Teil der Kundschaft (zurück)holen – und erweitert dafür sein Eigenmarkensortiment.

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Der Trend zu mehr Bioprodukten im Lebensmitteleinzelhandel ist auch in der Krise ungebrochen, die Kund:innen kaufen allerdings verstärkt günstigere Bio-Ware ein und gehen dafür zum Supermarkt oder in den Discounter. Das hatte zuletzt auch der etablierte Fachhandel zu spüren bekommen (siehe Supermarktblog).

Die Bio-Fachmarktkette Alnatura reagiert jetzt und will sich einen Teil der Kundschaft (zurück)holen: In dieser Woche haben die Hess:innen ihre neue Eigenmarke zum Discountpreis unter dem Namen „Prima! Alnatura“ gestartet, für die bereits vor einigen Monaten Markenschutz beantragt worden war.

Erhältlich sind Grundnahrungsmittel wie Haferflocken, Tomatenstücke, Nudeln, Mehl, Honig, Saft, Apfelmark und Kichererbsen sowie Brotaufstriche. Im September sollen zudem Müsli, Schokolade, Trockenfrüchte und Nüsse unter der neuen Marke ins Alnatura-Regal kommen.

Es gehe um „einfache, authentische Rezepturen“ als „perfekte Basis für unkomplizierten Genuss“, aber mit „ähnlich strengen Richtlinien“ wie bei der Hauptmarke. Das Verpackungsdesign verzichtet auf Produktabbildungen; im schlichten dunkelrot-grünen Grunddesign steht lediglich das Markenlogo groß über der Produktbezeichnung vor der hellgrün hinterlegten Alnatura-Sonne. Das wirkt sehr reduziert – und soll ja auch genauso sein.

Die neue Marke wird derzeit an den Regalenden in Alnatura-Märkten bereits offensiv beworben und ist auch im Alnatura Online-Shop verfügbar.

Verbandszertifiziert – oder günstig

Sie darf als Reaktion auf die zunehmenden Anstrengung des Lebensmitteleinzelhandels gewertet werden, Kund:innen verstärkt günstige Bio-Ware zur Verfügung zu stellen – während gleichzeitig versucht wird, bisherige Bio-Eigenmarken mit Verbandszertifizierung aufzuwerten.

Für Alnatura bedeutet das: Während die Großblatt-Haferflocken in Bioland-Qualität verkauft werden (samt Ökotest-Siegel: sehr gut), kommt die Prima!-Alnatura-Variante ohne aus und setzt auf den EU-Bio-Mindeststandard. Gleiches gilt für Dinkel-Spirelli und Mehl, die jetzt unter beiden Markennamen verkauft werden (Bioland und EU-Bio).

Das schlägt sich auch in den Preisen nieder: Die neue Marke wird durchweg günstiger angeboten als bisherige Alnatura-Produkte. Tomatenstücke kosten 10 Cent weniger, Weizenmehl 20 Cent weniger, Passata 30 Cent weniger. Auf den Verpackungen steht der gut lesbare Hinweis: „Bio Preis Wert – Das Bio-Sortiment für jeden Tag“.

Prima! Alnatura ist als günstigere Alternative zur klassischen Alnatura-Handelsmarke positioniert; Foto: Smb

Damit geht Alnatura einen ähnlichen Weg wie die hessische Supermarktkette Tegut, die 2020 ihre neue Eigenmarke Tegut Bio zum kleinen Preis gestartet hatte, um sich mit günstigeren EU-Bio-Produkten gegen Discounter und Drogeriemärkte zu wappnen (siehe Supermarktblog).

Für die nach Alnatura-Angaben „knapp kalkulierte, besonders preiswerte Marke“ (Alexander Stabel, Abteilungsverantwortlicher Einkauf Trockensortiment bei Alnatura) dürften die Hess:innen zudem auf die sonst umfangreicher ausfallende Marge verzichten.

Im Preiswettbewerb mit dm

Apropos Drogeriemärkte: Prima! Alnatura kann auch als Initiative gelesen werden, zum ehemaligen Partner dm aufzuschließen, der zu Lasten von Alnatura seine Eigenmarke „dm Bio“ eingeführt hatte und damit seitdem den Maßstab im Bio-Preiseinstieg setzt. Weizenmehl und Passata kosten zwar auch in der neuen Alnatura-Variante derzeit mehr als bei dm; bei den Kichererbsen allerdings traut sich Alnatura, den Konkurrenten im Preis sogar zu unterbieten (um 16 Cent).

Auf der Alnatura-Seite für aktuelle Wochenangebote verspricht Petra Schäfer, Mitglied der Geschäftsleitung, schon seit längerem:

„Damit Sie sich Bio jeden Tag erlauben können haben wir dauerhaft günstige Preise bei Alnatura.“

Mit der neuen Eigenmarke dürfte dieses Versprechen noch ein Stück weit leichter einzulösen sein. Gleichzeitig sorgt Alnatura mit der Maßnahme dafür, die eigene Preiswahrnehmung wieder ein Stück weit besser unter Kontrolle zu bekommen. Durch den Verkauf der Eigenmarken-Produkte bei anderen Händlern und Lieferdiensten, von denen viele die Artikel mit aufgeschlagenen Preisen anbieten, hätte diese dauerhaft leiden können (siehe Supermarktblog). Prima! Alnatura soll „exklusiv im Alnatura Markt“ erhältlich sein.

Darüber hinaus nutzt Alnatura die neue Eigenmarke, um Großpackungen anzubieten: Haferflocken und Nudeln werden auch kiloweise verkauft. Parallel dazu scheinen die Produkte der klassischen Alnatura-Handelsmarke ein neues Verpackungsdesign zu bekommen (siehe Passata-Foto oben; vorhernachher).

Der Text wurde nachträglich mit weiteren Informationen ergänzt.

Nachtrag, 29. Juni: Seit dem gestrigen Mittwoch verlost Alnatura an registrierte Mitglieder Testpakete mit einer Auswahl des Prima!-Alnatura-Sortiments.

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5 Kommentare
  • Und zusätzlich hat Alnatura bei seinem Slogen bei (Denns) BioMarkt abgekupfert. Die günstigen Eigenmarken-Produkte dort werden mit „Bio für jeden Tag“ ausgezeichnet und beworben. Zudem läuft gerade eine „PreisWert“ Werbung. Dieses ist dem Aufdruck „Bio Preis Wert – Das Bio-Sortiment für jeden Tag“ doch seht ähnlich.

  • Höchste Zeit, Alnatura. Glückwunsch zu der Entscheidung. Es wird die Frequenz bringen, die ich selbst in neuen und großen Filialen ( z.B. Nürtingen ) schmerzlich vermisse.

  • Es hat schon seine Ironie, wenn sich ausgerechnet ein „Biopionier“ dazu herablässt, in die dunklen Gassen des EU-Bio (sozusagen der heutigen konventionellen Ware) zu klettern. Und dies, während selbst die Discounter schon jahrelang aktiv Verbandsware (oft sogar im Bio-Preiseinstieg) vermarkten. Und reguläre Alnatura-Produkte z.B. bei Rossmann quasi regulär zu mindestens 10 % weniger erhältlich sind (was immer noch über der mittlerweile oft auch verbandszertifizierten Eigenmarke liegt).

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