dm schafft Platz für sein Biedermeier-Bio

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Seit diesem Donnerstag sind in den 1600 Filialen der Drogeriemarktkette dm die ersten Produkte der neuen Bio-Eigenmarke (siehe Supermarktblog) zu haben. Was dm dazu sagt – und was wirklich gemeint ist:

„Die dm Bio-Produkte werden sich durch eine exzellente Qualität zu einem für die Produzenten und Kunden fairen Preis auszeichnen.“ (dm-Pressemitteilung vom 15. April)

Der „faire Preis“ ist exakt derselbe, zu dem bislang die Bio-Produkte des Partners Alnatura verkauft wurden. Denen gleichen die dm-Bio-Artikel so sehr, dass sie diese sofort ersetzen können. Die Verpackungen sind ähnlich, Inhaltsstoffe identisch, und die Hersteller in vielen Fällen vermutlich auch. (Weder Alnatura noch dm sind so transparent, ihren Kunden gegenüber offenzulegen, welcher Produzent für die Eigenmarken verantwortlich ist.) dm kann an Bio-Lebensmitteln aber künftig mehr verdienen, weil das Unternehmen höhere Margen erzielt, wenn es die Produkte selbst in Auftrag gibt und nicht mit Alnatura als Zwischenhändler verrechnen muss.

„Das Alnatura-Sortiment wird nicht massiv gekürzt.“ (dm-Auskunft in der „Lebensmittelzeitung“ vom 17. April)

Gut, es wird derzeit vielleicht nicht „massiv“ gekürzt, wenn man 50 neue dm-Bio-Produkte mit bisher 600 Alnatura-Artikeln vergleicht, die dm im Sortiment zu haben angibt. Aber die werden auch nicht so aufwändig beworben, wie derzeit „dm Bio“. Und bei den jetzt erhältlichen Eigenmarken-Produkten handelt es sich auch nur um den ersten Schwung. Das Sortiment soll dm zufolge „zügig ausgebaut und weiterentwickelt“ werden.

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Sonderangebote verstehen – in nur 3 Minuten

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Werbung für Sonderangebote (z.B.) in Prospekten und Zeitungen heißen abfällig „Schweinebauchanzeige“. Weil Schweinebauch ein typischer Artikel ist, der von den Händlern beworben wird. „Wurstschleuder“ wäre jedoch ein durchaus zeitgemäßer Ersatz.

Rund ein Fünftel des Umsatzes mit Konsumgütern des täglichen Bedarfs wurde im vergangenen Jahr über Sonderangebote gemacht (19,5 Prozent) – ähnlich viel wie 2013 (19,3 Prozent), aber fast doppelt so viel wie 2003 (10,3 Prozent).

43 Prozent der Deutschen sind bereit, in einem anderen Supermarkt als sonst einzukaufen, wenn es dort ein gutes Sonderangebot gibt.

Die Zahl der Leute, denen Sonderangebote („Promotions“) egal sind, wächst: 2011 gehörten 19 Prozent der Deutschen zu den „Promotionresistenten“ (wie die GfK sie nennt), 2014 waren es schon 23 Prozent. Das betrifft vor allem ältere Kunden sowie unter-30-Jährige: „Bei dieser zeitgestressten Zielgruppe muss Einkaufen primär schnell und einfach gehen. Aufwändige Schnäppchenjagd passt nicht in ihren Alltag.“

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Sieht so der Supermarkt der Zukunft aus: unsichtbar?

Der unsichtbare Supermarkt: Abholstation auf dem Parkplatz der U-Bahn Highgate in London

Weil vielerorts gar nicht genügend Industriegebiete zur Verfügung stehen, die sich zusätzlich verschandeln lassen, indem man einen grässlichen Hypermarkt mit Betonparkplatz hineinbaut, ist die britische Supermarktkette Asda (die zu Walmart gehört) vor anderthalb Jahren kreativ geworden.

Und lässt seitdem einfach vielerorts die Supermärkte vor den Betonparkplätzen weg, wenn sie ihre Lebensmittel verkauft.

So wie oben auf dem Bild, das die Asda-Filiale im Norden Londons Norden am Rande von Hampstead Heath zeigt, wo die Leute teuer und verhältnismäßig umgrünt wohnen, aber gerne trotzdem günstig einkaufen wollen (Asda verspricht: „Saving you money every day“). Von der U-Bahn-Station Highgate führt eine lange Treppe hinunter zum Parkplatz, der mit allerlei grünen Hinweistafeln und Plakaten zugetextet ist – um Pendlern, die dort ihr Auto geparkt haben, zu signalisieren, dass sie an Ort und Stelle ihre im Netz bestellten Einkäufe abholen können.

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„Penny live“: Das Radioprogramm zur Tiefkühlpizza

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Es ist Dienstagnachmittag, 17 Uhr, Sie hören die „News“ von „Penny live“:

„Penny auf Erfolgskurs: Der beliebte Discounter konnte im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 1,5 Prozent erzielen. Das hat das Unternehmen heute bekannt gegeben. Dafür mitverantwortlich: neue Eigenmarken wie Penny to Go, Bäckerkrönung und Naturgut. Auch der Umbau der Filialen auf das neue Penny-Konzept ist weitgehend abgeschlossen.“

Weitere Nachrichten „aus Deutschland und der Welt“: Mit Whatsapp lässt sich jetzt telefonieren. Und Glückwunsch, Bettina Zimmermann! Die zweifache „Maxim“-Frau des Jahres (bekannt u.a. aus „Cobra 11″) wird 40! Das Wetter: stellenweise starke Windböen. „Tut mir leid“, entschuldigt sich der Moderator.

* * *

Am Dienstag hat Penny sein erstes Discount-Radio gestartet, das Kunden im Laden künftig von 7 bis 20 Uhr auf die Nerven gehen begleiten will, Mitarbeiter auch schon früher mit der „Mitarbeiter-Morningshow“. „Penny live“ (hier auch ohne Anstehen anhören) ist „Ihr exklusives Radio beim Einkaufen“, sagt der Moderator. Im hingeheulten („uohohoho“) Jingle singt jemand: „Mein Einkauf. Mein Radio. Penny live!“ Und bevor Tina Turner zu „Simply the Best“ ansetzt, Robbie Williams mit „Angels“ loslegt oder die Lighthouse Family singt, wie „blue“ der „sky“ ist, den drinnen im Laden gar keiner sehen kann, verspricht die Stimme aus den Marktlautsprechern:

„Wir versorgen Sie mit unseren Tipps und Angeboten, während Sie mit Ihrem Einkaufswagen an unseren frischen Tomaten und der Tiefkühlpizza vorbeifahren.“

Wenn es nach der Rewe-Gruppe geht, ist das „ein Novum im deutschen Lebensmitteleinzelhandel“, wohl darauf bezogen, dass die Moderatoren des Wiener Radio Max tatsächlich live am Mikrofon sitzen, um die „Angebote der Woche“-Texte im „Navi für die Fahrt durch den Angebotsdschungel“ vorzulesen:

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Doch kein Billig-Bio? dm-Chef Erich Harsch über die neue Biomarke und den geplanten Online-Shop

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Wenn am 16. April die ersten Produkte der neuen dm-Biomarke im Regal stehen, könnte das – anders als bislang vermutet – eher eine Enttäuschung für Schnäppchenkäufer werden. Eine Billig-Biomarke will dm wohl nicht etablieren. Für Krautreporter habe ich mich in Karlsruhe mit Geschäftsführer Erich Harsch unterhalten, der auf die Frage nach dem geplanten Preisniveau erklärte:

„Ich gehe nicht davon aus, dass unsere Bio-Produkte günstiger sein werden als die von Alnatura, weil die Rohstoffpreise gerade im Biobereich eher steigen. Bio soll ja auch seine Qualität haben. Es ist nicht unser Ziel, zu einer Erosion des Qualitäts- und Preisniveaus beizutragen.“

Als im vergangenen Jahr durchgesickert war, dass dm eine Biomarke unter eigenem Namen plane, zeigte sich der bisherige Partner Alnatura verärgert. Bislang verlässt sich dm bei Bio-Lebensmitteln komplett auf das Sortiment des Bio-Supermarkts, der einen erheblichen Anteil seines Umsatzes über dm macht. (Und laut „Lebensmittel Zeitung“ jetzt nach weiteren Verkaufsmöglichkeiten u.a. bei Edeka und Rewe sucht.)

Harsch erklärt:

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