Das Supermarktblog wird 5!

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Heute vor fünf Jahren erschien der erste Eintrag im Supermarktblog. Und gleich in der Premierenwoche hab ich drei entscheidende Dinge gelernt: 1. Dass man niemals, wirklich niemals pünktlich zu Supermarktneueröffnungen kommt, weil man morgens um 7 Uhr sonst alleine mit dem Hausfotografen dasteht; 2. dass man von anderen Leuten ziemlich dämlich angeschaut wird, wenn man Fotos von Supermärkten macht; 3. und dass dieses Blog ein ziemlich großer Spaß werden könnte.

Punkt 1 vermeide ich inzwischen, mit Punkt 2 haben sich mein Umfeld und ich arrangiert, und dass Punkt 3 tatsächlich wahr geworden ist, hab ich Ihnen zu verdanken: Weil Sie hier mitlesen, mir Mails oder Tweets mit wertvollen Hinweisen schicken und lehrreiche, launische, lustige Kommentare unter die Einträge schreiben.

(Und natürlich, weil Sie im Herbst 2012 hier mit in meine eigene Blogbutze gezogen sind.)

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Bei Penny kommt künftig auch Nichtnormgemüse in die Tüte

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Foto: Penny

Jetzt ist’s offiziell: Discount-Nachzügler Penny scheint den Verlust der Fototapetenlandschaften in seinen Läden ganz gut weggesteckt zu haben. In der vergangenen Woche überraschte die Konzernmutter Rewe jedenfalls mit der Meldung, dass Penny nach der Neuerfindung erstmals wieder schwarze Zahlen schreibe – ein Jahr früher als ursprünglich geplant.

Allerdings holt die Konkurrenz in rasantem Tempo auf und steckt, wie Lidl, in der Dauermodernisierung. Um nicht sofort wieder ins Hintertreffen zu geraten, strengt sich Penny deshalb sei geraumer Zeit an, bei den Kunden vor allem mit Kreativität zu punkten. Das wirkt, wenn ständig neue Eigenmarken ins Regal kommen, mitunter chaotisch; und manche Initiativen dauern länger als gedacht. (Mehr zur stockenden Umbenennung der Nachbarschaftsläden steht am Ende dieses Beitrags.)

Immerhin hat Penny aber verstanden, dass es eine kontinuierliche Anstrengung braucht, um sich als moderner Discounter zu positionieren – genau das scheint Penny-Geschäftsführer Jan Kunath mut seinem Team gerade ganz gut hinzukriegen (siehe Supermarktblog).

Mehr Ernte in den Markt

Die neuste Idee kommt am 25. April ins Regal und ist im Discount tatsächlich ein Novum: Obst und Gemüse in Bio-Qualität verkauft Penny künftig mit „Bio-Helden“.

So nennt der Discounter kreativ-verwachsene Karotten, krumme Gurken, Kartoffeln und Äpfel mit Schalenfehlern sowie Tomaten mit kleinen vernarbten Rissen – kurz: Früchte, Knollen und Schattengewächse, die nicht makellos sind, aber genauso gut schmecken wie ihre kerzengeraden Kompagnons. Die Initiative soll Öko-Bauern ermöglichen, einen größeren Anteil ihrer Ernte in die Märkte zu bringen, weil nicht mehr alles perfekt gewachsen sein muss. (Was im Biolandbau schwer ist, weil keine Chemie eingesetzt wird.) Und sie verhindert im besten Fall, dass wertvolle Lebensmittel verschwendet werden, bloß weil sie nicht irgendeiner Quatschnorm entsprechen.

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Ist Aldis Zukunft tatsächlich die „Never-peinlich-Hose“?

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Ich weiß natürlich nicht, ob Sie Anfang der Woche das Glück hatten, noch ein Paar der „angenehmen Lounge-Pants“, „legere Cardigans“ oder sogar die „Never-peinlich-Hose“ abzubekommen, die Jette Joop für die „Blue Motion“-Textilkollektion von Aldi Süd designt hat – und die ratzfatz ausverkauft gewesen sein soll, wie Medien artig atemlos berichten.

Abgesehen davon, dass Aldi Süd durch entsprechende Verknappung hoffentlich dafür gesorgt hat, dass es so kommt, war es eine reichlich kuriose Inszenierung, die sich der Discounter da in den vergangenen beiden Wochen geleistet hat.

Modenschau im Supermarkt – geht’s noch?

Geht gut, findet Aldi Süd, das für 200 geladene Gäste eigens die Filiale an der Düsseldorfer Kö früher dichtmachte, um zwischen Tiefkühltruhe und Dosenbier einen Laufsteg aufbauen zu können, über den dann Models mit dem Joop’schen Funktionsschick staksen. („WDR 5 Profit“ war da; hier anhören.)

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Foto: Aldi Süd

Die Inszenierung hat, vor allem was das Medienecho angeht, hervorragend funktioniert. Vermutlich auch, weil es sich bei 100 Gästen um Aldi-Süd-Fans handelte, die laut „Horizont“ nicht nur „mehrheitlich weibliche Kandidaten“ waren, sondern auch „kommunikationsaffine digitale Influencer“. (Ich las erst „kommunikationsaffine digitale Influenza“, sozusagen eine Art Bloggergrippe.) Mit der Berichterstattung darf das Unternehmen jedenfalls zufrieden sein. Ob es sich mit der Aktion einen Gefallen getan hat, wird sich erst noch herausstellen. Mit dem Discount, den die beiden Gründer Karl und Theo Albrecht einst Anfang der 60er Jahre nach Deutschland holten, hat das alles jedenfalls nichts mehr zu tun.

Vielleicht ist das gut, weil sich das erfolgreiche Prinzip der Gründerjahre inzwischen überlebt hat; vielleicht sind die Anpassungen nicht nur notwendig, sondern längst überfällig gewesen. Der Strategieschwenk ist aber auch ein Risiko.

Die Gründe dafür hab ich nebenan bei Krautreporter aufgeschrieben. Es geht um die Änderungen in Nord und Süd, vor allem um die Konsequenzen der Entscheidung, immer neue Markenprodukte in die Regale zu holen.

Hier geht’s lang zum Text „Aldis final Discountdown“.

Foto oben: Supermarktblog (Aldi-Parkplatzschild in Köln)

Mehr Bio, Superfoods und vegane Produkte: dm wird zum Alternativsupermarkt

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Ein Jahr nach dem Start rückt dm die Produkte seiner ersten Bio-Eigenmarke im Regal ein bisschen enger zusammen, damit Platz ist für ein paar neue Kumpels: vegane Lebensmittel und Süßwaren, Säfte, Soßen und hippe Superfoods. In kleinen Faltblättern, die am Regal hängen und die Sortimentswerweiterung ankündigen, wirbt die Dogeriemarktkette derzeit mit dem Versprechen:

„Freuen Sie sich mit uns auf mehr Vielfalt im Bio-Sortiment.“

Im Mittelpunkt stehen vier neue Marken: Pflanzliche Drinks in Bio-Qualität von Provamel und vegane Schokoladen von ichoc sind in zahlreichen Läden bereits erhältlich. Mitte April sollen Selbermach-Smoothies von Lebepur und Produkte von Veganz dazukommen, die die vegane Supermarkkette seit einiger Zeit unter eigenem Namen herstellen lässt und vertreibt. Bislang gab’s die Veganz-Produkte schon in einigen Testfilialen; jetzt kommen die Sachen deutschlandweit in die dm-Läden. Bis Juni sollen es 40 Artikel sein.

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Und das sind nur die Marken, die dm derzeit explizit bewirbt. In einigen Filialen gibt es Lebensmittel weiterer Hersteller zu kaufen: Vegane Bio-Süppchen im Glas von Daily Soup (aus Brandenburg), Nusssoßen von Eisblümerl (aus Nürnberg), Säfte in der Glasflasche von Saftwerk/Elbtalaue Naturkostprodukte (aus Niedersachsen) und Porridge von N’Oats/Mymüsli, das auch mit klassischen Mischmüslis im Angebot vertreten ist.

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Dazu kommt eine zum Teil recht üppige Auswahl an Marken, die sich auf gluten- und laktosefreie Lebensmittel konzentrieren (und die es schon länger zu kaufen gibt).

Langsam aber sicher entwickelt sich dm damit vom Drogeriemarkt mit Bio-Lebensmittelangebot zu einem ernstzunehmenden Alternativsupermarkt und tritt damit in direkte Konkurrenz zu den expandierenden Biomarktketten. Das trifft bei weitem nicht nur den bisherigen Partner Alnatura, mit dem dm vor Gericht immer noch über ein Mitspracherecht beim Vertrieb der Marke streitet. Sondern alle Händler, die sich über ein vielfältiges Sortiment an Lebensmitteln für alternative Ernährungsformen definieren (z.B. auch Reformhäuser).

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Aldi vs. Aldi unter der Sonne Kaliforniens

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Symbolfiliale: Aldi US

Zur Sicherheit steht draußen noch mal dran, was drin ist: „Food Market“. Kennt ja sonst kein Mensch, dieses – Aldi. Nicht in Kalifornien jedenfalls, wo der deutsche Discounter am Donnerstag seine ersten Filialen eröffnet hat, unter anderem in Palm Springs und Moreno Valley (in der Nähe von Los Angeles). Der Preissegen scheint sich vorher aber rechtzeitig herumgesprochen zu haben. Auf den Bildern in den lokalen Medien wickeln sich jedenfalls lange Schlangen um den Block, und glückliche Kundinnen fischen riesige verpackte Schinken aus der Tiefkühltruhe.

Dabei will der Schock nach so einem Einkauf erstmal verkraftet sein:

  • Nein, bei Aldi packt einem an der Kasse kein freundlicher Mitarbeiter die Sachen in die Einkaufstüte!
  • Ja, dafür gibt’s lustiger „doppelganger versions“ von bekannten Markenprodukten, die direkt neben ihren Vorbildern stehen, aber nur die Hälfte kosten.
  • Ja, das ganze Zeug steht auf Paletten und wird in Boxen ins Regal geschoben, damit Aldi sich die aufwändige Einräumerei spart.
  • Und nein, den Einkaufswagen kann man nicht einfach an der Kasse stehen lassen, sondern muss ihn selbst zurückbringen, weil man sonst nämlich nicht seine 25 Cent zurückkriegt, die man vorher reingeschoben hat.

Das Einkaufswagen-Pfand scheint eine der größten Revolutionen zu sein, die der deutsche Discounter in den sonnigen Westen exportiert hat. Und eine der erklärungsbedürftigsten. Deshalb haben Mitarbeiter vor der Eröffnung prompt Münzen an die anstehenden Erstkunden verteilt, berichtet „The Orange County Register“ (mit Fotobeweis). Und liefert gleich die Bedienungsanleitung dazu:

„Sie stecken einen Vierteldollar in den Schlitz, um den Wagen freizugeben. Wenn Sie die eingekauften Lebensmittel rausgenommen haben, schieben Sie den Wagen zurück vor den Laden, um Ihren Vierteldollar wiederzukriegen. Dafür müssen Sie den Metallverschluss mit einem anderen Wagen verbinden. Klingt kompliziert?“

Ja, klingt kompliziert. Ist aber lernbar. (Zumal die Einkaufswagenchip-Industrie sicher bereits vielversprechende Exportmöglichkeiten für ihr Produkt wittert.)

Aus deutscher Sicht ist es etwas ärgerlich, dass sich Aldi in den USA deutlich mehr Mühe mit dem Design seiner Läden zu geben scheint. In Sachen Schlichtheit halten sich die Unterschiede zwar in Grenzen, zumindest bleibt Aldis Edel-Discount vorerst den Australiern vorbehalten. Aber vielleicht sind auch bloß die Palmen in der näheren Umgebung schuld, dass „Aldi Food Market“ in Palm Springs ein bisschen cooler aussieht als in „Aldi“ in Oer-Erkenschwick.

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