Was wird aus Oh Angie! und Temma? Rewe erklärt seine Expansionsstrategien

Was wird aus Oh Angie! und Temma? Rewe erklärt seine Expansionsstrategien

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Acht Jahre nach dem Start hat Rewe noch immer nicht das richtige Konzept für seine Biokette Temma. In der Supermarkt-Gastronomie soll das Konzept Oh Angie! derweil die Ausnahme bleiben.

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Bei der Bilanz-Pressekonferenz am Dienstagmorgen hat die Rewe Group nicht nur gestiegene Umsätze fürs Vorjahr bekannt gegeben, sondern am Rande auch einen kleinen Einblick in die Konzeptstrategien der inzwischen zahlreichen Sonderformate des Konzerns gegeben. Bei zweien ist die Expansion derzeit gestoppt.


Gnadenfrist für Temma bis Ende des Jahres

Am schwierigsten scheint die Lage für Rewes Biokette Temma zu sein, die bundesweit gerade mal auf neun Märkte kommt. Der künftige Rewe-Vorstandsvorsitzende Lionel Souque sagt, man wolle weiter am Konzept arbeiten – was acht Jahre nach der Gründung (siehe Supermarktblog) eine ziemlich ernüchternde Ansage ist.

„In Köln ist Temma sehr erfolgreich, anderswo ist es schwierig“, meint Souque. „Anderswo“ ist aber ausgerechnet da, wo’s drauf ankommt, wenn Temma konzernunabhängigen Biomarktketten wie Alnatura und denn’s die Stirn bieten wollte: z.B. in Berlin, Hamburg, Frankfurt. Souque erklärt:

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„Jeden Temma-Standort könnten wir von den Anforderungen auch mit Rewe City besetzen, das sofort Geld verdient. Wenn uns das auch mit einem weiterentwickelten Temma-Konzept gelingt, werden wir weiter expandieren. Das wollen wir Ende des Jahres entscheiden.“

Hört sich so an, als könne Temma genauso gut ziemlich bald Geschichte sein, und Rewe seine Bio-Kompetenz in den Supermärkten konzentrieren, was durchaus Sinn ergäbe.

Ja zur Gastro, aber Oh Angie! bleibt die Ausnahme

Auch ein erweitertes gastronomisches Angebot in den klassischen Supermärkten soll dazu beitragen, dass sich Rewe weiter gegen die Konkurrenz behaupten kann. Gastronomie sei „eine wichtige strategische Säule“, meint Souque. Dabei wird sich Rewe aber nicht notwendigerweise auf sein „Oh Angie!“-Konzept verlassen, um das es zuletzt ziemlich still geworden war. In Berlin hatte der Konzern Ende des vergangenen Jahres eine der insgesamt vier Filialen geschlossen.

Souque bestätigte nun: „Oh Angie! ist bei uns eher ein Randthema, das sich auf große Vorkassenflächen beschränkt.“ (Das heißt wohl: vor allem auf Rewe Center, siehe Foto.)

In klassischen Rewe-Supermärkten könnte hingegen das neue „deli am Markt“ zum Standard werden, auch wenn Souque das Konzept am Dienstag nicht explizit nannte, sondern lediglich auf die nach dem „Supermarkt 2020“-Konzept gestalteten Märkte in Berlin und München verwies (Supermarktblog-Leser kennen die bereits).

In über 100 Rewe-Märkten gibt es außerdem inzwischen die vom Partner Eat Happy betriebenen Sushi-Theken. Mit Starbucks hat sich Rewe bislang lediglich in drei Städten (Berlin, Frankfurt, München) zusammengetan. Souque:

„Wir arbeiten sowohl an eigenen Konzepten als auch an Partnerschaften mit starken Unternehmen.“

Online-Strategie hat Konsequenzen für stationäre Ausrichtung

Wenn der bisherige Vorstandschef Alain Caparros Rewe im Sommer verlässt, wird den deutschen Medien ein gern zitierter Mahner vor Amazons Ambitionen als Online-Supermarkt fehlen. Deshalb nutze Caparros seine letzte Bilanz-Pressekonferenz noch einmal, um zu wiederholen: „Man sollte Amazon Fresh nicht unterschätzen.“ Dazu erklärte Caparros, es sei derzeit „nicht unsere Priorität“, mit dem Online-Geschäft Geld zu verdienen:

„Wir wollen das Format besser beherrschen lernen. Die Logistik ist ein Riesenthema. Wir sind noch in einem Lernprozess – und der wird dauern.“

Interessant ist vor allem, wie sich Caparros zu den Auswirkungen der zunehmenden Bestellbereitschaft der Kunden äußert:

„Wir müssen uns stärker auf ein Omnichannel-Profil fokussieren. Kunden, die einen Teil ihrer Einkäufe nachhause bestellen, werden ganz andere Erwartungen an unsere stationären Läden haben: ein größeres Frische-Erlebnis, mehr regionale Produkte. Rewe wird dazu gezwungen sein, stationär und online erfolgreich zu sein.“

Das neue Ladendesign, das sehr viel mehr Wert auf Aufenthaltsqualität im Markt legt als bisher, scheint bereits eine erste Konsequenz aus dieser Erkenntnis zu sein.


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Fotos: Supermarktblog"

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