Rewe scheitert mit dem nächsten Gastro-Konzept: „Oh Angie!“ schließt weiteres Restaurant

Rewe scheitert mit dem nächsten Gastro-Konzept: „Oh Angie!“ schließt weiteres Restaurant

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Mit großen Hoffnungen startete Rewe im Spätsommer 2014 sein Restaurantkonzept „Oh Angie!“ in Berlin-Mitte. Die Expansion erfolgte nur zaghaft, jetzt ist bald wieder Schluss.

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„Frisch zubereitete, zum Teil tageszeitlich variierende, gesunde Gerichte – am Tisch serviert und ausschließlich für den Vor-Ort-Verzehr“: Mit diesem Versprechen startete die Rewe Group im September 2014 ihr neues Gastronomie-Konzept „Oh Angie!“ im Untergeschoss eines Einkaufszentrums, in dem sich auch das Rewe-Hauptstadtbüro befindet (siehe Supermarktblog).

„Oh Angie!“ sollte die Lebensmittel-Kompetenz der Kölner in die Gastronomie verlängern, die eine zeitlang als Schlüssel dafür gesehen würde, die Aufenthaltsdauer in den Läden zu erhöhen. Oh Angie! sei „der konsequente Schritt, in hochfrequentierten Lagen – in direkter Nachbarschaft oder integriert – unsere Supermärkte verstärkt zu sozialen Treffpunkten zu machen“, heiß es zum Start. Mit dem Erstversuch „MADE by Rewe“ war man kurz zuvor schon glücklos.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Alain Caparros hatte stets betont, man müsse neue Wege gehen, um Kunden künftig für sich zu gewinnen:

„Wir müssen ein anderes Kundenprofil entwickeln. Die Verbraucher werden in den Märkten in Zukunft immer mehr unsere Gäste sein, nicht mehr Kunden. Wir müssen Ihnen ein Einkaufserlebnis bieten.“

Aber schon die weitere Expansion erfolgte eher zögerlich: Oh Angie! wurde in zwei renovierte Rewe Center in Hessen (Foto) und Baden-Württemberg integriert.

In Berlin eröffnete ein vierter Markt in bester Lage zwischen den Bezirken Prenzlauer Berg und Mitte, ist aber seit dem vergangenen Dezember wieder geschlossen (siehe Supermarktblog).

Jetzt beendet Rewe sein Gastro-Experiment auch in Heppenheim (Foto unten). Wie das Unternehmen auf Supermarktblog-Anfrage bestätigt, ist am Standort zum 30. September Schluss:

„Alle Mitarbeiter bekommen Angebote zur Weiterbeschäftigung in den umliegenden REWE-Märkten.“

Bis Ende des Jahres könnte nach Supermarktblog-Informationen ein neues Gastrokonzept auf der Fläche etabliert werden. Dass auch die verbleibenden zwei Restaurants schließen, dementiert Rewe klar:

„Die Oh-Angie!-Standorte in Berlin und Heidelberg stehen nicht zur Disposition.“

Zumindest im Berliner Einkaufszentrum „The Q“ war zuletzt außerhalb der klassischen Mittagszeit jedoch häufig gähnende Leere, zeitweise kein einziger Tisch besetzt – was angesichts der wachsenden Zahl an Gastronomie-Angeboten, für die Passanten auf der Friedrichstraße nicht extra ein Einkaufszentrenuntergeschoss aufsuchen müssen, eigentlich kein Wunder ist.

Ein Konzept, das sich nicht auf weitere Märkte ausdehnen lässt, wäre auf Dauer ohnehin wenig wert.

Bereits im vergangenen Jahr war die Euphorie in Köln schon sichtlich gedämpft. Zur Schließung des Restaurants in Prenzlauer Berg erklärte ein Sprecher damals:

„Es hat nicht funktioniert. Wir konzentrieren uns auf die Ausrichtung ‚Markt und Gastro‘ unter einem Dach. Und das muss dann auch nicht immer ‚Oh Angie!‘ heißen.“

Und bei der Bilanzpressekonferenz im März (siehe Supermarktblog) erklärte der neue Rewe-Vorstandsvorsitzende Lionel Souque:

„Oh Angie! ist bei uns eher ein Randthema, das sich auf große Vorkassenflächen beschränkt.“

Unter „Gastro“ scheint Rewe derzeit vor allem sein neues „deli am Markt“ zu verstehen, das in neue bzw. renovierte Märkte gebracht wird, und bei dem sich Kunden ihr Essen selbst an der Theke abholen (siehe Supermarktblog). Die Auswahl variiert je nach Standort, ist aber in den meisten Fällen bislang sehr überschaubar und setzt auf ein Fleisch- und Schnitzel-Festival zu Discountpreisen, um Kunden zu locken.

Das schaufelt ganz sicher Leute in den Laden, schadet aber womöglich dem sorgsam gepflegten Image, mit dem sich Rewe als moderner Lebensmittelhändler für frische Snacks und alternative Lebensmittel etablieren will.

In der Kühltheke im Laden gibt’s zwar veganen Käse – aber am Markteingang bedienen die Thekenkräfte vorrangig Kunden, die gerne fingerdick den Leberkäse auf die Billigschrippe gepackt bekommen wollen?

Dass Oh Angie! die Erwartungen in der Kölner Zentrale ganz offensichtlich nicht erfüllen konnte, wirft den Handelskonzern mit seinen gastronomischen Ambitionen erneut zurück – ausgerechnet in einer Zeit, in der die Konkurrenz für klassische Supermärkte durch andere Sofortessen-Anbieter stetig steigt (siehe Supermarktblog) und eigentlich dringend Gegenmaßnahmen erfordert.

Alle Texte über Oh Angie! im Supermarktblog.

Fotos: Supermarktblog"


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