Misserfolg mit Anlauf: Rewe macht auch das erste „Oh Angie!“-Restaurant in Berlin-Mitte dicht

Misserfolg mit Anlauf: Rewe macht auch das erste „Oh Angie!“-Restaurant in Berlin-Mitte dicht

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Noch im Sommer behauptete Rewe, an seinem Gastrokonzept Oh Angie! festhalten zu wollen. Nun schließt aber auch das 2014 in Berlin-Mitte eröffnete erste Restaurant.

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Einen neuen „Marktplatz für Gastronomie und den bequemen Einkauf von Lebensmitteln“ kündigte der Handelskonzern Rewe Ende September 2014 an seinem neuen Hauptstadtstandort in Berlin-Mitte an und eröffnete dort im Untergeschoss eines Einkaufszentrums unter großem Andrang von Handelsmanagern in schwarzen Anzügen gleich mehrere Konzepte auf einmal: einen klassischen Rewe City, den ersten Temma-Biomarkt Berlins und das nagelneue Restaurantkonzept Oh Angie!, das „in lockerer Atmosphäre sowohl mediterrane Küche als auch regionale Gerichte“ mit Tischbedienung anbieten sollte (siehe Supermarktblog).

Drei Jahre später steht endgültig fest: Damit ist die Rewe Group krachend gescheitert.

In der vergangenen Woche wurde bereits bekannt, dass sich das Kölner Unternehmen von Temma trennt und alle Läden im Januar schließen wird. Lediglich die beiden Kölner Filiale sollen an die Temma-Erfinderin Christiane Speck verkauft werden (siehe Supermarktblog). Zu konkreten Gründen äußert man sich nicht.

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Nach Supermarktblog-Informationen handelt es sich in Berlin-Mitte aber nicht um die einzige Schließung. Auch das erste Oh-Angie!-Restaurant, das auf der Freifläche zwischen Rewe City und Temma angesiedelt ist, wird aufgegeben. Schon kurz vor Weihnachten ist Schluss, die Mitarbeiter erhalten ihre Kündigung.

Damit ist Berlin-Mitte bereits das dritte Oh Angie! in Folge, das im Abstand weniger Monate aufgegeben wird. Im Dezember vor einem Jahr sperrte Rewe den zweiten Berliner Standort in Prenzlauer Berg zu (siehe Supermarktblog); Ende September dieses Jahres kam dann das Aus für Oh Angie! im Heppenheimer Rewe Center (siehe Supermarktblog). Zum damaligen Zeitpunkt hießt es auf Supermarktblog-Anfrage noch:

„Die Oh-Angie!-Standorte in Berlin und Heidelberg stehen nicht zur Disposition.“

Das war entweder sehr naiv – oder entsprach nicht der Wahrheit. Dementsprechend unglaubwürdig ist es, wenn den Angestellten des einzigen verbleibenden Oh-Angie!-Restaurants in Heidelberg scheinbar versichert werden soll, dass sich dort zunächst nichts ändert.

„In Heidelberg wird immer noch erzählt, dass es weitergeht, damit die Mitarbeiter sich nicht krankmelden“,

vermutet ein Unternehmenskenner. Den Angestellten in Berlin ist derweil nach Supermarktblog-Informationen zunächst keine Weiterbeschäftigung in anderen Unternehmen der Gruppe angeboten worden. Auf Anfrage heißt es seitens Rewe nun aber:

„Das Oh-Angie!-Restaurant auf der Friedrichstraße in Berlin wird am 23. Dezember 2017 das letzte Mal geöffnet haben. Allen Mitarbeitern wird ein Angebot gemacht bei REWE zu bleiben. Hier laufen aktuell die Übernahmegespräche.“

Auf weitere Fragen könne man „aus wettbewerblichen Gründen oder weil aktuell noch Verhandlungen laufen“ nicht antworten.

Wie die Rewe Group ihr einst mit großen Hoffnungen gestartetes Gastronomiekonzept nach und nach ausbluten lässt, ist hochgradig ungewöhnlich – nicht nur wegen der Kurzfristigkeit, mit der die Schließungen stets angekündigt werden. Seit 2014 war mehrfach die Geschäftsführung der zuständigen Rewe-Gastro-Tochter Smart People ausgetauscht worden. Seit Ende August 2016 ist dort in erster Linie Thomas Bähner verantwortlich, der auch die „deli am Markt“-Billigtheken angestoßen hat, die der Handelskonzern zunehmend in neue Supermärkte integriert (siehe Supermarktblog). Eine Neujustierung des Oh-Angie!-Konzepts gab es unter Bähners Führung dagegen nicht mehr.

Stattdessen testet Smart People derzeit u.a. an einem neu eröffneten Rewe-Center-Standort, ob sich einzelne Elemente aus dem Oh-Angie!-Konzept (Pizza, Burger, Pasta) modulartig in das „deli am Markt“ integrieren lassen.

Am Standort in Berlin-Mitte ist es derweil auch um das Hauptstadtbüro der Kölner, das 2014 im Zuge des „Marktplatz“-Baus in der oberen Etage des Komplexes in der Friedrichstraße eröffnet wurde, still geworden. Über die Hauptstadtvertretung will Rewe politische Kontakte pflegen:

„Mit der räumlichen Nähe zur politischen Öffentlichkeit in Berlin möchte die REWE Group noch intensiver über die Arbeit, Ziele und Werte der genossenschaftlichen REWE Group und ihrer rund 1.000 mittelständischen selbstständigen Kaufleute informieren.“

Die ehemalige Leiterin des Hauptstadtbüros, Tanja Schüle, ist jedoch bereits seit längerem nicht mehr für die Rewe Group tätig. Bei Rewe heißt es, man habe das Team „in diesem Jahr sogar personell aufgestockt bzw. verstärkt“. Seit 1. Februar sei Sebastian Lange Leiter des Berliner Büros , zudem gebe es „eine zweite Public Affairs Managerin“.

Fotos: Supermarktblog"

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