Lord-of-the-Snacks-Finale: Entscheidung am Snack-Séparée

Lord-of-the-Snacks-Finale: Entscheidung am Snack-Séparée

Inhalt:

Im Wettstreit um die beste Snack-Theke geht Sainsbury’s mit einem Food-Séparée für „Drinks, Breakfast, Brunch, Snacks“ samt Sushi, „Hot Food & Pizza“ zum Direktbezahlen ins Rennen.

Partner und Sponsoren:

Teil I und II noch nicht gelesen? Hier entlang, bitte.


Teil III: Die Rückkehr der Pizza (Sainsbury’s in London)

Konzept

Ein Food-Séparée für „Drinks, Breakfast, Brunch, Snacks“ samt Sushi, „Hot Food & Pizza“ zum Direktbezahlen und Wegtragen, alles an einer Stelle, ohne dafür den klassischen Supermarkt betreten zu müssen.

Position im Laden

Direkt am Eingang auf dem Weg zur Obst- und Gemüseabteilung, mit großen Schaufenstern zur Straßenseite.


Angebot

Ein umfassendes Supermarktsortiment mit zusätzlicher Fast-Food-Komponente. In der „On the Go“-Kühlmeile zur Linken gibt es, wie in fast jedem britischen Supermarkt, eine stattliche Auswahl an fertig klappbelegten Sandwiches und Salaten; dazu kommt eine Regalinselkombination, in der gleichzeitig Kühl- und Warmhalteessen angeboten wird, an der Seite auch Obst. Dahinter hat Sainsbury’s eine auffällige Theke für heißes Bestellessen vorbereitet, die vor allem wegen der integrierten Pizzavitrine ins Auge sticht, wo frisch belegte Teigfladen auf metallenen Hebebühnen Ofenbereitschaft signalisieren.

Wer die Vorbelegung nicht gutheißt, kann seine eigene Wunschpizza kreieren. Und damit auch ja niemand den Laden verlässt, ohne sich dieser Option bewusst zu sein, steht die Pizza-Einladung groß hinter den Kassen im klassischen Supermarkt an der Wand. Auf Wunsch kann die Kreation auch eintelefoniert und direkt abgeholt werden („Don’t want to wait? Ring your pizza order in“).

Eine Medium kostet 3,50 Pfund, für die große Pizza werden 5 Pfund fällig – das Fertigbacken lässt sich Sainsbury’s allerdings noch mal zusätzlich mit einem weiteren Pfund bezahlen; drei Beläge sind inklusive, ab dem vierten werden jeweils 30 Pence zusätzlich berechnet. Super supermarktgünstig ist das dann aber nicht mehr.

Dass es am Pizza-Counter auch noch andere Mahlzeiten gibt, geht im Italo-Style fast völlig unter. Lediglich auf einem Bildschirm steht, dass es auch eine Auswahl an „currys, wings, ribs and kebaps“ gibt.

Auffällige Merkmale

Die Schnellbezahlecke. Tresenbesteller können per Kreditkarte oder Mobiltelefon direkt bei Entgegennahme des einkartonierten Lunchs kontaktlos bezahlen; wer lieber selbst durch die Food-Meile rauscht, braucht mit seiner Beute aber glücklicherweise nicht mehr in den klassischen Markt, um dort mit Großeinkäufern in derselben Schlange zu stehen. Stattdessen hat Sainbury’s seinem Séparée am Ausgang eine eigene Bezahlzone spendiert, in der sich ein ganzer Schwung Kunden gleichzeitig selbst abkassieren kann. Nur Bargeld nehmen die Mini-SB-Kassen nicht. Das sorgt für Tempo – und im Zweifel zwei Minuten mehr Mittagspause, die bei der Auswahl des Lunch-Orts entscheidend sein könnten.

Zielgruppe

Schnellesser, die aus den umliegenden Büros in den Markt hinein rauschen – und möglichst schnell wieder raus rauschen wollen. Das Angebot ist auf den klassischen Sandwichverzehr abgestimmt und setzt darüber hinaus eine starke Fast-Food-Affinität voraus; anders als z.B. Rewe mit seinem „deli am Markt“ hat Sainsbury’s in Pimlico aber auch daran gedacht, Kunden glücklich zu machen, die es mittags vielleicht gerne etwas weniger fettig hätten.

Rechts neben dem Pizza-Tresen gibt’s deshalb eine zweite Theke des Partners Crussh, der sich bereits in mehrere Sainsbury’s-Filialen eingemietet hat, und auf „Fit Food“ spezialisiert ist: Säfte, Salate, Wraps und „Healthpots“.

Das ist eine prima Ergänzung, um Leute mit unterschiedlichen Vorlieben gleichermaßen bedienen zu können – und konsequent noch dazu: Sandwiches und Salate sind ohnehin Supermarkt-Kernkompetenz, Pizza nimmt man Sainsbury’s auch noch ab, den Rest überlässt man einfach dem Partner, der den „Organic Soy Milk Porridge“ oder den „Chipotle Corn & Avocado Healthpot“ sehr viel glaubwürdiger hinkriegt.


Der Markt in Pimlico ist nicht der einzige Versuch von Sainsbury’s, seine Supermärkte stärker auf die Bedürfnisse von Zwischendurchessern auszurichten; im vergangenen Jahr eröffnete in Selly Oaks ein neuer Superstore, in dem es auch einen Mini-Foodcourt gibt, den sich Sainsbury’s ebenfalls mit einem Partner aus er Systemgastronomie teilt. (IGD Retail Analysis war schon da; siehe auch Sainsbury’s Abholsupermarkt mit Kantinenterrasse in Vauxhall.)

Im selben Design wie die „Hot Food & Pizza“-Theke baut die Handelskette inzwischen in ihren Läden neben die klassischen Bedienteren (z.B. für Käse und Fisch) separate „Meals for Later“-Tresen.

Konkurrent Waitrose testet die Direktversorgung hungriger Nachbarn mit einer Ladenküche für frisch zubereitete Mahlzeiten schon länger (siehe Supermarktblog).

Und in den Niederlanden probiert nicht nur Jumbo aus, wie Supermärkte in Zukunft klassischen Convenience-Stores und Snack-Anbietern immer ähnlicher werden; in fünf Filialen seines To-Go-Konzepts testet Wettbewerber Albert Heijn seit vergangenem Jahr, wie verzehrbereite Warmhaltemahlzeiten bei den Kunden ankommen. Morgens gibt’s Pfannkuchen und Egg Muffins, mittags Suppen, Quiche und Toasts, abends Pasta, Wraps und Couscous mit Hähnchen. Dafür wurden in den Läden eigene SB-Warmhalteschränke aufgestellt.


Foto: Albert Heijn

Albert-Heijn-to-go-Chef Jan-Willem Dockheer erklärt, die Handelskette registriere ein gestiegenes Bedürfnis ihrer Kunden für Mahlzeiten, die sie unterwegs essen können – „das geht längst über einen Becher Kaffee und ein Sandwich hinaus“. (Regelmäßigen Supermarktblog-Lesern dürfte das Prinzip bekannt vorkommen – z.B. von Spar enjoy in der Wiener Innenstadt.)

Zusammengefasst: Zahlreiche große europäische Handelsketten sind überzeugt davon, dass sie ihren Kunden heute mehr bieten müssen als ein klassisches Supermarktsortiment. Dazu gehören zunehmend auch warme Mahlzeiten für jetzt sofort.


Aber wer wird denn jetzt Lord of the Snacks? Gar nicht so einfach, jedes der vorgestellten Konzepte hat seine Vor- und Nachteile. Deshalb gibt’s auch keinen Gesamt-, sondern bloß Kategoriensieger (siehe Bewertungskasten unten).

Fotos: Supermarktblog

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