Rewe startet „Rewe Bio +vegan“, Rohlik & Picnic als Produkt-Absender, Spar personalisiert Regio-Artikel

Rewe startet „Rewe Bio +vegan“, Rohlik & Picnic als Produkt-Absender, Spar personalisiert Regio-Artikel

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Bio können inzwischen fast alle – also fokussieren die Supermärkte die nächsten Trends, um ihre Kundschaft mit erweiterter Produktkompetenz zu überzeugen. Auch reine Lebensmittel-Lieferdienste entwickeln zunehmend eigene Handelsmarken.

Partner und Sponsoren:

Eigenmarken für vegane Bio-Produkte bei Tegut und Rewe

Wenn’s um die Entwicklung neuer Eigenmarken mit dem eigenen Namen als Absender geht, war die hessische Supermarktkette Tegut zuletzt sowas wie die Lokomotive im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Auf die Sofortverzehr-Auswahl von „Tegut Freppy“ folgte vor wenigen Wochen „Tegut Daily“ für so genannte „ultrafrische“ Mini-Mahlzeiten, dazu gibt’s „Tegut Bio zum kleinen Preis“ für Bio-Umsteiger:innen (siehe Supermarktblog) – und eine weitere Markenidee, unter der sich das nächste Trend-Thema subsumieren lässt, hat man in Fulda auch schon im Visier.

Vor kurzem wurde die Marke „Tegut BIO vegan“ angemeldet, unter der künftig naheliegenderweise vegane Tegut-Produkte in Bio-Qualität ins Regal kommen könnten. (Falls Sie beim Einkaufen schon welche gesichtet haben: gerne in den Kommentaren Bescheid sagen!)

Die Initiative würde zum bisherigen Engagement des Unternehmens passen, das bereits eine Liste veganer Artikel im eigenen Sortiment führt, die gemeinsam mit Kund:innen aktualisiert wird; Ende des vergangenen Jahres meldete das Online-Magazin „Vegconomist“ zudem, eine separate Produktlinie für vegetarische bzw. vegane Produkte sei bei Tegut „für die Zukunft (…) nicht ausgeschlossen“.


Konkurrent Rewe ist schon einen Schritt weiter. Seit einigen Wochen gibt es die ersten Produkte unter „Rewe Bio +vegan ♥“ zu kaufen, das aber eher als Anhängsel der Eigenmarkenmutter Rewe Bio konzipiert zu sein scheint. Zumindest ähneln sich Verpackungsdesign und Schrift erkennbar. Derzeit gibt es u.a. vegane „Frischcreme“ (als Frischkäseersatz) und Gemüse-Hafer-Bällchen unter dem neuen Logo zu kaufen, außerdem den durchaus originellen Mozzarella-Doppelgänger „Mozzarisella“ auf der Basis von gekeimtem Bio-Vollkornreis.

Konsequent wäre, andere, bereits erhältliche vegane Rewe-Bio-Artikel auf den neuen Markennamen umzustellen (Mandel- und Haferdrinks, vegane Bolognese, vegane Nougat-&-Crisp-Schokolade, vegane Remoulade, Sojagurt).

Gleichzeitig demonstriert Rewe ganz gut, wie sich Handelsketten bei der Eigenmarken-Neuentwicklung verirren können: In den Kühlregalen stehen inzwischen nämlich auch vegane Wurstalternativen („Typ Lyoner“, „Typ Salami“), die klar als Eigenmarken-Pendants zu den Produkten von Rügenwalder & Co. positioniert sind, aber unter der klassischen Mittelmarke Rewe Beste Wahl verkauft werden (müssen), weil sie nicht in Bio-Qualität hergestellt sind und deshalb nicht Rewe Bio +vegan zugeschlagen werden können. Übersichtlicher wird es dadurch beim Einkaufen eher nicht.


Rohlik bringt „Miil“-Molkereiprodukte in seine Shops

Bescheidenheit ist bislang nicht so die Stärke des neuen Online-Supermarkts Knuspr, der ab August bzw. September erstmals Kund:innen in München sowie Frankfurt am Main beliefern will und selbstverständlich „mittelfristig die Nummer 1 im E-Food Business in Deutschland“ werden möchte – aber, gut: wer will das nicht? Damit das klappt, betont der Frischling schon vor dem Start bei jeder Gelegenheit, welch großen Wert man auf Produkte aus der jeweiligen Region lege. Bis zu 30 Prozent des Sortiments will man dafür reservieren:

„Bei uns bekommst du die große Auswahl eines Supermarktes und die Qualität eines Hofladens.“

Bei der in Tschechien beheimateten Mutter Rohlik, die auch schon in Österreich und Ungarn aktiv ist, weiß man aber nur zu genau, dass die Kundschaft manchmal einfach einen billigen Joghurt und einen stinknormalen Käse geliefert haben will.

Aus diesem Grund hat Rohlik kürzlich seine erste Eigenmarke „Miil“ aufgelegt, unter der es in den europäischen Online-Shops nun diverse Molkereiprodukte zu kaufen gibt: Cheddar, Edamer, Vollmilch, Naturjoghurt usw.

Bei Gurkerl.at erscheinen Miil-Eigenmarkenprodukte mit dem Hinweis „Best Buy“ in der Übersicht; Screenshot: gurkerl.at

Bei Gurkerl.at sind die Miil-Produkte als „Best Buy“ ausgewiesen – als Zeichen für den Artikel mit dem niedrigsten Preis in der jeweiligen Kategorie. Gleichzeitig demonstriert Rohlik, wie Lieferdienste Eigenmarken für die preissensiblere Kundschaft mit zusätzlichem Nutzen aufladen können. Nach eigenen Angaben ist das Miil-Sortiment klimaneutral hergestellt; CO2-Emissionen in der Produktion sollen durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden.

Das hilft sicher der Gewinnung von Kund:innen, die mal nicht den handgeschöpften Bio-Büffelmozzarella erwerben wollen.

Bislang gibt es z.B. im Nachbarland Österreich rund 30 Miil-Produkte zu kaufen, einige davon auch in Bio-Qualität – und allesamt mit englischer Produktbeschreibung auf der Packung, wie es zumindest für Kund:innen in deutschsprachigen Ländern bislang ungewohnt ist, aber notwendig, um einen länderübergreifenden Online-Vertrieb zu ermöglichen. Mit ziemlicher Sicherheit wird es Rohlik (auch angesichts der ehrgeizigen und üppig finanzierten Expansionspläne) bei dieser Auswahl nicht belassen.

Frische Bio-Eier, lieferfertig; Abb.: Picnic

Wettbewerber Picnic ist bereits auf ähnlichem Weg unterwegs. Die Entwicklung von Eigenmarken ist bereits seit längerem angekündigt; in Deutschland werden seit Juni Bio-Eier vom Bio-Gut Rosenthal in Bergneustadt geliefert, und zwar in einer eigens für den sicheren Transport konzipierten Verpackung. Anders als Rohlik, das in jedem Land anders heißt, ist Picnic (gemeinsam mit dem Partner) dort aber auch als Absender sichtbar. Ein Jahr zuvor war eine ähnliche Initiative bereits in den Niederlanden gestartet.


Spar druckt die Namen regionaler Erzeuger auf die Verpackung

Blütenhonig vom Imkermeister Mandl aus dem Weinviertel, Cremehonig vom Imkermeister Aschenbrenner aus dem Marchfeld oder Wald- und Wiesen-Blütenhonig vom Imkermeister Rebernik aus der Südsteiermark gibt’s bei Spar in Österreich. Und damit das auch jeder sofort sieht, druckt der österreichische Marktführer das auf die Gläser seiner neuen „Eigenmarkenlinie für die Landwirtschaft“ auch direkt vorne drauf – inklusive Bild des jeweiligen Partners und dem eigenen Logo.

Ziel sei es, „die Leistungen der heimischen Landwirtschaft stärker hervorzuheben“, erklärt das Unternehmen. Dafür nimmt die Handelskette die Mühe in Kauf, auch kleinere Produkt-Chargen individuell zu labeln, anstatt eine allgemeine Regional-Dachmarke drüber zu stülpen, wie es die deutschen Supermärkte oft tun.

Imker vorne drauf: Spar personalisiert seinen Eigenmarken-Honig in Österreich; Foto: SPAR/evatrifft

Personalisierung gehört seit längerem zu den Trends im klassischen Lebensmitteleinzelhandel, der gemerkt hat, dass es beim Verkaufen hilft, wenn die Kundschaft im Laden der Produzentin bzw. dem Produzenten in die Augen blicken kann – wenn’s auch nur über ein Minibildchen auf der Verpackung ist. So konsequent wie Spar nutzt das meines Wissens bislang aber kaum eine europäische Handelskette mit dem eigenen Namen als Absender.

Aus Salzburg heißt es, die neue Eigenmarkenlinie stehe „erst am Anfang und soll noch viele weitere Landwirte und Produzenten vor den Vorhang holen“.

Weitere Produkte, die ähnlich personalisiert gebrandet sind, gibt es nach Spar-Angaben „aktuell noch nicht“. Auf Supermarktblog-Anfrage erklärt die Handelskette:

„Wir weisen aber darauf hin, dass wir bei ganz vielen Produkten bereits die Hersteller auf der Verpackung angeben. Zum Beispiel die ganzen Editionen bei SPAR PREMIUM, wie zum Beispiel SPAR PREMIUM Currysuppe Edition Johanna Maier.“

Mit der bisherigen Resonanz der Kundschaft ist man in Salzburg zufrieden:

„Alle Produkte, auf denen der Hersteller angegeben ist, sind sehr erfolgreich.“

Der Absatz wurde nachträglich mit Statements von Spar ergänzt.


Asda erfindet die Frühstücks-Pizza

Nicht verschwiegen werden darf, dass im Kompetenzfeld der Eigenmarken-Neuentwicklung den britischen Supermärkten natürlich so schnell keiner was vormacht. Der Kreativitätsüberschuss der großen Handelsketten geht soweit, dass dort notfalls völlig neue Sortimente und Verwendungszwecke erfunden werden, um Artikel in die Läden zu bringen – und es auch nicht weiter schlimm ist, wenn manche Neuerung wirkt, als sei sie von der Entwicklungsabteilung gegen Ende der letzten Zoom-Weihnachtsfeier ausgedacht worden, um anderntags den Kater zu kontern. Einerseits.

Andererseits: „Thin & Crispy Big Breakfast Pizza“ von Asda mit Würstchen, Speck, Pilzen und Baked Beans!

Aus dem Weg, Toast und Cornflakes.

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