Markenprodukte in Mehrweg: Loop und die Kreislauf-Mission mit Coca-Cola, Heinz und Persil

Markenprodukte in Mehrweg: Loop und die Kreislauf-Mission mit Coca-Cola, Heinz und Persil

Foto: Tesco
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Einfach dieselben Produkte wie immer kaufen, aber in wiederbefüllbaren Containern: Genau das probiert Loop mit Herstellern und Supermärkten in Großbritannien, den USA und Frankreich aus. Deutschland steht auch auf der Wunschliste. Aber hierzulande dürfte ein Start schwerer werden.

Partner und Sponsoren:

Was war das für ein Hallo, als die britische Tiefkühl-Supermarktkette Iceland vor drei Jahren ankündigte, die ersten „Reverse Vending Machines“ Großbritanniens in ihren Läden aufzustellen: Automaten, in die Kund:innen ihre leeren Getränkeflaschen reinschieben konnten, um dafür eine Gutschrift von 10 Pence zu bekommen!

Sensation! Der erste Pfandautomat Großbritanniens – bei Iceland in London; Foto: Supermarktblog

Obwohl die Kette damals für ein händlerübergreifendes Pfandsystem warb, ist im United Kingdom bislang noch nix aus dem „Deposit Return Scheme“ geworden. Das ändert sich im kommenden Jahr, wenn Schottland am 1. Juli 2022 auf eigene Faust loslegt und alle Läden, die Getränke in Flaschen oder Dosen verkaufen, diese auch zurücknehmen müssen, um sie recyceln zu können.

Die britische Regierung will erst noch überlegen, ob es auch im Rest des Landes zu einer solchen Verpflichtung kommen soll.


Darauf wollte Marktführer Tesco offensichtlich nicht warten – und hat sich deshalb mit dem Recycling-Unternehmen Terracycle zusammengetan, um dessen bereits in den USA und Frankreich etabliertes Pfandsystem Loop zu starten. Seit Ende September stehen die ersten „Reuse Stations“ in zehn großen Tesco-Märkten: Regale, die ausschließlich Lebensmitteln (nicht nur Getränken) in wiederverwertbaren Verpackungen vorbehalten sind, und die, wenn der Inhalt aufgebraucht worden ist, zurückgegeben werden müssen, um das darauf einbehaltene Pfand zurück zu bekommen.

Einkaufen wie immer, nur in Mehrweg

Die Besonderheit an Loop ist nicht nur, dass es sich dabei um ein geschlossenes System handelt – sondern auch, dass dafür ein ganzer Schwung bekannter Marken als Partner an Bord geholt wurden, die ihre Produkte in Loop-Pfandverpackungen abfüllen. Dabei sind u.a. Coca-Cola und Brewdog, Ecover und Persil, Heinz und Naked Noodle, Fever Tree und Sipsmith. Außerdem hat sich Tesco mit einem Best-of seiner beliebtesten Eigenmarken angeschlossen.

Markenprodukte und Tesco-Eigenmarkenauswahl in der Loop-Mehrwegvariante – Rückgabetasche inklusive; Foto: Tesco

Die Verpackungen sind denen der Einweg-Originale nachempfunden, werden aber nach der Nutzung gereinigt und mehrfach neu befüllt.

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Die Rückgabe erfolgt in den Läden über eigene Pfandautomaten – also ziemlich genau so, wie es deutsche Kund:innen seit einer gefühlten Ewigkeit mit Getränkeflaschen und Joghurtgläsern kennen und jetzt auch für eine Vielzahl anderer Lebensmittel angewöhnt bekommen könnten (siehe Supermarktblog-Schwerpunkt).

Sieht aus wie ein Altkleider-Container, ist aber ein Loop-PFandautomat bei Tesco; Foto: Tesco

Um das System zum Erfolg zu führen, hat sich Tesco aber noch eine weitere Besonderheit ausgedacht. An den Regalen verspricht die Supermarktkette, dass die Markenprodukte in Mehrweg nicht teurer verkauft werden als in der Einweg-Variante:

„You will never pay more for reusables than the price of standard products with our Reuse guarantee.“

Diese Preisgarantie dürfte tatsächlich essenziell sein, um zunehmend umweltbewusster einkaufende Kund:innen davon zur überzeugen, Loop kontinuierlich zu nutzen.

Schluss mit eigenem Online-Shop

Vorausgegangen war der Initiative eine im Jahr zuvor gestartet Testphase, während der britische Kund:innen die Markenprodukte in Loop-Verpackungen ausschließlich online bestellen konnten, um sie von DPD nachhause gebracht und leer wieder abgeholt zu kriegen.

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Genau so hatte Loop ursprünglich 2019 auch in den USA losgelegt – als Neuerfindung des „Milkman“-Prinzips (das auch Picnic für sich beansprucht) und mit dem US-Partner UPS. Vom Aufwand selbst betriebener Online-Shops scheint man sich beim Recycling-Spezialisten Terracycle aber verabschieden zu wollen. Was ein bisschen schade ist, weil bis hin zu den Mehrwegboxen, in denen Einkäufe geliefert wurden, alles ziemlich schlau umgesetzt worden ist.

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In Großbritannien können Loop-Kund:innen der ersten Stunde ihre gesammelten Leerverpackungen, die sie per Paketdienst geliefert bekommen haben, noch bis Ende des Jahres zurückgeben; Nachschub lässt sich online nicht mehr bestellen.

In den USA geht Loop nun einen ähnlichen Weg, was auch deshalb möglich ist, weil man sich die Supermarktketten Walgreens und Kroger’s als Partner für den stationären Betrieb des Systems gesichert hat.

Liefert Tesco demnächst Loop?

Ein bisschen merkwürdig ist es trotzdem, dass sich Loop ausgerechnet jetzt, da der Markt für Liefer-Lebensmittel schnell und stetig wächst, aus selbigem wieder verabschiedet – zumal es ziemlich praktisch ist, Pfandverpackungen nicht selbst durch die Gegend zu schleppen, sondern sie bei der Heimlieferung einfach durch neu befüllte auszutauschen.

Dazu, ob die Produkte in Loop-Mehrwegcontainern künftig wieder online zu bestellen sein werden, naheliegenderweise etwa über den Lieferdienst von Tesco, erklärt Terracycle-Europe-Sprecher Stephen Clarke auf Supermarktblog-Anfrage, das sei eine Entscheidung, die Tesco für sich treffen müsse („a decision for Tesco to consider“). Bislang ist davon noch nichts zu sehen.

Tesco-Lieferdienst in Großbritannien – bislang noch ohne Loop; Foto: Supermarktblog

Dass Loop die Produkte vorübergehend selbst vertrieben habe, sei von vornherein bloß für den Testzeitraum geplant gewesen, so Clarke:

The Loop system generally starts with a first pilot phase, which is an online trial with its own online distribution for the retailers to test the system, but the primary goal is to launch instore to allow customers to choose products in reusable packaging alongside conventional products and improve the convenience.“

Mit dem Piloten habe Loop testen können, wie das System im Markt funktioniert und wie oft die Kund:innen Produkte wiederbestellen.

„The pilot allowed Loop and its official brand and UK retail partner Tesco to see logistically where Loop is successful as well as what aspects will need to be tweaked and updated before offering the service to a larger population. So in line with the September 2021 launch into the first physical Tesco stores, Loop acting in essence as an ecommerce retailer in its own right via www.loopstore.co.uk came to an end which was always the plan.“

(Ob zum Plan auch gehörte, die Produktpalette von ursprünglich 150 auf jetzt 88 einzudämpfen, sagt Clarke nicht.)

Loop + Deutschland = ❤️?

Mit dem Aufbau der „Reuse Stations“ in zehn Tesco-Märkten habe der zweite Teil der Pilotphase begonnen. Jetzt gehe es darum, die bestehende Infrastruktur auszubauen, um effizienter und nachhaltiger arbeiten zu können – und Kosten zu reduzieren.

Außerdem kündigt Clarke an:

„Loop’s goal is to aggressively expand by adding new partners, products, and launching in new markets to be available to more customers.“

Japan und Australien stehen als nächstes auf der Agenda. Zuletzt gab es Andeutungen, dass zu den Expansionszielen auch Deutschland gehören könnte. Ob es dazu kommt, will man bei Terracycle aber derzeit noch nicht sagen. Europa-Sprecher Clarke bekundet jedoch:

„We would like to come to Germany and many of our partners have also expressed already a strong interest in making their reusable products available to the German consumers. However, we do not have any more information or a specific date yet on when this will happen. We will share more details when this will become a reality.“

Interessant wäre ein Loop-Start in Deutschland allemal – denn obwohl Terracycle und Tesco mit den bekannten Markenpartnern und der Preisgarantie schon zwei sehr gute Gründe für ihre Mehrweg-Initiative parat haben, wirkt so manches an Loop aus deutscher Perspektive mindestens kurios.

Sechs Tage für die Pfanderstattung

An unterschiedliche Pfandbeträge mag man zwar auch hierzulande gewöhnt sein; dass Loop ebenfalls damit agiert, ist aber unlogisch. Für manche Verpackungen erhalten Tesco-Kund:innen 20, für andere 50 Pence, ein oder zwei Pfund zurück. In einem geschlossenen Kreislauf hätte man das von Anfang an vereinheitlichen können.

Und dann ist da die erstaunlich kompliziere Rückgabe: Die Pfandautomaten schlucken zurückgegebene Verpackungen nämlich erst, wenn man ihnen vorher einen QR-Code aufklebt, den man zuvor mit der aufs Smartphone geladenen Loop Deposit App gescannt haben muss. Etwas einfacher geht’s mit dem „Return Bag“, einer Mehrwegtasche, bei der man nur einen einzigen QR-Code scannen muss, bevor man sie gefüllt in den Return Point einstellt.

So glücklich würden deutsche Loop-Nutzer:innen bei der Pfandrückgabe tendenziell eher nicht aussehen; Foto: Tesco

Dass sich Loop anschließend zwischen drei und sechs Werktagen (!) Zeit lassen will, um den Pfandbetrag per App gutzuschreiben, um diesen dann aufs eigene Bankkonto zu transferieren, dürfte hierzulande aber vermutlich niemandem vermittelbar sein.

Abgesehen davon, dass sich die großen Supermarktketten, die eine möglichst effiziente Pfandlogistik anstreben, vermutlich nicht noch einen zusätzlichen Automaten auf die ohnehin knappe Verkaufsfläche stellen werden wollen. Als mögliche Test-Partner kämen deshalb am ehesten große SB-Warenhausketten wie Globus oder Marktkauf, vielleicht auch Edeka Center oder Rewe Center in Frage.

Markenhersteller, aufgepasst!

Und dann bräuchte Loop ja auch noch einen Logistikhelfer, der sich um den Rücktransport der Container kümmert. In Großbritannien hat man sich dafür mit DHL geeinigt. In einer Mitteilung heißt es:

„DHL will support Loop’s warehousing, fulfilment, returned deposit scanning and process all cleaned containers for distribution back to consumer product manufacturers.“

Hierzulande haben die Innovationsallergiker aus Bonn zuletzt allerdings zahlreiche Services, die nicht unmittelbar das Kerngeschäft betreffen, abgestoßen oder wieder eingestellt – um wenigstens die explodierende Paketzustellung halbwegs auf die Kette zu kriegen. (Beim Konkurrenten Hermes sieht’s kaum anders aus.)

Die Wahrscheinlichkeit, dass Loop auch in Deutschland zum Erfolg würde, ist also über den Daumen gepeilt eher so mäh – außer natürlich, es fände sich ein starker Partner, der sich zutrauen würde, die Lösung von vornherein und dauerhaft per Lieferservice anzubieten, ähnlich wie Flaschenpost gerade mit Mehrwelt agiert (siehe Supermarktblog).

Denn eins ist schon mal klar: Sollte sich in amerikanischen, britischen, französischen, australischen und japanischen Supermärkten durchsetzen, dass Kund:innen in nennenswertem Anteil bekannte Markenprodukte nicht mehr in Einweg-, sondern in Mehrwegverpackungen kaufen, wird die Markenartikelindustrie schnell ein sehr, sehr großes Interesse daran entwickeln müssen, eine zumindest vergleichbare Lösung auch im Pfand-erprobten und zunehmend auf Nachhaltigkeit fokussierten deutschen Lebensmitteleinzelhandel anzubieten.

Kleiner Tipp vorab: Das mit den QR-Code-Aufklebern machen wir dann aber anders, okay?

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1 Kommentar
  • Die Pfand-Flaschen sind in D ja bereits markiert.
    So werden tschechische Flaschen (äusserlich baugleich mit deutschen) nicht von Pfandautomaten angenommen.
    Sind auf den Plasteflaschen ausser dem System-Symbol noch weitere Pfandcodes enthalten?

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