Alnatura bereitet Lieferservice für Berlin und Frankfurt am Main vor

Alnatura bereitet Lieferservice für Berlin und Frankfurt am Main vor

Foto: Supermarktblog
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Mit Elektrofahrzeugen will die hessische Biomarktkette ihren Kund:innen online bestellte Produkte künftig aus den Läden direkt nachhause bringen. Was Sie vor dem Start über das Projekt „Alnatura Super Natur Markt Online“ wissen müssen.

Partner und Sponsoren:

Seit über zwei Jahren, als sich der damalige Kooperationspartner Gourmondo aus dem Markt verabschiedete, betreibt die hessische Biomarktkette keinen eigenen Online-Shop für Lebensmittel mehr (siehe Supermarktblog). Die eigenen Produkte werden seitdem online ausschließlich über Partner verkauft (per Lieferung oder Abholung im Markt), in Deutschland u.a. bei Knuspr, Bringmeister und Picnic (via Edeka) und Amazon Fresh (via Tegut).

Das wird sich schon ziemlich bald ändern.

Anfang April berichtete die Schweizer „Handelszeitung“, dass die Darmstädter:innen eine „langjährige Zusammenarbeit“ mit dem Lebensmittel-Liefer-Start-up Farmy aus Zürich eingegangen seien. Demzufolge wird Farmy u.a. seine Software – das komplette Front- und Backend für einen Online-Shop, Werkzeuge zur Kommissionierung, Auslieferung und Tourenplanung – zur Verfügung stellen, um Alnatura einen eigenen Lebensmittel-Lieferservice in Deutschland testen zu lassen.


Das Unternehmen möchte sich derzeit auf Anfrage nicht dazu äußern. Inzwischen zeichnet sich jedoch ab, wie genau der Test aussehen könnte: Unter dem Namen „Alnatura Super Natur Markt Online“ werden Kund:innen der Biomarktkette künftig an ausgewählten Orten Produkte aus dem kompletten Alnatura-Sortiment zur Heimlieferung bestellen können.

Gesucht: heimzustellende Bio-Fachverkäufer:innen

Start ist offensichtlich nicht nur, wie bislang von Fachmedien berichtet, in Berlin, sondern auch in Frankfurt am Main. Für mehrere Standorte – Mitte, Lichterfelde, Prenzlauer Berg und Tegel in Berlin sowie Sachsenhausen und Eckenheim in Frankfurt am Main – werden derzeit Mitarbeiter:innen als „Verkäufer*in mit Lieferservice im Bio-Einzelhandel“ gesucht.

Leute zum Liefern gesucht: Stellenangebot an Berliner Alnatura-Markt; Foto: Smb

Die Einstellungen erfolgen nach Supermarktblog-Informationen per sofort – was zur Information der „Handelszeitung“ passt, dass der Lieferservice noch im ersten Halbjahr 2022 an den Start gehen soll. Teilweise ist in den Anzeigen eine Befristung auf ein Jahr erwähnt, was Rückschlüsse auf den geplanten Testzeitraum geben könnte.

Die aktuell noch auf die Hauptseite umgeleitete Webadresse alnatura-shop.de wäre ebenfalls leicht reaktivierbar.

Den Stellenanzeigen ist außerdem zu entnehmen, dass die neuen Mitarbeiter:innen sowohl für den Verkauf in den Märkten als auch für die Lieferung der Online-Einkäufe zuständig sein werden, die direkt in den Alnatura-Filialen zusammengestellt werden. (Idealerweise zu Zeiten, in denen sich der Betrieb im Markt in Grenzen hält.) So kann die Handelskette auf den Bau eines eigenen Lagers verzichten und relativ zügig testen, wie ein eigener Bestellservice bei der Kundschaft ankommt.

Lieferung per Elektrofahrzeug

In welchem Radius um die Märkte geliefert wird, ist bislang nicht bekannt. Klar ist aber, dass der Transport sowohl mit Elektro-Lastenrädern als auch mit Elektrofahrzeugen erfolgen soll – naheliegenderweise denen, die schon von Farmy in der Schweiz eingesetzt werden. An der Rückseite des für den Liefertest auserkorenen Markts in Prenzlauer Berg ist vor kurzem eine Ladestation anmontiert worden, an der zwei E-Fahrzeuge parallel strombetankt werden können (direkt neben dem Ein- bzw. Ausgang zum Lager des Markts).

Neue E-Ladestation an Berliner Alnatura-Markt; Foto: Smb

Der Alnatura-Test ist (wenn ich mich recht entsinne) der erste Versuch einer deutschen Bio-Fachhandelskette, die Kommissionierung und Auslieferung von online bestellten Lebensmitteln komplett in die eigene Hand zu nehmen.

Dabei geholfen haben dürfte, dass Ex-Bringmeister-Berater Dominique Locher, der bei Farmy als Investor und Verwaltungsrat an Bord ist, laut „Handelszeitung“ seit vergangem Jahr auch als Digital-Beirat bei Alnatura engagiert ist.

Vor allem aber wird Alnatura nach dem Liefer-Boom der beiden Corona-Jahre einen ganz guten Einblick in die Nachfrage nach seinen Produkten bei (regelmäßigen) Online-Besteller:innen von Bringmeister bis Knuspr haben. (Anders übrigens als fast alle direkten Wettbewerber, die online bislang gar nicht präsent sind.) Deshalb dürfte man in Darmstadt ganz gut einschätzen können, ob es sich lohnt, Bio-Fans künftig einfach direkt zu versorgen.

Online-Wagnis für den Stationärspezialisten

Screenshot: Getnow/Smb

Vor anderthalb Jahren hatte sich schon mal angedeutet, dass Alnatura einem weiteren E-Food-Anlauf nicht abgeneigt gewesen war: In Präsentationsunterlagen des damals aufstrebenden Liefer-Start-ups Getnow erschien die Biomarktkette mit ihrem Logo als potenzielle Nutzerin bzw. Partnerin der Getnow-Plattform, auf der zunehmend Dritte hätten eingebunden werden sollen. (Metro, Globus und Vinzenzmurr waren schon an Bord.)

Kurz darauf meldete Getnow allerdings wegen Turbulenzen um seinen Hauptinvestor Insolvenz an – und die Sache hatte sich erledigt.

Interessant wird nun, wie sich Alnatura als Stationärspezialist mit dem neuen Online-Angebot schlägt – und ob die Biomarktkette ihre gerade eingeführten „Dauerpreise“ (siehe Supermarktblog) auch für Netzbestellungen garantiert. Denn das dürfte manchen Lieferpartner, der (wie z.B. Bringmeister) Alnatura-Artikel bislang mit satten Aufschlägen verkauft, in die Bredouille bringen.

Zuletzt hatten sich die Darmstädter:innen u.a. die Markenrechte an der „Alnatura Biobox“ gesichert. Welches Projekt dahinter steht, will man bislang nicht verraten (siehe Supermarktblog).

Das Foto von den inzwischen am Laden parkenden E-Fahrzeugen wurde nachträglich in den Text eingefügt. (Danke an Andreas für den Hinweis!)

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