Flink lässt seine Rider auch Restaurantessen von Uber Eats liefern

Flink lässt seine Rider auch Restaurantessen von Uber Eats liefern

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Nach Brokkoli, Toastbrot und Energydrinks aus eigenen Hubs bringt die Flotte des Berliner Quick-Commerce-Anbieters Flink künftig auch Pizza, Pad Thai und Burger, die in der App von Uber Eats in Restaurants geordert werden. Ist das pragmatische Kapazitätsauslastung oder Zeichen einer fragilen Profitabilität?

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Flink bestätigt die Partnerschaft mit Uber Eats „in ausgewählten Städten“.


Auf seinem strategischen Zickzack-Kurs schlägt der Berliner Quick-Commerce-Anbieter Flink den nächsten Haken: Nachdem man erst mit allen großen in Deutschland aktiven Plattformanbietern zusammenarbeiten wollte, um von deren Reichweite zu profitieren (siehe Supermarktblog) und sich nach einiger Zeit dazu entschloss, eine bevorzugte Partnerschaft mit dem Marktführer Lieferando einzugehen (siehe Supermarktblog), kommt jetzt eine halbe Kehrtwende: Flink will mit seiner Flotte künftig Lieferessen ausfahren, das via Uber Eats bestellt wurde.

Auf diese Weise stellt sich Flink quasi als Logistikdienstleister für Uber Eats zur Verfügung.

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In einem Informationsschreiben, das dem Supermarktblog vorliegt, werden von Flink angestellte Fahrer:innen dazu angehalten, sich zu diesem Zweck in der Uber-App „Drive & Deliver“ zu registrieren, um dort einen Onboarding-Prozess zu durchlaufen. Ob die Kooperation regional beschränkt ist oder sämtliche Gebiete betrifft, in denen Flink aktiv ist, geht aus den Informationen nicht hervor.

Endlich auch sonntags arbeiten!

Flink verspricht den Rider:innen eine unveränderte Bezahlung („your regular salary of €13.90 gross per hour plus 100% of your tips“). Sämtliche Uber-Eats-Trinkgelder würden steuerfrei ausgezahlt. Auch am Schichtbeginn ändere Sicht nichts: Fahrer:innen starten und beenden die Arbeit an ihrem jeweiligen Flink-Hub.

Für alle Touren würden Fahrräder und Equipment von Flink genutzt. Nach außen könnte die Kooperation nur dann sichtbar werden, wenn Kund:innen ihre in der Uber-Eats-App bestellte Pizza demnächst von hellblau-magentafarben gekleideten Flink-Fahrer:innen gebracht wird.

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Neu für die Flink-Mitarbeiter:innen ist, dass Schichten auch sonntags vergeben werden, wenn Uber Eats aktiv ist, Flink aber seine Hubs als reiner Lebensmittel-Lieferdienst geschlossen halten muss. Als Zusatzanreiz verspricht man Rider:innen, dass der aktuelle „Saturday late-night bonus“ auch sonntagabends ausgezahlt werde.

Pragmatische Kapazitätsauslastung?

Zur Erinnerung: Ende 2024 hatte Flink die Zusammenarbeit mit Uber Eats und Wolt beendet. Damals hieß es, man wolle sich auf den Marktführer Lieferando konzentrieren. Auf Uber Eats war Flink bis dahin mit dem eigenen Lebensmittelsortiment vertreten gewesen.

Die neue Kooperation funktioniert nun anders, weil Flink bei Uber Eats nicht mehr als eigenständiger Händler aufzutreten scheint. (Zumindest geht das nicht aus den vorliegenden Informationen hervor.) Für Flink ist das ein neuer Schritt: Erstmals vermietet das Unternehmen seine Fahrer:innen-Kapazität systematisch an einen Drittanbieter. Das mag nach pragmatischer Kapazitätsauslastung klingen – wirft aber auch Fragen auf.

Flink hatte seine E-Bike-Flotte im Vorjahr optimiert, um mehrere Bestellungen pro Tour auszuliefern – für einzelne Restaurant-Bestellungen ist das System eigentlich überdimensioniert.

Kollision mit dem Kerngeschäft

Die noch viel entscheidendere Frage ist: Zu welchen Zeiten ergibt eine solche Kooperation überhaupt Sinn, ohne das eigene Geschäft zu kannibalisieren?

In einer Pressemitteilung hat Flink vor kurzem Details zu seinen Peak-Zeiten verraten: Die aktivste Nutzungszeit liegt demnach zwischen 15 und 19 Uhr, mit einem Bestellpeak um 16 Uhr. Restaurant-Bestellungen bei Uber Eats hingegen konzentrieren sich typischerweise auf die Abendstunden ab 18 Uhr bis spätabends. Zumindest zeitweise könnte das zu Kollisionen im Flottenbedarf führen.

(Erstaunlich ist, dass Flink in seiner Mitteilung das Mittagsgeschäft nicht erwähnt – eigentlich ein ideales Zeitfenster für Mini-Einkäufe im Büro oder schnelle Lunch-Bestellungen.)

Möglich wäre, dass sich die Kooperation auf Zeitfenster konzentriert, in denen Flink schwächer ausgelastet ist. Oder dass man Bestellungen auch zu Peak-Zeiten inzwischen so gut gestapelt kriegt, dass man einen Teil der eigenen Flotte outsourcen kann, ohne befürchten zu müssen, die eigenen Kund:innen viel länger warten zu lassen.

Der Wettbewerber grüßt im Aufsichtsrat

Interessant ist die Uber-Kooperation auch deshalb, weil Flink ja gerade bestätigt hat, dass ein Vertreter von Just Eat Takeaway (JET) als Observer – also nicht stimmberechtigt – im eigenen Aufsichtsrat sitzt (siehe Supermarktblog von vergangener Woche).

JET ist über seine Tochter Lieferando aktuell exklusiver Plattform-Partner von Flink – und gleichzeitig direkter Konkurrent von Uber Eats im Restaurant-Liefergeschäft. Eine Kapazitätsumverteilung in der Logistik könnte sich auch auf die via Lieferando bei Flink getätigten Lebensmittelbestellungen auswirken.

Die Uber-Kooperation spricht auch nicht unbedingt dafür, dass eine Übernahme durch JET, über die mehrfach spekuliert worden ist, unmittelbar bevorsteht – eher im Gegenteil: Womöglich hat man in Amsterdam längst entschieden, Flink nicht zu integrieren, und duldet diese Strategie deshalb? (Sonst könnte Flink seine Flotte ja genausogut dem „bevorzugten Partner“ zur Verfügung stellen, um auch dessen Restaurant-Lieferungen zu übernehmen!)

Auch andere Übernahmespekulationen – etwa das kolportierte Amazon-Interesse – werden durch diese Kooperation nicht plausibler.

Selbst aus der Uber-Perspektive müsste der Deal Fragen aufwerfen: Mit seiner Observer-Position im Aufsichtsrat erhält JET schließlich detaillierten Einblick in Finanzen, Strategie und Operations von Flink – inklusive der neuen Uber-Kooperation.

Profitabel – aber auf der Suche nach Zusatzumsatz

Verkompliziert wird die Angelegenheit dadurch, dass Flink auf Supermarktblog-Anfrage gerade bestätigt hat, auf EBITDA-Ebene profitabel zu sein. Wozu dann die Uber-Kooperation, die das Unternehmen zum Logistik-Subunternehmer macht? Mehrere Erklärungen sind denkbar:

Fragile Profitabilität: Flink ist womöglich knapp profitabel, aber nur unter Vollauslastung. Jede ungenutzte Fahrer:innen-Stunde kostet Geld. Die Uber-Kooperation würde dann als Sicherheitsnetz dienen – selbst wenn das eigene Volumen schwankt, blieben die Rider ausgelastet.

Regionale Unterschiede: Im Durchschnitt könnte Flink profitabel sein, aber einzelne Hubs oder Städte sind es womöglich nicht. Statt diese zu schließen (was signalisieren würde: „Flink schrumpft“), könnte man Uber-Aufträge nutzen, um sie über Wasser zu halten.

EBITDA vs. Cash-Flow: EBITDA-Profitabilität bedeutet nicht zwangsläufig, dass genug Cash da ist. Wenn Schulden bedient oder Investitionen getätigt werden müssen, braucht man trotz positiver EBITDA jeden zusätzlichen Euro.

Doch ein strategisches Dating?

Nahe läge eine Kombination: Die Profitabilität ist dünn, regional unterschiedlich, und die Uber-Kooperation hilft, Fixkosten besser zu verteilen. Das ist pragmatisch – aber eher kein Zeichen der sonst gern behaupteten Stärke.

Eine andere, aber höchst spekulative Lesart wäre: Die Uber-Kooperation könnte auch ein längerfristiges strategisches Dating sein. Uber Eats steht in Deutschland im Lebensmittel-Bereich deutlich schlechter da als die Konkurrenz: Lieferando hat Flink, Wolt betreibt eigene Wolt Markets und kooperiert mit selbstständigen Edeka-Kaufleuten und stationären Händlern wie Bio Company.

Uber hat vor allem Spätis und einzelne Supermarkt-Kooperationen, aber nichts Vergleichbares. Was, wenn Flink und Uber die aktuelle Zusammenarbeit nutzen, um sich operativ kennenzulernen – bis der Lieferando-Vertrag ausgelaufen ist?

Vom Visionär zum Dienstleister

Flink sucht weiterhin nach Wegen, das Geschäftsmodell zu stabilisieren. Die Uber-Kooperation ist nachvollziehbar aus Sicht der Kapazitätsauslastung – zeigt aber auch, dass die Strategie, sich auf Lieferando zu fokussieren und mit neuen Marken wie „Rewe express“ ein zusätzliches Klientel anzusprechen, wohl nicht ausgereicht hat, um die eigene Flotte profitabel auszulasten.

Gleichzeitig wird die strategische Lage komplizierter: JET sitzt im Aufsichtsrat und bekommt mit, wie Flink parallel mit Uber kooperiert.

Vom eigenständigen Quick-Commerce-Visionär, der den Lebensmittelhandel revolutionieren wollte, zum Flotten-Subunternehmer für Lieferplattformen – so hatte sich Flink seine Zukunft vermutlich eher nicht vorgestellt.

Danke an D. für den Hinweis!


Update, 16.54 Uhr: Auf Supermarktblog-Anfrage bestätigt Flink die Partnerschaft mit Uber Eats. Ein Sprecher erklärt:

„Flink kann bestätigen, dass wir eine strategische Pilot-Kooperation mit Uber Eats eingegangen sind, bei der unsere Rider auch Restaurant-Lieferungen übernehmen. Dieser Schritt ermöglicht es uns, unsere Logistikkapazitäten effizienter zu nutzen und gleichzeitig unseren Fahrer*innen zusätzliche Verdienstmöglichkeiten zu bieten. Die Kooperation ist zunächst in ausgewählten Städten gestartet.“

Zu zukünftigen Kooperationen auf möglichen Plattformen wolle man sich „zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht äußern..

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