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Self-Checkout-Kassen sind im deutschen Handel ganz offensichtlich Fluch und Segen zugleich – und nirgendwo kommt diese Diskrepanz derzeit so gut auf den Punkt wie bei dm. Die Drogeriemarktkette baut in ihren Filialen derzeit im Eiltempo Selbstbedienkassen ein. Im vergangenen November berichtete „Retail Optimiser“, erste Märkte hätten bereits zehn, andere acht Self-Checkouts installiert.
An manchen Standorten soll die Nutzungsquote bei 70 Prozent liegen, habe Steffen Göhrig, Produktverantwortlicher für Self-Checkout-Solutions bei dmTech, auf den EHI TechDays in Bonn erklärt. Die Erwartungen seien „völlig übertroffen“ worden.
Gleichzeitig räumt dm ein, was auch zahlreiche Lebensmittelhändler registriert haben: Self-Checkout führt dazu, dass mehr Ware unbezahlt aus dem Laden verschwindet. Die gestiegenen Inventurdifferenzen, mit denen der Handel den Schwund klassifiziert, stellten die Wirtschaftlichkeit der Systeme nicht in Frage, heißt es bei „Retail Optimiser“ – „ihr Anteil sei aber so groß, dass es bei Betrachtung der Gesamtwirtschaftlichkeit weh täte“.
Sie scannen, wir schauen
Auf Supermarktblog-Anfrage bestätigt dm diese Entwicklung, ohne die Warenverluste näher quantifizieren zu wollen. Elena de Punzio, dm-Geschäftsbereichsverantwortliche Sortiment im Ressort Marketing + Beschaffung, erklärt:
„Zu konkreten Inventurdifferenzen äußern wir uns grundsätzlich nicht. Wie der gesamte Einzelhandel beobachten auch wir die Entwicklung aufmerksam und setzen unterschiedliche Maßnahmen ein, um Verluste zu minimieren und das Einkaufserlebnis für unsere Kundinnen und Kunden zugleich so angenehm wie möglich zu gestalten.“
Eine dieser Maßnahmen ist nach Supermarktblog-Informationen der Einsatz von Halbkugel-Überwachungskameras, die gut sichtbar für Kund:innen unmittelbar oberhalb der SB-Kassen angebracht sind.

Das Live-Bild der jeweiligen Kasse wird dann auf Augenhöhe der Kund:innen auf einem eigenen Monitor direkt über dem Touchscreen gezeigt – ganz offensichtlich als abschreckende Maßnahme, um die Wahrscheinlichkeit von Diebstahl zu senken (Fotos aus einer dm-Filiale in Hamburg).
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Livebild, aber (noch) keine KI-Funktion
dm bestätigt die Maßnahme und nennt sie einen Test:
„Aktuell testen wir das Livebild an Selbstbedienungskassen in zehn ausgewählten dm-Märkten in Deutschland, sowie in zwei dm-Märkten in unseren verbundenen Ländern. An diesen Kassen können Kundinnen und Kunden sich selbst auf einem kleinen integrierten Bildschirm sehen. Die Kamera zeigt den eigenen Kassenbereich aus schräger Perspektive von oben.“

Über einen breiteren Roll-out hat man in Karlsruhe aber noch nicht entschieden. De Punzio sagt:
„Ob und in welchem Umfang wir das System nach der Testphase in weiteren dm-Märkten integrieren, hängt von den Ergebnissen der laufenden Tests ab.“
Der Test scheint aktuell ohne KI-Unterstützung auszukommen, mit der sich theoretisch überprüfen ließe, ob Kund:innen die an die Kasse mitgebrachten Waren auch tatsächlich bezahlen. Elena de Punzio von dm erklärt, „marktunterstützende KI-basierte Anwendungen“ prüfe man derzeit „nur in weiteren Pilotprojekten“. Über Art und Umfang eines möglichen zukünftigen Einsatzes sei noch nicht entschieden.
Wenig dezenter Diebstahlhinweis
dm ist mit diesen Überlegungen nicht allein. Auch im LEH wird Kameraüberwachung an Self-Checkouts zunehmend zum Standard, u.a. Lidl rüstet seine SB-Kassen mit Kameras aus und zeigt den Kund:innen deren Live-Bild unmittelbar auf dem Touchscreen an – allerdings deutlich kleiner als dm.
Bei Edeka greifen manche Kaufleute zu drastischeren Maßnahmen: In einer Filiale in Süddeutschland, die ich zuletzt besucht habe, war der neben den Self-Checkout montierte Überwachungsbildmonitor größer als der Touchscreen der SB-Kasse. Daneben hing der wenig dezente Hinweis:
„Selbstbedienungskassen sind videoüberwacht. Wenn Sie Artikel nicht scannen handelt es sich um Diebstahl (Vertragsstrafe 100€ + Anzeige)“.

Das Einkaufserlebnis für seine Kund:innen zugleich so angenehm wie möglich und so verlustfrei wie nötig zu gestalten, scheint dem Handel also zunehmend schwerer zu fallen.
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Ich habe bei mir in zwei Edeka Filialen beobachtet, das hier zur besseren Überwachung an den SB-Kassen einfach die Artikelanzahl die dort gescannt werden darf auf 10 bzw 15 Artikelm begrenzt wurde. So ist die visuelle Kontrolle für die SB-Aufsicht leichter machbar. Allerdings halte ich das nicht für sehr Kundenfreundlich, da somit den Kunden in den meisten Fällen die Entscheidung abgenommen wird welche Möglichkeit am Ende genutzt wird. Nicht zu vergessen sind hier Familien in denen oftmals die (kleinen) Kinder großen Einfluss auf das Kaufverhalten haben. Kinder haben oftmals Spaß daran Dinge selbst zu machen bzw auszuprobieren, und dazu zählt auch selbst den Einkauf zu scannen. Und da ein Einkauf mit der Familie normalerweise größer ausfällt dürfen die Kinder nicht selbst scannen und werden schnell enttäuscht und werden die Eltern unterbewusst dazu verleiten beim nächsten Einkauf eine andere Filiale aufzusuchen und denen sie selbst aktiv werden können. Kind glücklich = Eltern glücklich. Ich denke das die ein Faktor ist der oftmals zu kurz kommt wenn Kaufentscheidungen der Kunden analysiert, und Entscheidungen vor Ort getroffen werden ohne mit Weitblick zu handeln.
Es ist schon humorvoll, dass bei dm ausgerechnet jene Kunden unter Generalverdacht gestellt werden, die selbst scannen, während parallel dazu die kompletten Eingangs- und Kassenbereiche komplett offen stehen. Ergiebigstes Mittel dürfte doch hierfür die ohnehin für dm typischen Diebstahlbügel direkt hinter den Eingangstüren sein.
Noch abschreckender ist natürlich nur die Lösung des gezeigten EDEKA-Einzelhändlers. Manche der selbstständigen Händler scheinen einfach kein Feingespür aufzuweisen. Da fühlt man sich selbst als „einkaufender Kunde“ nicht nur fast wie ein Schwerverbrecher, sondern die Wand dahinter wirkt auch einfach ausladend zugemüllt. Da helfen die schönsten baulichen Maßnahmen nichts, wenn sowieso alles billig zugeklebt wird.
Ästheten sind im LEH doch sowieso die Ausnahme, sonst gäbe es keine / massiv weniger Aufsteller, Aktionspaletten etc., die das Durchkommen mit Einkaufswagen inzwischen oft schwieriger machen als ein Kirmesbesuch mit Betonklotz-Sperren…
@ Alexander P. (systembedingt kann ich nicht direkt auf Deine Nachricht antworten): Bei meinem Kaufland stand letztes Jahr DIREKT hinter den Einlaßschranken mittig eine Palette Spargel. Man musste mit dem Einkaufswagen richtig zirkeln. Wie dumm – sah aber nicht sehr temporär abgestellt aus. Ohnehin stehen in der kleinen Filiale die ganzen Aktionspaletten immer mittig im Weg – rechts und links bleibt nur eine kleine Flucht und wehe es geht jemand gegen die normale Laufrichtung. Chaos. Darauf habe ich den Filialleiter angesprochen. Er sagte „Der Spargel muss weg. Und wenn er so steht, ist er spätestens heute nachmittag ausverkauft“. Und: „Die Aktionspaletten stehen ganz bewusst so. Was im Weg steht, das verkauft sich. Wir hätten auch lieber die Gänge frei, aber die Zahlen sprechen eindeutig dagegen“.
@de01002
das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Egal was man in den Weg stellt – es verkauft sich sofort um Längen besser, selbst der größte Ladenhüter kommt in Bewegung. In der Masse der Regalreihen geht vieles einfach unter, sobald es aber ins Sichtfeld gerückt wird verkauft es sich von allein.