City-Supermärkte (8): Kein Platz? Kein Problem! Jumbos Innenstadt-Frische-Konzept in Amsterdam

City-Supermärkte (8): Kein Platz? Kein Problem! Jumbos Innenstadt-Frische-Konzept in Amsterdam

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Mit einem eigenen Ladenkonzept für Innenstädte will Jumbo der Supermarkt für alle sein, die eigentlich gar keine Zeit zum Einkaufen haben. Das Versprechen: Mehr für jetzt, weniger für später.

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Supermärkte müssen flexibel sein, um kleinere Flächen in der Stadt zu belegen. Das Supermarktblog stellt eine Auswahl interessanter Läden vor.


Mit einem eigenen Ladenkonzept für Innenstädte will Jumbo, die Nummer zwei im niederländischen Lebensmitteleinzelhandel, noch konsequenter als bisher der Supermarkt für alle sein, die eigentlich gar keine Zeit zum Einkaufen haben. Vor einem Jahr eröffneten die ersten beiden Amsterdamer Filialen von Jumbo City, das außerdem bereits in Groningen, Eindhoven und Den Bosch angekommen ist. (2019 will Jumbo zudem erste Läden in Belgien eröffnen.)

Besonderheiten auf einen Blick

  • Zubereitungsküchen für kleine Mahlzeiten zum Mitnehmen sind fester Bestandteil der sehr unterschiedlich gebauten Läden.
  • Zu den Schwerpunkten im Sortiment gehören Produkte, die für den Konsum am selben Tag bestimmt sind, z.B. vorgeschnittenes Gemüse. Der Kühlanteil ist riesig.
  • In den Märkten wird mit eng gestellten Regalreihen kein Platz verschenkt, um maximale Auswahl zu bieten. Einkaufswagen müssen leider draußen bleiben.

Im Detail

Es braucht nur einen einzigen Schritt in den Jumbo City an der Eersten Constantijn Huygensstraat …

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… schon steht man mitten in der Abteilung mit den gekühlten Lebensmitteln. Und kommt da so schnell auch nicht mehr weg. Weil Fleisch, Fisch, Säfte, Salate, vorgeschnittenes Obst („Good to go“) bis weit in den Laden hinein reichen.

Nämlich bis an die Theke, hinter der Sandwiches belegt, Suppen gekocht und Salate geschnippelt werden (siehe Supermarktblog).

Glücklicherweise hat die Obst- und Gemüse-Abteilung noch rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht, dass sie auch noch da ist – und sich den Platz davor reserviert.

Im zweiten Jumbo-City-Laden an der Ferdinand Bolstraat ist eingangs ein bisschen mehr Platz, aber das Prinzip bleibt dasselbe: Erst viel, viel Platz für Frische. Dann, kompakt zusammengefaltet, der komplette Rest.

Gänge sind gerade so breit, wie sie sein müssen, um bei Gegenverkehr nicht stecken zu bleiben; Regalböden sind exakt auf die Höhe der eingestellten Produkte abgestimmt. Mehr als zwei Zentimeter Luftraum darüber wären schließlich Platzverschwendung.

Das führt auch dazu, dass frisch im Laden gebackene Backwaren über unterschiedliche Regalenden verteilt werden. Kein Gondelkopf soll leer bleiben!

V.I.P.s (very important products) kriegen eigene Produktgittertürmchen, von deren Sonnenterrasse sie den vorbeikommenden Erwerber:innen in den Einkaufskorb spicken könne. Das meiste, was an Unterbringungsmöglichkeiten nicht fest in Decke oder Boden verankert ist, hat Rollen – um schnell aus dem Weg geschoben werden zu können.

Den bleibendsten Eindruck hinterlassen aber ohne Zweifel die randvollen Theken mit im Laden zubereitetem Sushi, Salaten, belegten Pizzen.

Bezahlt wird nachher (je nach Laden) an der regulären Stehkasse oder an der nur noch aus Touchscreen bestehenden SB-Kasse. Geöffnet ist bis 22 Uhr, auch sonntags.

Warum das so gut funktioniert

Mehr für jetzt, weniger für später – mit dieser Botschaft empfängt Jumbo Kund:innen in seinem City-Konzept und unterstreicht dort mit jedem Meter: Alles frisch, nimm’s mit, iss es gleich auf!

CEO Frits van Eerd hat zu Beginn des Jahres erklärt, wo er damit hin will: vom Lebensmittelhandel zum Lebensmittelerlebnis („from food retail to food experience“). Und was sich erstmal anhört, wie handelsübliches PR-Gelaber, ist in diesem Fall durchaus glaubwürdig. Weil Jumbo sehr konsequent daran arbeitet, etablierte Formate aufzubrechen und Supermärkte stärker für ganz bestimmte Zwecke zu bauen (siehe Supermarktblog).

Vor dreieinhalb Jahren hat das Unternehmen die niederländische Systemgastrokette La Place übernommen, die kurz vor der Insolvenz stand; und führt die beiden Marken nun nach und nach zusammen. Jumbo City ist dafür ein ideales Experimentierfeld. In den Läden taucht La Place u.a. als Absender der Marktbäckerei und des Kaffee-Angebots auf; in sämtlichen Filialen wurden inzwischen Produkte unter dem La-Place-Label eingeführt (u.a. Pesto, Pasta, Kaffee, Olivenöl).

(Dass Gastro-Übernahmen auch schiefgehen können, hat Tesco vor einigen Jahren mit der Restaurantkette Giraffe bewiesen, die ohne Synergiennutzung in der Krise des Kerngeschäfts wieder verkauft wurde.)

Man wolle die niederländische Nummer eins für „Good Food Fast“ werden, heißt es im Unternehmen, um Lebensmittel all jenen zugänglich zu machen, die schnell und einfach konsumierbar sind, idealerweise auch gesund. Das City-Konzept ist dafür ein ganz guter Anfang. (Pizza gibt es trotzdem.)

Auf jumbowerkt.nl bietet Jumbo einen sehenswerten virtuellen Rundgang durch die Filiale in Den Bosch.

Abgucken, bitte:

  • Die Kooperation aus Supermarkt und Systemgastronomie-Marke als Absender für Spezialitäten und Mini-Mahlzeiten wäre auch für deutsche Händler interessant. Wer fragt als erstes mal bei Dean & David an?
  • Der Umfang des Angebots an frisch zubereiteten Lunch-Möglichkeiten, die ansprechend präsentiert sind, bleibt in zahlreichen City-Supermärkten hierzulande bisher die absolute Ausnahme.


Bisher in dieser Reihe erschienen:

Fotos: Supermarktblog

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