Quengelzone (3): Kaufland wirbt mit Unilever, Aldi Süd testet Kochboxen, die Bahn hilft Lebensmittelretten

Quengelzone (3): Kaufland wirbt mit Unilever, Aldi Süd testet Kochboxen, die Bahn hilft Lebensmittelretten

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Kaufland möchte, dass Kund:innen endlich wieder zum Unilever-Markenkauf vorbeischauen. Aldi bietet derweil 2-Personen-Mahlzeiten zum Selberkochen; und die Bahn steckt Lebensmittel mit knappem MHD in Bahnsteigautomaten.

Partner und Sponsoren:

Kaufland umwirbt Fans von Knorr, Axe und Viss

Huhu, hallo, Sie da! Jetzt stellen Sie sich halt nicht so an und kommen endlich wieder zurück zum früheren Großflächen-Discounter Ihres Vertrauens. Der hat schon eine Vermisstenanzeige auf Seite 1 seines aktuellen Wochenprospekts geschaltet: „Wiedersehen mach Freude“ steht da (in manchen Regionen) neben einem Stapel aus Magnum-Eis, Pfanni-Knödeln, Knorr-Salsasauce, Dove-Deo und Axe-Duschgel. Und was Kaufland damit eigentlich sagen möchte, ist natürlich:

„Unilever ist wieder im Sortiment.“

Immerhin ein Vierteljahr hat es gedauert, die Marken des Konsumgüterherstellers wieder komplett zurück in die Regale zu holen, nachdem sie dort längere Zeit Hausverbot hatten. Handelskette und Hersteller waren sich zuvor nicht über die künftigen Konditionen für die Produkte einig geworden.

Im November wurde der Streit schließlich doch noch beigelegt; wem die zwischenzeitliche Eiszeit mehr geschadet hat, ist Interpretationssache. Um einen Einzelfall handelt es sich dabei jedoch nicht: Große Handelsketten geraten immer häufiger mit großen Herstellern aneinander (siehe Supermarktblog).


Falls Sie sich jetzt Sorgen machen, eilt der Rewe-Chef zur Beruhigung: „Es besteht kein Grund, sich um die Lebensmittelhersteller zu sorgen“, argumentierte Lionel Souque gerade im Interview mit der „Wirtschaftswoche“ (Abo). Man habe es „bei den Verhandlungen nicht nur mit Mittelständlern und kleinen Start-ups zu tun, sondern auch mit börsennotierten Großkonzernen, die in den vergangenen Jahren durch Fusionen gewachsen sind.“ Und deshalb eine enorme Marktmacht besäßen.

Die Handelsketten kriegen das freilich auch ohne Börsennotierung hin: Rewe hat sich die Sky-Supermärkte im Norden einverleibt, Edeka einen Großteil von Kaiser’s Tengelmann gefressen, und wenn Kaufland in Kürze geschätzte 100 Filialen von Real erbt (siehe Supermarktblog), würde das noch mal einen gewaltigen Expansionsschub für die Schwarz-Tochter bedeuten, die bislang bundesweit um die 660 Märkte zählt.

Das macht das Gejammer über die fiesen Markenheinis in ihren Konzernzentralen immer ein bisschen – na, wie sagt man? Ach ja: unglaubwürdig.


Discounter, Kochbox, Herd – zack, fertig!

„Ein frisch gekochtes Essen schmeckt zwar lecker, ist aber oft zeitaufwändig“, heißt es im Volksmund, nee: im aktuellen Wochenprospekt von Aldi Süd. Wo man es seinen Kund:innen nun einfacher machen möchte, „schnell für eine ausgewogene Mahlzeit einzukaufen und diese zuzubereiten“.

Ziemlich genau ein Jahr nachdem Wettbewerber Lidl ähnliche Versuche aufgegeben hatte, stellt Aldi Süd deshalb Kochboxen ins Aktionsregal. Die angebotenen Gerichte sind absolute Genre-Klassiker: Grünes Thai-Curry, italienische Lasagne, Tomaten-Paprika-Suppe. Curry-Paste, Kokosmilch, Lasagneplatten, Gemüse etc. sind in den Packungen drin, die Rezepte stehen drauf. Worauf warten Sie noch?


Foto [M]: Aldi Süd/Smb

Beim Preis liegen die Aldi-Süd-Boxen mit 3,33 Euro ein ganzes Stück unter den Lidl-Varianten (die freilich rezeptraffinierter waren).

Im vergangenen Jahr hatte bereits der österreichische Aldi-Ableger Hofger Kochboxen für 3,99 Euro angeboten. Auf Anfrage hieß es bei Hofer damals, es handele sich „um einen einmaligen Aktionsartikel“. Wenn der nun bei Aldi Süd gut ankommt, dürfte eine Fortsetzung aber wohl kaum ausgeschlossen sein. Die Schwester Aldi Nord hatte zuvor eher mäßigen Erfolg mit ihrem „Rezept der Woche“: Die in Gittertischen mit den dafür benötigten Zutaten wurden schnell wieder abgeschafft.

Wie sehr der Handel immer noch damit beschäftigt ist, die passende Strategie zu finden, um Kund:innen Komplettangebote für Mittag- und Abendessen zu machen, steht in diesem Supermarktblog-Text.


Targets Lieferdienst gängelt Mitarbeiter:innen

Um Walmart und Amazon mit ihren Lebensmittel-Lieferambitionen nicht an sich vorbeiziehen zu lassen, hat Wettbewerber Target 2017 das Liefer-Start-up Shipt übernommen (siehe Supermartkblog). Im vergangenen Jahr wurden dessen Services in Website und App von Target integriert, damit Kund:innen sich ihre Online-Bestellungen noch leichter am selben Tag nachhause bringen lassen können.

Gerade hat Shipt einen neuen Gesamtauftritt verpasst bekommen, der sehr viel mainstreamiger wirkt als bisher. Das coole Ufo im Logo musste einer Einkaufstasche in S-Form weichen. Und der animierte Schriftzug grüßt zunächst mit einem hopsigen „hi“, das sich dann zu „Shipt“ ausfaltet.

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Hinter den Kulissen geht’s nicht ganz so happy zu, wie die freundlichen Lieferdamen auf den PR-Fotos suggerieren: Motherboard von Vice.com hat recherchiert, dass Shipt-Kurierfahrer:innen weniger verdienen, seitdem ein neues Entlohnungsmodell in Kraft gesetzt wurde, und dass es Druck gibt, Kund:innen Zusatzdienste anzubieten, für die sie nicht extra bezahlt werden (Gassi gehen, Müll rausbringen etc.). Das muss dieses „commitment to fast and personalized service“ sein, das Shipt-CEO Kelly Caruso meint bzw. wie es das Unternehmen auf Twitter nennt: #OverdeliveringDelivery.


… und sonst:

Die Bahn kooperiert mit den Lebensmittelretter:innen von Sirplus und will in Snackautomaten, Pardon: „Rettomaten“ (auf dem Foto unten rechts) Produkte mit abgelaufenem MHD verkaufen, die noch genieß- bzw. vewertbar sind: derzeit z.B. Edelschokolade für 4,60 Euro und vegane Handcreme für 4 Euro. Was man halt so braucht auf zugigen S-Bahngleisen an Umsteigebahnhöfen.

Rewe und Spar holen in Österreich Milch in der Mehrweg-Glasflasche zurück in ihre Läden („Kleine Zeitung“). Rewe-Chef Souque verspricht (in der „Wiwo“) derweil: „Kurz vor Ostern werden wir in Köln damit starten, in allen Märkten Bio-Obst und Bio-Gemüse ohne Verpackung zu verkaufen.“

Lidl hat ein neues Hobby: Kühlregalexperimente. Nach der Blockplatzierung von Bio-Produkten gibt’s neuerdings Käsespezialitäten im Flechtkörbchen. Eingerahmt von zwei Bannern mit dem Aufdruck „Vielfalt aus der Käsewelt“ (Foto) werden neuerdings in drei Regalstufen übereinander u.a. Grüner Pestokäse, Bio-Ringelblumen-Käse, Reblochon, St. Galler Rahmkäse und „Scharfer Paul“ angeboten. Netto (ohne Hund) kennzeichnet Käse-Spezialitäten schon seit längerem separat in der Kühlung.

Whole Foods benennt seine Eigenmarke „365 Everyday Value“ (Foto) in den USA in „365 Whole Foods Market“ um und spendiert ein neues Logo und deutlich modernere Packungsdesigns (IGD Retail). Hierzulande heißt die Eigenmarke der Kette einfach „Whole Foods Market“.

Und Carrefour nutzt künstliche Intelligenz, um Ersatzartikel für Online-Besteller:innen zu kommissionieren, die zu deren Kaufverhalten passen (LSA).

Danke an Klaus und Hans Jürgen!

Fotos: Supermarktblog"

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5 Kommentare
  • Der Reblochon von Lidl schmeckt zwar ordentlich, wird aber in Deutschland hergestellt, was mich reichlich irritiert hat; ich dachte, die Sorte wäre regional geschützt…

    • Vermutlich wird er in DE verpackt, was dann erfordert, dass das EWG-Kennzeichen des Verpackungsbetriebs verwendet werden muss.

      Die Körbchen gibt es hier (südlicher Landkreis Heilbronn) übrigens nicht erst „neuerdings“, sondern schon seit mindestens einem halben Jahr.

    • Auch ich denke, das ,iegt am Verpackungsbetrieb. So ist es ja auch bei Kerrygold. Das ist irische Butter aus Irland die in großen Blöcken nach Deutschland gebracht und hier dann verpackt wird. Und schon muss ein deutscher Stempel drauf.

  • Mir fiel zwar nie auf, dass Unilever-Marken fehlten, da ich sie nicht kaufe. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass es jemals so eine massive Kampagne für die Wiedereinführung einer ausgelisteten Marke gegeben hätte. Also hat die Aktion Kaufland massiv Kunden gekostet oder Unilever hat noch Geld o.Ä. dazugegeben, damit man auf Seite 1 im Prospekt steht und auf mehreren Plakaten und Pappaufstellern im Markt damit geworben wird.

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