Sichtbar bei denen, die den Handel bewegen.
Als Partner-Unternehmen unabhängige Berichterstattung unterstützen und LEH-Entscheider:innen erreichen.
Die aktuelle Flink-Plakatkampagne ist hochgradig seriös, super langweilig – und vielleicht die letzte Gelegenheit, den Fahrradlenker für das LIefer-Start-up nochmal rumzureißen. Auf den Motiven steht: „Volle Woche? Volle Taschen.“ Oder: „Alles was dein Herd begehrt.“ Oder: „Einkäufe an die Tür? Schmeckt.“ Oder: „Schnell bestellt. Schneller geliefert.“ Dazu sind ein Flink-Fahrer vor einer Wohnungstür und glückliche Kund:innen in der Küche abgebildet. Überall stehen prall mit frischen Lebensmitteln gefüllte Papiertüten daneben. Dazu das Versprechen: „Dein Wocheneinkauf sofort geliefert.“


All das zielt – wieder – auf maximale Breite: möglichst viele Kund:innen, möglichst umfassende Warenkörbe, möglichst viel Umsatz. (Wobei „sofort geliefert“ je nach Standort und Tageszeit variabel definiert ist.)
Parallel dazu ist Flink mit seinem Angebot auch wieder in der App von Wolt verfügbar. Am Mittwochvormittag tauchten nach Supermarktblog-Beobachtungen erste Stores in Berlin-Mitte und Tempelhof-Schöneberg in der Kategorien-Übersicht auf. Die Lieferkosten betragen 2,49 Euro, ab 27 Euro Warenwert entfallen sie für Mitglieder von Wolt+ komplett. Die Zustellung erfolgt regulär durch Flink („Lieferung durch Geschäft“).
Es liegt nahe, dass Uber Eats folgen wird – und Flink erneut auf allen großen Lieferplattformen präsent sein will, um deren regelmäßige Nutzer:innen für den Einkauf frischer Lebensmittel gewinnen zu können.
Kein Deal trotz Exklusivität
Das war schon einmal der Fall. Bereits Ende 2022 hatte sich der einzige Überlebende des Quick-Commerce-Hypes hierzulande mit Wolt verbündet (siehe Supermarktblog); eine Partnerschaft mit Uber Eats folgte vor genau zwei Jahren, im Februar 2024 (siehe Supermarktblog). Wenige Monate später waren beide Kooperationen schon wieder vorbei – und Flink erklärte, künftig auf eine „preferred partnership“ mit Lieferando setzen zu wollen (siehe Supermarktblog).
Diese Plattform-Exklusivität schien Teil einer engeren strategischen Annäherung an Just Eat Takeaway (JET) zu sein: Die Muttergesellschaft von Lieferando hatte kurz zuvor einen Vertreter als (nicht stimmberechtigten) Observer in den Flink-Aufsichtsrat entsandt. All das wirkte wie eine Vorstufe zur Übernahme: JET erhielt detaillierten Einblick in Finanzen, Strategie und Operations von Flink, ohne sich zunächst festlegen zu müssen. Doch ein Deal kam nicht zustande (siehe Supermarktblog).
55% der Branchen-Leser:innen nutzen das Supermarktblog für Projektinspiration.
Deine Botschaft erreicht Entscheider:innen, die aktiv nach Lösungen suchen.
Mögliche Gründe könnten kartellrechtliche Bedenken gewesen sein, nachdem die Übernahme von Just Eat Takeaway durch den südafrikanischen Investor Prosus im Sommer 2025 nur unter strengen EU-Auflagen genehmigt worden war. Vielleicht lagen auch die Preisvorstellungen zu weit auseinander. Oder JET/Prosus könnten schlicht entschieden haben, dass Flink den Aufwand einer Integration nicht wert ist.
Wie ein letztes Aufbäumen
Das Ergebnis ist aber dasselbe: Flink hängt in der Schwebe. Und fährt deshalb – notgedrungenerweise – einen strategischen Zickzack-Kurs. Künftig will man seine Fahrer:innen auch Restaurantbestellungen für Uber Eats ausliefern lassen (siehe Supermarktblog vom Januar) und macht die eigene Flotte so zum Logistik-Subunternehmer.
Nun folgt scheinbar die anbieterübergreifende Plattform-Rückkehr als Händler. (Unklar ist bislang, ob Flink auch mit seinen Submarken – siehe Supermarktblog – bei Wolt & Co. vertreten sein wird.) Die Exklusivität mit Lieferando scheint zumindest nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt zu haben.
Was im LEH wirklich passiert – fundiert eingeordnet.
Der kostenlose Supermarktblog-Newsletter, regelmäßig in deinem Postfach.

Damit wirkt die jetzige Strategie wie ein letztes Aufbäumen: maximale Sichtbarkeit auf allen Plattformen, zusätzliche Einnahmen durch Vermietung der eigenen Logistik-Kapazitäten an Dritte und eine Kampagne, mit der nicht gerade die eigene Differenzierung unterstreicht: schnell Lebensmittel für sofort liefern können inzwischen auch die meisten anderen Anbieter.
Wer wird hier der Boss?
Flink hatte zuletzt auf Supermarktblog-Anfrage bestätigt, „auf EBITDA-Basis auf Konzernebene profitabel“ zu sein – allerdings ist EBITDA (operative Profitabilität vor Zinsen und Abschreibungen) eine geschönte Kennzahl. Im Dezember 2025 sollten die Aktionäre zudem ein Wandeldarlehen über bis zu 87,5 Millionen Euro beschließen – ein klassisches Übergangsinstrument, um Zeit zu kaufen.
Die entscheidende Frage bleibt: Wer wird hier (noch) der Boss? Rewe, das die Übernahme bereits öffentlich ausgeschlossen hat, säße auf einem Totalverlust, falls Flink scheitert. Oder wartet man in Köln so lange ab, bis Flink günstig zu haben ist? Weiter Zeit zu kaufen, bis ein strategischer Investor zuschlägt, wird für Flink auf jeden Fall zunehmend teuer.
In der Berliner Flink-Zentrale muss man weiter darauf hoffen, dass sich zeitnah eine Lösung findet. Sonst wäre Flink vermutlich genau das, was man seinen Kund:innen derzeit per Kampagne verspricht: sofort geliefert.
Flink hat auf eine Supermarktblog-Anfrage zum Thema nicht reagiert.
Wolt bestätigt nach Veröffentlichung dieses Texts:
„Lebensmittel und Einzelhandel sind für Wolt neben der Gastronomie weiterhin zentrale Wachstumsbereiche, die wir aufgrund der hohen Nachfrage unserer Kund:innen kontinuierlich ausbauen. Dabei setzen wir auf ein starkes Netzwerk aus Partnern, um unseren Nutzer:innen ein möglichst breites und verlässliches Angebot zu bieten. Vor diesem Hintergrund arbeiten Wolt und Flink ab Mitte Februar wieder zusammen. Wir freuen uns, mit Flink einen starken Partner erneut auf unserer Plattform begrüßen zu können und gemeinsam das Lebensmittelangebot in mehr als 40 Städten weiter auszubauen.“
- Flink lässt seine Rider auch Restaurantessen von Uber Eats liefern
- Just Eat Takeaway bei Flink: Wer wird hier der Boss?
- Flink als „Rewe express“, „Brot Manufaktur“ und „Kiosk“: Virtuelle Marken erobern den Liefermarkt
- Next Day und größere Liefergebiete: So entwickelt sich Flink zum vollwertigen Lieferservice
Was im LEH wirklich passiert – fundiert eingeordnet.
Der kostenlose Supermarktblog-Newsletter, regelmäßig in deinem Postfach.





