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Dass es beim mobilen Getränkefachhändler ihres Vertrauens bereits seit längerer Zeit auch Lebensmittel dazuzubestellen gibt, dürfte sich zumindest bei Stammkund:innen des Oetker-Lieferdiensts Flaschenpost inzwischen herumgesprochen haben. (Bei vielen anderen vielleicht noch nicht.)
Aber auch, dass es dort „Lebensmittel und Alltagsprodukte zu Discounterpreisen“ gibt?
Genau so lobt es der Münsteraner Händler auf seiner Website unter dem Startseiten-Link „Günstige Basics“ aus. Wer ihm folgt, landet auf einer Übersichtsseite, die „Mehr sparen, ohne auf Qualität zu verzichten“ verspricht. Und bei der prominent das Logo eines anderen Lebensmittelhändlers ins Blickfeld rückt: das von Kaufland.
Die Auswahl wächst fast täglich
Seit kurzem versorgt der selbst lieferdienstlose Großflächendiscounter den neuen Partner mit seinen Eigenmarken: K-Classic, K-Bio, K-Favourites, K-Gold Edition, K-Plant Based/Take it Veggie, K-Free, K-Asia, K-To Go, K-Carinura (Haustierbedarf), dazu solche der Drogerie-Eigenmarke Bevola. Die ersten Artikel wurden Mitte Oktober ins Flaschenpost-Sortiment aufgenommen. Die Eigenmarken der Schwarz-Tochter sind damit erstmals in großem Stil in Deutschland über einen anderen Händler zu kaufen.
Und zwar in deutlich größerem Umfang als es die Suche im Shop derzeit vermuten lässt. Wer dort etwa nach „K-Classic“ sucht, sieht in der Ergebnisliste nur einen Ausschnitt: Die Suchfunktion scheint grundsätzlich nicht mehr als 100 Treffer anzuzeigen.

Nach einer Supermarktblog-Auswertung führt das Flaschenpost-Lager am Münsteraner Heimatstandort derzeit allerdings schon rund 630 Kaufland-Eigenmarkenartikel, Frischware inklusive. Laut Shopdaten wurden die ersten Artikel dort am 8. Oktober freigeschaltet, die übrigen Lager folgten ab dem 14. und 15. Oktober. Seitdem wächst die Auswahl fast täglich.
Alles von Kaufland – außer Getränke
In Berlin ging es mit 62 Artikeln los, inzwischen sind es knapp 490 (Stand: 26. Oktober). Ähnlich sieht es bundesweit aus: Kaufland-Ware ist inzwischen in allen 31 Lagern gelistet, die der Shop nach meiner Zählung ausweist, meist zwischen gut 400 und gut 500 Artikeln.
Den Großteil macht das Trockensortiment aus: Nudeln, Konserven, Müsli, Backzutaten, Kaffee, Knabberzeug. Dazu kommen Tiefkühlpizza, Eis und TK-Gemüse, H-Milch sowie Putz- und Haushaltsartikel. Interessant: Kaufland-Getränke gibt es – bis auf ein paar gekühlte Smoothies und einen Direktsaft – keine.
In Münster gab es zuletzt auch schon Wurst, Käse, Joghurt und Fertigsalate von Kaufland. Seit diesem Montag ist das auch in allen anderen Lagern der Fall. Weiterhin exklusiv in Münster: Frischfleisch sowie Obst und Gemüse. Dass die übrigen Standorte auch hier nachziehen, ist naheliegend.
Orientierung am Kaufland-Regalpreis
Da Kaufland über keinen eigenen Online-Shop für Lebensmittel verfügt, ist ein direkter Preisabgleich nicht ohne Weiteres möglich. Einen guten Anhaltspunkt liefert aber der Kaufland-Prospekt „Dauerhaft im Preis gesenkt“, in dem zahlreiche Eigenmarken-Artikel mit neuem und bisherigem Preis aufgeführt sind. Einige davon finden sich auch im Flaschenpost-Sortiment.
Bei manchen Artikeln sind die Preise identisch (z.B. Nespresso-kompatible Kaffeekapseln, Waffelmischung, Cashew-Erdnuss-Mix).
Bei weiteren spiegelt Flaschenpost den Preis, den Kaufland bis zur Senkung verlangt hatte (z.B. Tortilla Chips, Haselnusskerne, Schoko-Waffelröllchen, Tortelloni mit Fleischfüllung). Möglicherweise arbeitet man in Münster mit der bisherigen Preisliste und es kommt dort noch zu Anpassungen.
Bei einigen Artikeln liegt Flaschenpost aber auch über dem bisherigen Kaufland-Preis. (Für gehackte und geröstete Haselnusskerne im 200-g-Beutel verlangt Kaufland 2,99 €, Flaschenpost satte 5,79 €.) Ob das einzelne Ausreißer oder Versehen sind, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Ein Muster zeichnet sich dennoch ab: Flaschenpost scheint sich bei der Preissetzung an den Kaufland-Regalpreisen orientieren zu wollen. (Obwohl bei allen Artikeln im Shop der Hinweis „Preis abhängig vom Standort“ steht, kosten die Kaufland-Artikel in allen Lagern derzeit exakt dasselbe.)
Aus Sicht von Flaschenpost könnte das vor allem dabei helfen, in der Preiswahrnehmung der Kund:innen einen gewaltigen Satz nach vorne zu machen – vorausgesetzt, die Preise halten, was die „Günstige Basics“-Seite verspricht.
Effizienz statt Tempo
Seit der Übernahme des Start-ups vor fast exakt sechs Jahren hatte sich die Oetker-Gruppe tendenziell darauf konzentriert, den Dienst mit möglichst geringen Verlusten weiter zu betreiben. Parallel dazu mühte man sich, den Kund:innen beizubringen, dass sie nicht nur Getränke, sondern den kompletten Wocheneinkauf inklusive frischer Lebensmittel über Flaschenpost bestellen können.
Im Mai 2025 hatte Flaschenpost die „größte Expansion der Firmengeschichte“ verkündet: 500 zusätzliche Postleitzahlengebiete sollten beliefert werden – aber „vollständig aus den bestehenden Lagern heraus“, mit einer Lieferung in zweistündigen Zeitfenstern „am gleichen oder an den beiden Folgetagen“, zur „effizienten Bündelung der Bestellungen“.
In den Stammgebieten verspricht man zwar wie einst weiter „Lebensmittel & Getränke in 120 Minuten“ – aber inzwischen gehört es zumindest bei meinen Testbestellungen zur Regel, dass die Auswahl der 120- bzw. 180-Minuten-Option beim Abschluss des Einkaufs ausgegraut ist und Kund:innen mit Zeitfenster-Optionen vertröstet werden. Mit Tempo, das einst Alleinstellungsmerkmal war, kann Flaschenpost also nicht mehr überall punkten. Bleibt die Frage, womit man Kund:innen halten will, die sich längst an Picnic, Knuspr oder Rewe gewöhnt haben.
Umsatzzahlen verrät die Mutter nicht. In der Mitteilung zum Oetker-Geschäftsjahr 2025 war dem vermeintlichen Milliarden-Zukauf zuletzt noch genau ein Satz gewidmet:
„Der Lieferdienst flaschenpost erhöhte seinen Umsatz erneut.“
Der Liefermarkt entwickelt sich stark
Für Kaufland ist der Deal vermutlich weniger wegen der überschaubaren Zusatzumsätze interessant. Bislang hat die Schwarz-Gruppe den Lebensmittel-Onlinehandel in Deutschland nach ihrer Kurzschlussentscheidung von 2017 (siehe Supermarktblog) weitgehend zu ignorieren versucht.
Inzwischen ist die Situation im Markt aber eine andere: Edeka expandiert mit Picnic stark in immer neue Regionen (siehe Supermarktblog), und Rewe lotet zusätzlich zum eigenen Lieferdienst systematisch die Chancen im Quick Commerce aus (siehe Supermarktblog).
In Neckarsulm könnte man sich deshalb inzwischen unter einem gewissen Zugzwang sehen. Über Flaschenpost ließe sich erstmal testen, wie sich die Eigenmarken online verkaufen – um in Zukunft weitere Optionen im Liefermarkt zu prüfen. (Zumal das stationäre Stammgeschäft weiter unter Druck steht und jüngst einen weiteren Deutschland-Chef verschlissen hat.)
Was wird aus „Jeden Tag“?
Die Frage ist, wie weit die Kooperation zwischen Kaufland und Flaschenpost tatsächlich reicht. Die „Lebensmittel Zeitung“ hatte im Sommer geschrieben, aus Neckarsulm sollen „Marken- und Eigenmarken-Produkte sowie Frischeartikel zum Sortiment“ beigesteuert werden. Ob Kaufland auch Markenartikel an Flaschenpost liefert, lässt sich im Shop nicht erkennen.
Der bisherige Lieferant, die Bünting-Gruppe, scheint aber weiter aktiv zu sein. Zumindest schaltete Flaschenpost zuletzt immer noch Artikel der Markant-Preiseinstiegsmarke „Jeden Tag“ frei, die bislang über den Großhändler ins Sortiment kommt.
Möglich wäre aber, dass diese Kooperation ausläuft: Im Berliner Sortiment kommt „Jeden Tag“ derzeit auf 38 Artikel (Stand: 26. Oktober) – Kaufland nach nicht einmal zwei Wochen schon auf fast 500.
Wer braucht „jØL“ & Co.?
Und: Selbst wenn Jeden Tag perspektivisch verschwände, hätte Flaschenpost außer K-Classic & Co. noch weitere Eigenmarken-Alternativen für den Grundbedarf parat: die selbst entwickelten, über die hier im Blog bereits vor drei Jahren berichtet wurde.
In Berlin führt Flaschenpost derzeit eine zweistellige Zahl an Artikeln von „Feinhuber“ (Wurst und Fleisch), „jØL“ (Molkereiprodukte, Eier, Pflanzendrinks), „Knabadu“ (Nüsse und Trockenobst), „Cookina“ (Konserven und Nudeln), „Frostico“ (Tiefkühlgemüse und -obst), „Lumio“ (Papier- und Haushaltswaren) und „Gudesso“ (Kaffee). Einige davon wurden laut Shopdaten erst im Oktober freigeschaltet. Weitere Marken sind bereits beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen, ohne bislang im Shop aufzutauchen.
Aus Sicht der Kund:innen sind die eigentlich kaum noch nötig, wenn K-Classic im selben Shop teils deutlich günstiger zu haben ist. Die Cookina-Fusilli kosten aktuell 1,29 €, die K-Classic-Nudeln nur 0,69 €. Das Cookina-Pesto alla Genovese kostet 1,69 €, das K-Classic-Pesto Rosso 0,99 €. Und dann wären da noch Taschentücherboxen: von K-Classic zu 0,99 € (vermutlich bald auf 0,85 € sinkend, wie bei der übrigen Konkurrenz) – oder von Lumio zu 1,79 € (bei gleicher Stückzahl).
Es gibt aber auch Gegenbeispiele: Die gerösteten und gesalzenen Erdnüsse von Knabadu kosten mit 0,99 € für 200 g so viel wie bei Kaufland, das Tiefkühlgemüse von Frostico liegt pro Kilo sogar leicht unter dem von K-Classic.
Stufenmodell oder Ablösung?
Mit den Mengen, die Kaufland für Hunderte Märkte einkauft, kann Flaschenpost bei den eigenen Marken kaum mithalten. Insofern wäre es folgerichtig, den Preiseinstieg dem neuen Partner zu überlassen und die eigenen Marken eine Stufe darüber anzusiedeln – eher Stufenmodell als Komplett-Ablösung.
Und zugleich eine Absicherung, um nicht völlig von einem Wettbewerber abhängig zu sein, falls der es sich doch irgendwann ganz abrupt anders überlegt. Und doch wieder abspringt.
Flaschenpost wollte sich am Montag auf Supermarktblog-Anfrage nicht zur Kooperation mit Kaufland äußern.
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