Alnatura und die Frage: Wie billig darf Bio sein?

Haben Sie schon den ersten Teil des Alnatura-Porträts gelesen? Falls nicht: bitte hier entlang.

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Götz Rehns Bioladenkette Alnatura gehört zu den Gewinnern des Bio-Booms im deutschen Lebensmittelhandel. Allein in diesem Jahr sollen bis zu zwölf neue Filialen eröffnen. Viele unabhängige Betreiber von Biomärkten, die keine eigene Logistik und keine günstigen Eigenmarken im Sortiment haben, sind alles andere als erfreut von der wachsenden Kettenkonkurrenz. Vor allem wenn die in ihrer Nachbarschaft aufmacht, weil sie ja dieselbe Zielgruppe hat.

Aus Sicht der Kunden scheint Alnatura aber alles richtig zu machen. Umfragen bescheinigen Rehns Handelskette regelmäßig ein gutes Image. Daran wird die professionelle Eigeninszenierung nicht ganz unschuldig sein. Dass Alnatura in mancher Hinsicht den selbst formulierten Ansprüchen hinterherhinkt, scheint für viele Kunden verschmerzbar.

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Bei der Produktion von Eigenmarken ist das hessische Unternehmen mit der Transparenz bisher arg zurückhaltend: Hersteller sind auf den Verpackungen nicht angegeben. Selbst Discounter wie Lidl und Penny sind da auskunftsfreudiger. Rehn klingt ausweichend, wenn er sich dazu äußert:

“Alnatura arbeitet mit eher kleinen Firmen zusammen und hatte mit diesen Herstellern gemeinsam noch nicht das Selbstbewusstsein, das offener zu kommunizieren.”

(Vielleicht auch bloß nicht die Lust, sich die Lieferanten von der Konkurrenz abwerben zu lassen.) Er verspricht aber:

“Wir arbeiten daran, mehr Transparenz zu schaffen. Derzeit kümmern wir uns um neue Packungsentwürfe. Da kann es gut sein, dass sich schon etwas tut.”

Als vor drei Jahren öffentlich diskutiert wurde, dass Alnatura-Mitarbeiter nicht tarifgebunden bezahlt würden, war das in den Zeitungen natürlich ein Skandal. Rehn beugte sich dem Druck (siehe Interview in der “Süddeutschen”).

Und dann ist da, wie gesagt, Payback: Das von Kritikern als Datensammelkrake verachtete Bonusprogramm, das den teilnehmenden Händlern den direkten Zugang zu Kunden und deren Einkaufsverhalten ermöglicht. Wer sich angemeldet hat, zeigt an der Kasse seine Karte vor und kriegt Bonuspunkte gutgeschrieben, die er später für Gutscheine oder Prämien einlösen kann. Man braucht schon viel Fantasie, um zu verstehen, wie das zu einem Unternehmen mit einer Philosophie wie Alnatura passen soll. Payback ist reine Ökonomie: Du kriegst meine Daten, ich ein paar Cent Rabatt.

Viele Kunden hätten gefragt, ob sie nicht endlich auch bei Alnatura Punkte sammeln könnten, erwidert Rehn. “Wir haben uns deshalb intensiv damit auseinandergesetzt. Payback ist ein Werkzeug, jetzt kommt es nur darauf an, wie wir das System einsetzen.” Vorstellbar sei zum Beispiel, dass die Kunden ihr Guthaben sozialen oder ökologischen Projekten spenden könnten. “Ich finde, das ist ein schöner Bewusstseinsprozess: Den Menschen die Wahl zu lassen.”

(Ganz so unbedenklich wie Rehn es darstellt, war die Payback-Einführung wohl nicht: An den Alnatura-Kassen liegen Faltblätter aus, mit denen der misstrauischen Kundschaft die Unbedenklichkeit der Datensammlung durch Payback erklärt werden soll.)

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Und wenn wir mal ehrlich sind, ist es am Ende auch im Bioladen nicht nur das gute Gefühl oder die Weltverbesserungshoffnung, die über den Erfolg entscheiden, sondern – der Preis. Weil die Zahl der Kunden, die überhaupt nicht aufs Geld achten müssen, beschränkt ist. Rehn dreht den Spieß erstmal um:

“Die Mission von Alnatura ist es, beste Qualität in ästhetischer Anmutung zum günstigsten Preis zu bieten. Sie müssen sich natürlich für eine Reihenfolge entscheiden. Unsere Entscheidung lautet: Erst die Qualität, dann der Preis.”

Das klingt zwar gut, vernachlässigt aber die Tatsache, dass Alnatura sehr wohl die Preise seiner Produkte als Lockmittel einsetzt, um Kunden zu gewinnen. Im vergangenen Jahr senkte die Kette von einem Tag auf den anderen die Preise von 150 Produkten, und zwar als “Signal zur Förderung des ökologischen Landbaus”, “indem die Kunden mehr Bio für ihr Geld bekommen”. (Wieso das Billig-Bio aus dem Supermarkt sich dann nicht auch als “Signal” eignet, ist noch nicht geklärt.)

Wettbewerber jedenfalls sind wenig begeistert von der Alnatura-Taktik. Stephan Paulke, Geschäftsführer der Bioladenkette Basic, sagte der “Lebensmittelzeitung” gerade, Alnatura setze “in der Kommunikation immer stärker auf den Preise” und entwickele sich “in eine sehr diskontierende Richtung”. (Das ist natürlich ein lustiger Vorwurf für den Chef eines Bio-Händlers, der – unter anderer Leitung – mal kurz vor der Pleite stand, weil er sich die Discount-Gruppe Schwarz [Lidl, Kaufland] als Geldgeber ins Boot holte.)

Es ist offensichtlich ein großes Problem, das richtige Preisniveau für Bio-Lebensmittel zu finden. Wenn die Preise zu niedrig sind, werden die Erzeuger in dieselben Zwänge gedrängt wie in der koventionellen Landwirtschaft. (Oder verfallen in den Reflex, der zum Bio-Eier-Skandal vor zwei Monaten geführt hat.) Sind sie zu hoch, wird sich Bio kaum bei der Mehrheit der Verbraucher als Normalfall durchsetzen lassen.

“Nach all den Skandalen, von denen wir immer wieder in den Medien hören, wollen die Kunden doch irgendwann einmal darauf vertrauen, dass das, was sie im Laden offeriert bekommen, das Bestmögliche ist und der Händler die Qualitätsfrage ernst nimmt”, sagt Rehn.

Dass hat natürlich auch der Wettbewerb erkannt – und etabliert deshalb, außer eigenen Bio-Sortimenten, gerade eine Art “Bio light”: Rewe wirbt mit dem Nachhaltigkeits-Label (“Pro Planet”), Edeka verkauft zertifzierten “Fisch mit gutem Gewissen” und Kaufland Fleisch mit “Tierwohl-Siegel”. Die Vertrauenskonkurrenz nimmt zu. Gar nicht so einfach, den Leuten zu erklären, wozu es dann noch ein spezielles Bio braucht. Vor allem, wenn das in großen Mengen aus dem Ausland importiert werden muss.

Im nächsten Jahr wird Alnatura 30 Jahre alt. Bis dahin werden wieder ein paar neue Filialen dazu gekommen sein. “Wir alle sichern uns durch unsere Arbeit wechselseitig die Existenz, vom Bauern über den Händler bis zum Verbraucher”, sagt der Firmengründer.

“Wirtschaft ist ein soziales Netzwerk, das arbeitsteilig aufgebaut ist. Dessen müssen wir uns bewusst sein.”

Wenn es nur so einfach wäre.

Fotos: Supermarktblog

Alnatura und die Wucht der höflichen Expansion

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“Haben Sie unsere Pralinen probiert? Hier, die sind aus Brüssel”, sagt Götz Rehn mitten im Gespräch. “Oder die Dinkel-Doppelkekse? Vergleichen Sie die mal mit denen, die Sie im normalen Supermarkt kaufen können. Das ist eine ganz andere Rezeptur!”

Naschtechnisch hat sich der Ausflug an die hessische Bergstraße also schon einmal gelohnt. Oben im zweiten Stock der aus allen Nähten platzenden Bickenbacher Alnatura-Firmenzentrale sitzt Firmengründer Rehn im Konferenzraum, aber nicht nur zur Keksverteilung. Sondern um zu erklären, warum es ihn als Geschäftsführer von Deutschlands am schnellsten wachsender Bioladenkette gar nicht so sehr stört, dass es Bio inzwischen ganz selbstverständlich auch bei Aldi zu kaufen gibt. Rehn meint:

“Es geht immer auch um die Frage der Rezeptur, der Komposition eines Produktes! Und nicht nur darum, ob das EU-Biosiegel draufgedruckt werden darf, weil die Rohstoffe Bio sind.”

Es ist eine sehr – sagen wir: diplomatische Art, auf die Frage zu antworten, ob ihm die Bio-Konkurrenz der großen Handelsketten nicht zu schaffen macht.

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Die weniger diplomatische ist: “Wir wollen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass es Bio nicht zum gleichen Preis wie die Produkte der Agrarindustrie gibt.” Und dabei störe das Niedrigpreis-Bio dann doch. Supermärkte und Discounter nutzten die Produkte bloß als Profilierung ihres Gesamtsortiments, ist der 63-Jährige überzeugt. Bei Alnatura sei Bio eine generelle Haltung. In einer Branche, die sonst um jeden Cent Marge feilscht, wirkt die erst einmal kurios: “Sinnvolles für Mensch und Erde” soll die Handelskette leisten.

In Zeitungsinterviews sagt Rehn, sein Ziel sei es, “den Menschen in seiner Entwicklung zu fördern”, der Wert seines Unternehmens werde “durch die Wertschätzung der Kunden” bestimmt, Ziel sei nicht “Gewinn-Maximierung”, sondern “Sinn-Maximerung”.

In den Alnatura-Läden gibt es ausschließlich biologisch erzeugte Lebensmittel, ohne Ausnahme. Milch wird mit einem Preisaufschlag verkauft, der direkt den Bauern zugute kommt. Gentechnik ist tabu. In einem “Arbeitskreis Qualität” prüfen sieben (vom Unternehmen nicht näher benannte) Fachleute Produktideen und Rezepte und entscheiden, ob sie in Produktion gehen. Die Belieferung durch regionale Erzeuger war für Alnatura schon ein Thema, als die Marketingabteilungen der klassischen Supermärkte daran keinen Gedanken verschwendeten. Und die Märkte werden nach ökologischen Baukonzepten eingerichtet, mit Photovoltaik- und Geothermie-Anlagen.

“Wir orientieren uns nicht primär an der Ökonomie, sondern stellen den Kunden in den Mittelpunkt. Damit besitzt Alnatura eine andere Qualitätsphilosophie als viele Unternehmen, die im Markt agieren”, sagt Rehn, der aus einer Freiburger Arztfamilie stammt und als Manager bei Nestlé “Yes-Torty” auf den Markt brachte, bevor er sich mit Alternativen zur etablierten Lebensmittelindustrie beschäftigte.

Heute lässt Rehn über 1000 Produkte unter dem Namen Alnatura herstellen. Viele werden bei Partnern wie der Drogeriemarktkette dm, Tegut, Budnikowsky, Hit und Globus verkauft – eine Tradition aus dem Gründungsjahr 1984:

“Ich wollte mit eigenen Filialen anfangen, musste aber feststellen, dass das, was es damals an Bioprodukten zur Auswahl gab, nicht meinem Anspruch genügte. Deshalb stand ich vor der Entscheidung: aufhören – oder einen ganz neuen Weg finden.”

Er entschied sich für die Alternative, ließ selbst produzieren. Und verkaufte die Produkte bei dm und Tegut, deren Gründer Rehns anthroposophischer Weltanschauung mit ihren Handelsunternehmen eng verbunden waren. Erst 1987 eröffnete der erste eigene Alnatura-Laden in Mannheim. Heute stammen immer noch rund 50 Prozent des Umsatzes aus dem Verkauf in den “Depots”.

Eine konkrete Renditevorgabe diktiert der Gründer seinem Unternehmen nicht. Zumindest keine, die bisher öffentlich kommuniziert wurde. Gewinn ist für ihn “Saatgut”. Er sagt:

“Alnatura soll natürlich ein Ergebnis erwirtschaften, das uns Investitionen in der Zukunft ermöglicht.”

“In der Zukunft” bedeutet: jetzt.

Allein in den vergangenen vier Jahren wurden 30 neue Alnatura-Läden eröffnet, im laufenden Jahr sollen noch einmal zehn bis zwölf hinzu kommen: in Stuttgart, Hamburg, Berlin, Hannover, München, Aachen, Ravensburg. Ende des Jahres könnte die Zahl der Filialen auf 80 gewachsen sein. Die Läden sind sehr unterschiedlich: vom großen Filialneubau in städtischen Randbezirken bis zum kleinen kleinen City-Markt. Es sei doch “auch ökologisch, mit einem Laden genau dort hinzugehen, wo die Menschen wohnen und zu Fuß oder mit dem Fahrrad hinkommen können”, meint Rehn.

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Wie genau er die Orte für neue Märkte auswählt, verrät der Chef nicht. Wer sich das Neueröffnungsmuster ansieht, könnte auf die Idee kommen, dass eine hohe Kaufkraft im Einzugsbereich nicht ganz unwichtig sei. “Wir suchen Standorte, an denen Menschen leben, die Interesse an Alnatura haben. Das korreliert nicht nur mit dem Einkommen”, antwortet Rehn.

Es ist auch gar nicht so, dass man ihm das nicht glauben würde: dass er das Wachstum seines Unternehmens nutzen will, um tatsächlich eine “Mission” zu erfüllen, nämlich eine nachhaltigere Produktion von Lebensmitteln.

Aber am Ende läuft die Expansion auch für Alnatura nach marktwirtschaftlichen Regeln. Und einer der  Wachstumsbeschleuniger ist es, schneller zu sein als die Konkurrenz. Die heißt Dennree, sitzt im bayerischen Töpen, drängt mit ihrer Ladenkette Denn’s in dieselben Städte wie Alnatura und zielt auch auf die gleiche Kundschaft. Derzeit gibt es 90 Denn’s-Filialen in Deutschland, der Umsatz im Geschäftsjahr 2012 lag bei 535 Millionen (inkl. Großhandel). Alnatura kam auf 516 Millionen.

Die Rivalität ist unübersehbar. Sie passt nur nicht in Rehns von Freundlichkeiten gelenkte Wachstumsvergleiche. Alnatura entwickele Produkte “für Kunden” und nicht “gegen Wettbewerber” ist das einzige, was er im Gespräch zu dem Thema sagt.

Dabei ist schon seit Jahren klar, wie sehr sich Alnatura und Denn’s in die Quere kommen würden. Zwei Jahrzehnte ließ Alnatura seine Läden vom Großhändler Dennree beliefern, 2007 erfolgte schließlich die Trennung und der Aufbau einer eigenen Logistik in Kooperation mit regionalen Bio-Großhändlern. Dennree war zum Wettbewerber geworden. Wie verbissen die Unternehmen um Kundschaft kämpfen, zeigte sich im vergangenen Jahr, als beide zum gleichen Zeitpunkt dem Bonusprogramm Payback beitraten. In den Broschüren zum Bonusprogramm ignorieren sich die Ketten gegenseitig, der Abdruck des Wettbewerberlogos wird vermieden.

Das passt schon eher zu den Gepflogenheiten der Handelsbranche.

Alnatura muss jetzt beweisen, dass die sich selbst auferlegten Regeln auch dann einhalten lassen, wenn wegen der zahlreichen Neueröffnungen plötzlich der Lieferbedarf wächst. Irgendwoher müssen die Bio-Produkte ja kommen. Zwingt Alnatura die Hersteller seiner Eigenmarken mitzuwachsen? Nein, sagt Rehn:

“Das lässt sich vorausschauend organisieren. Nämlich indem wir über unsere Hersteller Landwirte finden, die für uns auf ihren Flächen zum Beispiel Getreide anbauen.”

Die Milch stammte anfangs von 40 Bauern, heute seien es 140. Bei Erzeugern wie dem Brandenburger Ökodorf Brodowin oder dem Frankfurter Luisenhof ginge inzwischen ein Großteil der Produktion an Alnatura. Rehn nennt das “einen sehr gesunden Prozess” – “wie ein Baum, der immer mehr Ringe kriegt, wenn er wächst”.

Manchmal müsse aber auch nach ganz neuen Lösungen gesucht werden. Der italienische Tomatensoßenproduzent könne nicht einfach so sein Werk vergrößern, weil Alnatura gerne ein zusätzliches Produkt hätte. Weil die Auslastung das ganze Jahr über stimmen muss, und nicht nur zur Erntesaison. Rehn sagt:

“Wir wissen, dass wir mit Herstellern langfristig zusammen planen müssen. Ab einer gewissen Menge suchen wir uns aber tatsächlich einen zweiten oder dritten Produzenten.”

Wo Alnatura den eigenen Ansprüchen hinterherhinkt und welche Rolle der Preis im Bioladen spielt, steht im nächsten Blogeintrag.

Fotos: Alnatura (1), Supermarktblog

Rewe holt Today-Artikel zurück zu Rewe

Today-Duschgels im Rewe-Supermarkt

Sechs Jahre ist es her, dass Rewe seine Drogerie-Eigenmarke “Today” abgeschafft und durch Produkte mit dem roten Rewe-Logo ersetzt hat. Jetzt gibt es ein Comeback: In den Drogerie-Regalen vieler Rewe-Supermärkte stehen plötzlich wieder Today-Produkte, zum Beispiel die knallbunten “Limited Edition”-Duschgels “Sommerfrische”. Im Rewe-Online-Shop lassen sich bereits Today-Haarspray und Today-Cremseife bestellen.

Auf Nachfrage bestätigt ein Rewe-Sprecher:

“Today wird die klassischen Kosmetik- und Körperpflegeartikel der bisherigen Handelsmarken ja! und Rewe Qualitätsmarke ersetzen.”

In den kommenden Wochen werden in diesem Bereich zahlreiche Artikel umgestellt. Damit verabschiedet sich Rewe überraschend von der Zwei-Marken-Strategie im Drogerie-Regal. Eine schlechte Idee ist das nicht: Schon jetzt steht neben der ja!-Zahnpasta die der roten Rewe-Mittelmarke, beide kosten gleich viel – und kein Kunde versteht, was das soll.

Die Umstellung passt auch zum Relaunch der roten Mittelmarke, die seit einiger Zeit “Rewe Beste Wahl” heißt und künftig offensichtlich Lebensmitteln vorbehalten bleiben soll. Dritte Schwerpunktmarke ist Vivess (für Schreibwaren, Küchenartikel und Krimskrams).

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Statistik-Schnäppchen (2): Wie Bio sind die Deutschen?

Tomatendose mit Bio-Siegel

Sie kaufen gerne Bio-Lebensmittel? Wunderbar! Dann tun Sie was Gutes. Zum Beispiel der Ackerflora, den Insekten, Bienen, Schmetterlingen, Vögeln und dem Grundwasser – in Polen. Verstehen Sie nicht? Gleich aber schon.

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Im Jahr 2012 lag der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland bei 7,04 Milliarden Euro – 6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das kommt nicht allein daher, dass mehr Bio gekauft wurde, sondern etwa zur Hälfte dadurch, dass die Preise für Bio-Produkte gestiegen sind.

Fast ein Drittel der europäischen Bio-Lebensmittel wird von den Deutschen gekauft. Im deutschen Markt entsprechen aber gerade einmal 3,9 Prozent der eingekauften Lebensmittel Bio-Kriterien.

9 Prozent aller in Deutschland verkauften Eier sind Bio.
4,5 Prozent der Milch ist biologisch erzeugt.
3 Prozent des gemischten Hackfleisches.
0,5 Prozent des Geflügels.*

Weil mehr Leute Bio kaufen wollen, steigt die Nachfrage. Viele Produkte werden aber gar nicht in Deutschland erzeugt, sondern aus dem Ausland importiert: Kartoffeln, Obst und Gemüse, Schweinefleisch, Milchprodukte. In Polen und Litauen ist die Fläche der Äcker, die ökologisch bewirtschaftet werden, von 2004 bis 2010 um 531 Prozent bzw. 290 Prozent gestiegen, in Deutschland nur um 29 Prozent. Jeder zweite bei uns verkaufte Bio-Apfel und jede zweite Bio-Möhre stamme bereits aus dem Ausland, heißt es in einer Studie der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (pdf). Deren Fazit ist: “Der Ausbau des Bio-Landbaus in Deutschland stagniert und droht zu kippen.” Positive Effekte des Ökolandbaus, vor allem im Naturschutz, gingen verloren.

Dafür stellen andere Länder ihre Landwirtschaft ganz konkret auf die hohe Nachfrage aus Deutschland ein. Die dortige Bevölkerung hat davon aber nix. In Polen, wo die Fläche für Ökolandbau förmlich explodiert ist (und die Fläche mit rund 521.000 Hektar 2010 schon mehr als halb so groß war wie in Deutschland), lag der Pro-Kopf-Umsatz für Bio-Produkte 2011 bei lediglich 3 Euro. In Deutschland waren es 81 Euro.

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Was vom Pferdefleischskandal übrig bleibt

Tiefkühl-Lasagne im Supermarkt

Fast vier Monate ist es her, dass in zahlreichen Tiefkühlgerichten europäischer Supermärkte Anteile von Pferdefleisch gefunden wurden, die da nicht hingehörten: Im “Rindergulasch” von Aldi und Lidl, in den Lasagnen der Billigmarken Gut & Günstig (Edeka), A&P (Kaiser’s) und Tip (Real), dem Chili con Carne von Rewe und Kauflands Penne Bolognese.

Was ist seitdem passiert?

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Als einziger deutscher Händler hat Rewe Ende Februar angekündigt, bei seinen Eigenmarken “nur noch deutsches Rindfleisch” verwenden zu wollen. 50 Produkte mit “namhaftem Rindfleisch-Anteil” müssen umgestellt werden. Passiert ist das laut Rewe zum jetzigen Zeitpunkt bereits beim Chili con Carne und den Spaghetti-Bolognese der Rewe-Eigenmarke. Auf den Produkten sei ein entsprechender Hinweis angebracht: “deutsches Rindfleisch”.

In Großbritannien, wo der Skandal seinen Ausgang nahm, will Tesco künftig mehr britisches Fleisch für seine Produkte verwenden. Das wird nicht so schnell gehen. Der “Telegraph” zitiert einen Einkäufer der britischen Fleischindustrie damit, dass die Landwirte nicht auf Knopfdruck mehr Rinder parat haben:

“Das ist ein Prozess, der sich mindestens über zwei Jahre erstreckt, von der Aufzucht bis zum Verkauf eines Tieres.”

Die meisten anderen Handelsketten erklären auf Supermarktblog-Nachfrage, sich eher auf strengere Kontrollen zu konzentrieren. Eine Kaufland-Sprecherin sagt:

“Eine komplette Umstellung auf Rindfleisch aus Deutschland haben wir derzeit nicht vorgesehen, da es sich bei diesen Vorgängen [die zum Skandal geführt haben; Red.] um kriminell motivierte Falschdeklarationen handelte und [dies] aus unserer Sicht daher ein Thema der Kontrollsysteme ist.”

Deshalb seien die “bereits sehr umfangreichen Eigenkontrollen auf die Untersuchung von Pferdefleisch ausgedehnt” worden. Lidl, das wie Kaufland zur Schwarz-Gruppe gehört, teilt mit, Tests auf Pferde-DNA künftig “systematisch” von den Herstellern einzufordern. Aldi Nord will “zusätzlichen Möglichkeiten” zur Qualitätskontrolle prüfen. Real argumentiert, dass auch der Bezug von deutschem Rindfleisch nicht zwangsläufig vor kriminellen Machenschaften schützen würde:

“Im Interesse unserer Kunden werden daher alle Lieferanten von Eigenmarkenartikeln zukünftig noch strenger und engmaschiger kontrolliert, so dass eine Wiederholung möglichst ausgeschlossen wird. Durch gezielte Projekte werden wir zukünftig die Rückverfolgbarkeit verbessern.”

Edeka schießt indirekt gegen den Konkurrenten Rewe, ein Sprecher erklärt:

“Die ausschließliche Verwendung deutschen Rindfleischs ist (…) kurzfristig ausgeschlossen, und eine entsprechende Ankündigung wäre unseriös.”

Das beurteilt Rewe auf Supermarktblog-Nachfrage anders:

“Wir sehen keinen Versorgungsengpass, da die Anzahl der umzustellenden Artikel vergleichsweise überschaubar ist. Gleiches gilt für die  damit verbundenen Volumina. In Deutschland ist genügend Rindfleisch in entsprechender Qualität verfügbar. Derzeit gehen wir davon aus, dass wir spätestens bis zum Jahresende die Umstellung haben abschließen können.”

Kaiser’s Tengelmann hat sich bisher nicht geäußert. Nachtrag: Bei Kaiser’s Tengelmann heißt es: “Die Herkunft des Fleisches ist und war bislang nicht das Problem”, denn auch deutsches Rindfleisch könne Spuren von Fremd-DNA enthalten, wenn z.B. bei der Produktion unsorgfältig gearbeitet würde. Beim Einsatz von ausschließlich deutschem Rindfleisch für Fertigprodukte sei die Frage zu stellen, “ob die benötigte Menge für alle Hersteller gewährleistet werden” könne.

[Die vollständigen Auskünfte der Handelsketten stehen hier.]

Supermarkt-Logos

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In Großbritannien wird die Diskussion schärfer geführt als in Deutschland. Die britische National Beef Association beschuldigt die großen Supermarktketten, selbst Verursacher des Problems zu sein, das sie jetzt vorgeben, lösen zu wollen. Über Jahre hinweg hätten die Ketten die Preise für Lebensmittel so stark gedrückt, dass es für britische Hersteller unmöglich geworden sei profitabel zu wirtschaften. Um das zu ändern, müssten die Preise für die Produkte wieder steigen. Genau das sei bisher aber nicht passiert. Auch bei den bereits umgestellten Rewe-Produkten ist der Preis gleichgeblieben.

Die Supermärkte wissen sehr genau, warum sie mit Preiserhöhungen vorsichtig sind. Einen Monat nach Bekanntwerden der Fleisch-Panscherei, als täglich neue Details das Ausmaß des Skandals noch vergrößerten, veröffentlichte das britische Handelsmagazin “The Grocer” eine Umfrage, in der Kunden angeben sollten, wie viel sie bereit wären, künftig mehr zu zahlen, um Produkte zu kriegen, in denen auch tatsächlich das drin ist, was draufsteht. Die Hälfte der Befragten meinte:

Wie – mehr bezahlen?

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