Was passiert, wenn Kaufland kommt?

"Discountbillig" und riesengroß: Kaufland drängt in immer mehr deutsche Städte und Regionen

“Für Sparfüchse. Für Vielfalt-Fans. Für Qualitätsbewusste. Für alle.”

Wer Kaufland nur aus der Werbung kennt, hat leicht das Gefühl, dass das Unternehmen knapp an der Anerkennung seiner Gemeinnützigkeit vorbeischrammt. Jeder, der einen der riesigen Märkte schon mal mit einem durchnummerierten Einkaufswagen durchlaufen hat, weiß, dass der Name nicht übertrieben ist. Und wer Kaufland zum Konkurrenten kriegt, hat ein Problem.

Weil Kaufland das “Für alle” aus der Werbung durchaus wörtlich zu nehmen scheint.

Überall dort, wo noch kein Riesendiscounter steht, soll einer hin. Vielleicht nicht in diesem Jahr, aber dann halt im nächsten.

Schon jetzt ist die Schwarz-Gruppe, zu der auch die Kaufland-Schwester Lidl gehört, das zweitgrößte Handelsunternehmen Europas. Analysten gehen davon aus, dass der erste Platz bloß eine Frage der Zeit ist. 30 Jahre nach der Eröffnung der ersten Filiale in Neckarsulm scheut sich Kaufland nicht, massiv in neue Standorte zu investieren. Vor allem weiß sich Kaufland, wenn gute Argumente nicht reichen, um die notwendigen Genehmigungen zu bekommen, anderweitig zu helfen.

In den vergangenen Wochen hab ich mich für Krautreporter intensiv damit beschäftigt, was in den Städten passiert, in denen das Unternehmen seine Bauschilder aufstellt, wie unterschiedlich die Kommunen auf Kaufland reagieren und welche Auswirkungen die Riesenmärkte auf die Innenstädte haben.

Der Text ist gerade erschienen. Hier.

Foto: Supermarktblog

Zum Kleben gezwungen: Aldi verschenkt jetzt auch Sammelbilder

Wegschauen, Kinder! Dem Zebra hat jemand die Hufe abgeschnitten! Sammelaktion "Die Welt in Farbe" bei Aldi Süd

Haben Sie den einsamen Flamingo schon doppelt (Nummer 32)? Die verdutzt guckende Affenbande (Nummer 91)? Fehlt Ihnen gar der neuseeländische Zungenraustreck-Māori mit dem Goldrand (Nummer 80)? Dann sammeln Sie vermutlich “Die Welt in Farbe”. (Oder haben, falls nicht, einfach eine rege Fantasie.)

Seit zwei Wochen werden Discount-Kunden beim Einkaufen mit Tütchen belohnt, in denen jeweils fünf Sammelbilder stecken, herausgegeben vom Klebeimperium Panini und seriositätsbesiegelt durch den Herkunftsaufdruck “National Geographic Kids”. Und obwohl zahlreiche leidgeprüfte Eltern bestätigen dürften, dass solche Aktionen im deutschen Handel längst nichts Besonderes mehr sind, ist diese eine Ausnahme: Weil “Die Welt in Farbe” bei Aldi Süd passiert, dem (bislang) letzten Bollwerk der Treueaktionverweigerung.

Jeweils für 10 Euro Einkaufswert gibt’s an der Kasse ein neues Päckchen Kleb-Stoff. Wer das dazugehörige Album vollstickern mag, kann sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden, jetzt im Laden die Vorräte fürs nächste Osterfest zu erwerben. (Oder für 39 Cent einfach Tütchen dazuzukaufen, aber das dürfte auf Dauer eher zur Mangelernährung führen.)

Am Ende der sechswöchigen Aktion lädt der Discounter sogar zum Doppler-Tausch in seine Filialen.

Und wenn Sie bitte kurz nachschauen würden, ob zwischendurch die Pforten zur Hölle zugefroren sind, könnten wir kurz klären, warum das eine kleine Sensation ist.

Weil Aldi keine Sammelbildaktionen macht. Basta.

Zumindest war das bisher die Politik des Unternehmens. Andererseits hätte sich vor ein paar Jahren vermutlich auch niemand vorstellen können, dass Aldi eigene Veggie-Produkte ins Regal stellt, eine Luxus-Eigenmarke entwickelt, große Markenprodukte ins Sortiment aufnimmt und seine Läden erkennbar renovieren würde. Der Aldi-Süden war dem Norden zwar schon immer ein paar Modernisierungsschritte voraus, die erste Sammelbildaktion ist nun aber ein Bruch mit einer alten Regel, von der im Konzern vermutlich niemand gedacht hätte, dass sie mal gebrochen würde. Die Regel lautet: Aldi macht, was Aldi für richtig hält – und nicht, was die Konkurrenz für richtig hält.

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Die Zukunft von Karstadt liegt (auch) im Keller

In Freiburg machen Karstadt und Rewe Center gemeinsame Sache

Wie Sie den meisten Medien entnehmen können, ist die Stimmung bei Karstadt derzeit ganz schön im Keller. Die Spekulationen, dass mehr als ein Viertel aller Häuser geschlossen werden könnten, sind noch nicht vom Tisch; und was der neue Eigentümer René Benko mit den übrigen vorhat, ist ungeklärt.

Wie Sie diesem Blogeintrag entnehmen können, ist aber nicht nur die Stimmung bei Karstadt im Keller. Sondern vielleicht auch die Zukunft.

Genauer gesagt: im Untergeschoss. Dort wohnt in 43 Filialen seit ein paar Jahren die Lebensmittelkette Perfetto, für die sich Karstadt mit einem alten Bekannten zusammengetan hat: Rewe. In der Gesellschaft “Karstadt Feinkost” hält der große Partner 74,1 Prozent der Anteile und liefert den Platz, der kleine hält den Rest und liefert die Lebensmittel.

Fast zehn Jahre ist es her, dass in der Wiesbadener Filiale der Warenhauskette der erste Perfetto eröffnete, als “Genuss-Reich” und “Gourmet-Treff” mit großer Fischabteilung, Vinothek und lauter Schnickschnack. In den darauffolgenden Jahren wurde das Konzept zum Untergeschoss-Standard vieler Karstadts.

Die Millionenverluste aus den Anfangsjahren scheinen Geschichte zu sein. Im Jahr 2012 wurden 253 Millionen Euro umgesetzt, wie die “Lebensmittelzeitung” kürzlich berichtete. Und der Deal zwischen den Partnern ist laut LZ bis zum Jahr 2019 verlängert – obwohl die Partner durchaus unterschiedliche Ziele haben: Perfetto würde gerne auch außerhalb der Karstadt-Warenhäuser neue Filialen eröffnen; Rewe hingegen hat kein Interesse, mit sich selbst um den Platz in den Städten zu konkurrieren.

Viel akuter ist jedoch das Problem, dass Perfetto inzwischen so gut zu Karstadt passt wie der die Bezeichnung “Hoffnungsträger” zum früheren Krisenausdehner Nicolas Berggruen.

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Blau-Gelb ist out: Hieber streicht das Edeka-E aus seinem Logo

So modern viele Läden auch aussehen: Typographisch ist Edeka irgendwo in den 80er Jahren stehen geblieben. Das ungelenk-steife E als Logo, noch dazu in der aufdringlichen Farbkombination Blau-Gelb, ist unelegant und klobig. Genau wie die Hausschrift, in der die Namen selbständiger Edeka-Händler über den Markteingängen hängen. Supermarktblog-Leser Lenny K. identifizierte die Typo neulich als Incised 901, mit dem schönen Kommentar:

“Sogar die CDU hat sich in den 90ern von der Incised 901 verabschiedet.”

Während viele Edeka-Eigenmarken deutlich zeitgemäßer gestaltet sind als es der biedere Gesamtauftritt von Deutschlands größter (und bald vielleicht noch größererer) Supermarktkette vermuten lässt, setzt sich bei den Händlern die Erkenntnis durch, dass es wenig clever ist, einerseits topmoderne Läden einzurichten, denen dann aber doch wieder die alte Piefigkeit überzustülpen.

Dieter Hieber, der zwischen Freiburg und der Schweizer Grenze zwölf Edeka-Märkte betreibt und damit zu den größten Händlern im Verbund gehört, hat sich deshalb für einen Schritt entschieden, der erstmal ziemlich radikal aussieht: Er hat das große E und die Incised 901 hochkant aus dem Schriftzug geworfen.

Statt wie bisher “Hiebers Frische Center” heißen die Läden künftig nur noch “Hieber” – mit dem Zusatz: “Mein Leben. Mein Laden”.

Neues Logo von Edeka-Kaufmann Dieter Hieber

Über bzw. vor dem Namen steht ein geschwungenes großes H mit einem roten Punkt, für den sich die beauftragte Agentur ausgedacht hat, dass er die Kirsche symbolisiert, die in der Region wächst. Aber auch ohne metaphorische Aufladung funktioniert das Logo gut: weil es viel näher an den Läden (siehe Supermarktblog) dran ist als der alte. Zumal die Design-Erneuerung auch für sämtliche Supermarkt-Utensilien mitgedacht ist.

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Elefantenhochzeit mit Edeka: Tengelmann verkauft seine Supermärkte

Adie, kleine Teekanne? Edeka will sämtliche Kaiser's- und Tengelmann-Märkte übernehmen

Ende September hat das Bundeskartellamt die Ergebnisse seiner “Sektoruntersuchung” des Lebensmittelhandels in Deutschland veröffentlicht. Gleich unter Punkt 1 in dem dazugehörigen Papier “Ergebnisse und Schlussfolgerungen” (pdf)* steht:

“Der Lebensmitteleinzelhandel ist hochkonzentriert. Die Marktstruktur droht sich noch weiter zu verschlechtern.”

Keine zwei Wochen später ist es soweit: Tengelmann will sein Supermarktgeschäft bis Mitte 2015 an Edeka verkaufen. Das ist ein ziemlicher Hammer. Weil das Unternehmen, nachdem 2008 bereits sämtliche Plus-Filialen an den Marktführer abgegeben wurden, damit komplett aus dem stationären Lebensmittelhandel aussteigt. Geschäftsführer Karl-Erivan Haub lässt sich ziemlich eindeutig zitieren:

“Wir sehen leider keine Perspektive mehr, unsere Supermärkte aus eigener Kraft zu einem profitablen Unternehmen zu machen. Mit einem Marktanteil von nur 0,6 Prozent sind wir mit unseren Supermärkten zu klein, um weiterhin im Markt eine Chance zu haben.”

Für Edeka wäre der Zukauf in vielerlei Hinsicht ein riesiger Gewinn:

  • Mit den Kaiser’s-Supermärkten ist Tengelmann in Metropolen wie Berlin stark, wo Edeka bisher massiv unterrepräsentiert ist und die Nummer zwei im Markt, Rewe, in den vergangenen Monaten kontinuierlich aufgeholt hat. Dieser Nachteil wäre quasi über Nacht ausgebügelt.
  • Zugleich bekäme Edeka mit Bringmeister.de einen eigenen Lebensmittel-Lieferdienst ins Haus und hätte damit die Chance, auf ein funktionierendes System im gründlich verpennten Online-Geschäft zurückgreifen zu können.
  • Im Online-Handel bekäme Edeka gleich noch einen Schub: Die Online-Tochter Tengelmann E-Stores (Plus.de) gibt’s nämlich obendrauf.

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