Sterben die Supermarktkassen aus? Teil 4: Wie Pick & Go den Einkaufsalltag auf den Kopf stellt

Sterben die Supermarktkassen aus? Teil 4: Wie Pick & Go den Einkaufsalltag auf den Kopf stellt

Foto [M]: Supermarktblog / Those Icons via flaticon.com
Inhalt:

Alle großen Handelsketten experimentieren inzwischen mit automatisierten Läden, in denen Kameras und Sensoren die Einkäufe der Kund:innen erfassen. Wenn das Prinzip Erfolg hat, wird es den Einkauf von Lebensmitteln massiv verändern. Fünf Thesen.

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In Weltereignissen gerechnet ist es eine kleine Ewigkeit her, dass Amazon den Lebensmitteleinzelhandel fragte, wo er sich in fünf Jahren sieht – und die Antwort mit der Eröffnung seines ersten Amazon-Go-Ladens praktischerweise gleich mitlieferte. Anschließend hat man den Wettbewerbern in spe von Seattle aus praktischerweise ausreichend Zeit dafür gelassen, Wege zu finden, die prognostizierte Zukunft nicht in Zwangskooperation mit Amazon bestreiten zu müssen. Was natürlich nicht bedeutet, dass die allermeisten Handelsketten (vor allem die deutschen) jetzt nicht trotzdem spät dran wären.

Dabei ist es längst kein Geheimnis mehr, dass der Einkauf von Lebensmitteln in Läden künftig größtenteils ohne Schlangestehen an der Kasse ablaufen könnte – weil es dort im Zweifel keine Kasse mehr gibt.

Amazon ist gerade dabei, seine mit Go erprobte „Just Walk Out“-Technologie auf sämtliche eigenen Ladenformate auszuweiten.


Auch in größeren Märkten um die 2.000 Quadratmeter ist die automatische Produkterkennung mit Kameras und Regalwaagen inzwischen im Einsatz, sodass Kund:innen ihren Einkauf bloß noch raustragen müssen, ohne einen separaten Bezahlhindernislauf zu absolvieren. Dazu gibt es eine ganze Latte an Start-ups, die vergleichbare Technologien entwickelt haben und diese in Kooperation mit etablierten Handelsketten testen, die sich zunehmend zum Reagieren gezwungen fühlen.

Amazon-Fresh-Einlass in London; Foto: Amazon UK

Und gerade weil das alles (mal wieder) länger dauert, als an dieser Stelle vor gut drei Jahren schon vermutet, ist es allerhöchste Zeit für eine Aktualisierung der Frage: Sterben die Supermarktkassen aus?

Die Antwort ist nach wie vor kompliziert. Aber vielleicht haben Sie ja trotzdem Lust auf eine kleine Wahrsagerei der Kassenlos-Zukunft.

1. Die Discounter haben die Hosen voll

Mit dem Einsatz neuer Technologien tut sich der deutsche Discount traditionell so schwer wie ein Eichhörnchen mit der digitalen Inventur seiner gesammelten Nussvorräte. Die Innovationszurückhaltung hat lange quasi zum Geschäftsmodell der Günstigen gehört. Was war das für ein Hallo, als Aldi im Jahr 2000 die Scannerkasse einführte! Und suchen Sie mal elektronische Preisschilder in deutschen Discountmärkten, wo die Preisschienenbestückung immer noch echte Handarbeit ist.

Dass zuletzt beide Aldis ankündigten, Läden ohne Kasse testen zu wollen, wirkt trotzdem bloß auf den ersten Blick überraschend. Und vorerst wird ja auch bloß im europäischen Ausland ausprobiert: Aldi Nord hat die Eröffnung eines Testmarkts im niederländischen Utrecht für Anfang 2022 terminiert und verspricht, dass Kund:innen dort dank Sensoren in Regalböden und Kameratechnik an der Decke rein- und wieder rausspazieren können, ohne sich irgendwo anstellen zu müssen.

Designierter Kassenlos-Markt von Aldi Nord in Utrecht; Foto: Aldi Nord

Abgerechnet wird der getätigte Einkauf beim Verlassen des Ladens automatisch per App, vorherige Registrierung vorausgesetzt. Die Einkaufshistorie ist digital abrufbar, Erstattungen laufen ebenfalls per App. Der Test soll zwölf Monate dauern, bevor Aldi sich entscheidet, ob es mehr solcher Märkte gibt.

Und falls nicht, stattet der israelische Anbieter Trigo, von dem die Technik stammt, sicher gerne weiter die Konkurrenz entsprechend aus: Tesco aus Großbritannien und Rewe sind als strategische Investoren bereits an Bord. In Tel Aviv träumt man schon von „hunderten“ autonomen Läden bis 2023 und verspricht, mit der Technologie auch bestehende Märkte aufrüsten zu können.

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Aldi Süd testet derweil in London, bislang ohne einen konkreten Ort anzugeben. In einer vor kurzem publizierten Meldung heißt es aber, im Laden werde ähnlich viel Personal wie in anderen „Aldi Locals“ (siehe Supermarktblog) eingesetzt – was darauf schließen lässt, dass es sich bei der Testfiliale um einen Aldi Local handeln wird. Zum Beispiel den, der gerade in Dalston am Kingsland Shopping Centre im Osten London eröffnet und um die Ecke eines ebenfalls neuen Amazon-Fresh-Markts liegt? Wahrscheinlich ja.

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Logo: Netto (ohne Hund)

Als nächstes ist aller Voraussicht nach Netto (ohne Hund) an der Reihe: Die Edeka-Tochter hat nach Supermarktblog-Informationen ebenfalls einen „Pick & Go“-Test in Vorbereitung und bereits Markenschutz für ein entsprechendes Logo angemeldet. Dieser Markt könnte zugleich der erste Kassenlos-Discounter in Deutschland werden.

Das würde auch den Druck auf die Schwarz-Gruppe erhöhen, ihren Test mit der automatisierten „shop.box“ (siehe Supermarktblog) doch noch unter Realbedingungen – und unter dem Logo von Lidl oder Kaufland? – weiterlaufen zu lassen, anstatt wie bisher abgeschirmt auf dem Heilbronner „Bildungscampus“.

Dass die Ketten überhaupt testen, hat eine einfache Ursache: Spätestens seit dem Europa-Start von Amazons stationären Fresh-Läden (siehe Supermarktblog) und der Ankündigung von Rewe, in Köln einen Markt mit dem „Pick & Go“-Prinzip für die Allgemeinheit vorzubereiten, haben die Discounter die Hosen voll. Denn wenn sich die Technologie tatsächlich auf breiter Front durchsetzen sollte, würde das den Supermärkten eine bisher von der Konkurrenz für sich beanspruchten Kernkompetenz erschließen: Den zügigen, unkomplizierten Einkauf von Lebensmitteln, den der Discount dank übersichtlichen Sortimenten und klar strukturierten Läden lange als eines seiner wichtigsten Alleinstellungsmerkmale gepflegt hat. (Obwohl die anstrengende Bedarfskassenöffnungspolitik diesem Versprechen schon länger entgegen stand.)

Wenn der Einkauf im Supermarkt mit breiterem Warenangebot künftig sogar schneller ginge als im klassischen Ansteh-Discount, würde das die Anbieter schon sehr schmerzen. Aldi, Lidl & Co. haben deshalb gar keine andere Wahl, als bei der Kassenlos-Zukunft mitzuziehen.

2. Die Hybriden kommen

Der potenzielle Wegfall der Kassenzone ist für viele Supermärkte eine brenzlige Angelegenheit. Einerseits dürfte es bei vielen Händlern die Fantasie beflügeln, wie sich die in Märkten frei werdenden Quadratmeter für eine Erweiterung bzw. Vertiefung des Produktsortiments nutzen ließen; andererseits gehört die Kassenzone, in der vor allem Süßwaren zum Direktverzehr verkauft werden, vielerorts zu den umsatzstärksten Ecken im Laden. Das wird der Handel nur ungern torpedieren wollen.

Und dann sind da ja auch noch die Kund:innen, die weiter mit dem vorher aus der Wand gezogenen Papiergeld bezahlen wollen, und die kein Händler sich zu verschrecken trauen würde (insbesondere nicht in Deutschland).

Kein Wunder, dass viele Einzelhändler:innen zunächst einmal der Versuchung widerstehen dürften, die traditionellen Kassen komplett zu entfernen, selbst wenn die automatische Warenerkennung im Laden reibungslos funktioniert. Rewe hat für seinen (vorerst noch im Testmodus betriebenen) Pick-&-Go-Markt in Köln bereits erklärt, der örtlichen Kundschaft die Wahl zu lassen, ob sie ihren Einkauf automatisch erfassen lassen möchte oder lieber ganz altmodisch an einer Kasse bezahlen (SB oder mit Personal).

Rewes erster Pick-&-Go-Markt in Köln verfügt weiterhin über reguläre Bedienkassen; Foto: Rewe

In den USA geht die Amazon-Tochter Whole Foods Market zum Start ihrer ersten beiden Filialen mit Just-Walk-Out-Technologie (in Washington, D.C. und Sherman Oaks, Kalifornien) einen ähnlichen Weg: In beiden Läden wird es auch klassische SB-Kassen geben, um bar bezahlen sowie Karten mit Prepaid-Guthaben und Geschenkgutscheinen erwerben bzw. einlösen zu können. Und selbst Amazon Fresh will in seinen Läden nicht auf klassische Bedienkassen verzichten – sogar mit ausgedrucktem Bon!

Solche Hybridmodelle könnten eine wichtige Rolle bei der Auf- bzw. Umrüstung existierender Märkte spielen – schon, um weniger technikaufgeschlossene Kundschaft nicht zur Konkurrenz abwandern zu lassen und Leute anzusprechen, die mit dem ganzen neumodischen Quatsch nichts am Hut haben wollen. Zumindest für eine Übergangsphase.

3. Der Markt im Markt

Dazu gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, die neue Technologie in Kombination mit klassischen Bezahlarrangements einzusetzen. Valora macht’s mit einer Zwischenlösung vor: Die Schweizer:innen besetzen ihre „Avec 24/7“-Minimärkte während der regulären Öffnungszeiten ganz normal mit Personal; erst in den Nachtstunden zwischen 23 und 6 Uhr bzw. sonntags wird auf den Betrieb für Selbstscanner umgestellt und Kund:innen kommen per App in den Markt. So bleiben die Regale tagsüber immer voll – und die Läden auch während sonst üblichen Schließzeiten für den Einkauf geöffnet.

In Deutschland kooperiert Valora mit der Deutschen Bahn für den „24/7 ServiceStore“, von dem es ein erstes Exemplar am Bahnhof Ahrensburg bei Hamburg gibt. Die noch ein bisschen praktischer würden, wenn man darin nicht mehr selbst scannen müsste.

24/7-Service-Store der Bahn in Kooperation mit Valora in Ahrensburg; Foto: DB AG/Farbfilm media

„Diese autonomen Shops werden mindestens so wichtig wie die üblichen Geschäfte“, hat sich Valora-Chef Michael Mueller vor einigen Wochen im Schweizer „Tagblatt“ zitieren lassen. Und jetzt kann man natürlich die Fantasie spielen lassen, was das für Valoras Backcafé-Imperium bedeutet, zu dem nach BackWerk gerade auch Back Factory hinzu gekommen ist.

Bei Bedarf lassen sich auch nur wenige Quadratmeter eines bestehenden Ladens für den kassenlosen Betrieb umrüsten – so wie im neuen Nachbarschaftsmarkt-Konzept der französischen Handelskette Monop (Casino), das im Sommer in Paris eröffnet hat. Der Laden verfügt nicht nur über einen Tresen für frisch zubereitetes Essen zum Mitnehmen und einen „Pick-up Point“, an dem zuvor online bestellte Lebensmittel abgeholt werden können; es gibt auch eine 30 Quadratmeter große „zone shopping autonome“, die ohne Personal auskommt und an sieben Tagen in der Woche geöffnet bleiben kann, um Snacks und Getränke zu erwerben. Kund:innen wählen aus rund 500 Artikeln aus und zahlen automatisch mit der Bankkarte, die am Eingang ans Terminal gehalten wurde.

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Als Markt-im-Markt-Konzept hätte diese Idee vermutlich in zahlreichen Ländern großes Potenzial – zumal manche Handelsketten schon länger damit experimentieren, eiligen Mittagspäusler:innen separate Flächen am Eingang eines regulären Supermarkts zu widmen, damit die sich mit Verzehrfertrigem eindecken können, ohne den ganzen Laden durchqueren zu müssen oder die Pause in der regulären Schlange zu verplempern.

Wie das aussehen kann, hat vor einigen Jahren z.B. Sainsbury’s in London gezeigt (siehe Supermarktblog).

Snack-Zone mit separater Bezahlmöglichkeit bei Sainsbury’s in London; Foto: Smb

Auch Albert Heijn testet (z.B. in Eindhoven) separierte Snack-Zonen, für die sich bislang eine Bezahlung am separaten Self-Checkout anbietet. Mit automatisierter Warenerfassung wäre die zusätzliche Minikasse obsolet und der Lunch-Einkauf ginge noch zügiger vonstatten. Entsprechendes probiert u.a. das US-Start-up Zippin mit seiner Kassenlos-Technologie (bzw. dem „Zippin Cube“) bereits, u.a. in Moskau. Auf diese Weise könnten Händler eiligen Kund:innen ein abgespecktes Sortiment per Direkteinkauf anbieten ohne gleich den kompletten Laden umrüsten zu müssen.

4. Vom Check-out zum Check-in

Ganz so schnell wird die Kassenlos-Revolution aber wohl nicht durch den deutschen Handel fegen: Viele Handelsketten sind hierzulande schließlich noch damit beschäftigt, auf den technologischen Stand von vor zwanzig Jahren nachzurüsten – und ihren Kund:innen endlich SB-Kassen anzubieten, um mit dem kleinen Einkauf schneller aus dem Laden zu kommen.

Selbst die Discounter ziehen inzwischen mit: Nach Netto (ohne Hund) hat inzwischen auch Aldi Süd Kassen für Selbstscanner aufgestellt, wenn auch vorerst nur in wenigen Testfilialen.

Aldi Süd testet SB-Kassen in ausgewählten Filialen; Foto: @derNima

Und Penny hat angekündigt, SB-Kassen an geeigneten Standorten standardmäßig einbauen zu wollen. Hübsch ist in diesem Zusammenhang auch der obligatorische Hinweis in den SB-Kassenzonen:

„Gut zu wissen: Scan & Go soll unserer Mitarbeiter nicht ersetzen, sondern entlasten.“

Eins hat die Penny-Lösung mit der gemeinsam, auf die z.B. auch Edeka, Budni und Kaufland setzen: Um Diebstahl zu vermeiden, versuchen die Händler den Selbstscanner-Kund:innen den zusätzlichen Check-out anzugewöhnen (siehe Supermarktblog). Wer an der SB-Kasse bezahlt hat, muss den Kassenzettel mitnehmen, um den aufgedruckten Barcode an der Auslassschleuse zu scannen – die sich erst dann öffnet.

Das sorgt bei Erstbedienenden regelmäßig für Verwirrung. Und ist so ziemlich das Gegenteil von dem, woran uns die Handelsketten für ihre neuen Pick-&-Go-Konzepte gewöhnen wollen. Denn die setzen in der Regel aufs Einchecken am Markteingang, wo sich Kund:innen z.B. per QR-Code und App gegenüber dem System identifizieren, um die automatische Warenerfassung während des Einkaufs zu starten. (Ähnlich wie Teguts Teo, wo anschließend aber noch händisch selbst gescannt werden muss.)

Amazon ist schon zwei Schritte weiter und erlaubt Kund:innen ausgewählter Testmärkte alternativ auch den Scan der eigenen Handfläche (die vorher einmal registriert und mit einer Bezahlmethode verknüpft sein muss); eine mit dem eigenen Amazon-Konto verknüpfte Kredit- bzw. Bankkarte soll zumindest bei Whole Foods Market künftig aber auch funktionieren.

In jedem Fall rückt die Identifikation am Ladeneingang zunehmend in den Fokus, der klassische „Check-out“ wird durch einen „Check-in“ ersetzt – wie am Flughafen oder im Büro.

Check-in bei Rewe Pick & Go in Köln; Foto: Rewe

5. Krücken zu Brücken!

Gleichzeitig müssen die Händler aufpassen, dass ihre jetzigen Technologie-Nachrüstungen nicht schon bald sehr alt aussehen, sobald die Zahl automatisierter Märkte tatsächlich zunehmen sollte – das gilt nicht nur für stationäre SB-Kassen, sondern auch für Scan & Go. Insbesondere, wenn Lösungen nicht richtig in die Marktabläufe integriert werden und bei potenziellen Nutzer:innen eher zu Frust führen (siehe Supermarktblog).

Anders gesagt: Die Brücke von heute ist die Krücke von morgen, wenn sie sich nicht dem neuen Standard anpasst. Irgendwann wird es Kund:innen jedenfalls schwer zu vermitteln sein, warum sie mit ihren während des Einkaufs selbst gescannten und eingepackten Artikeln doch noch mal zu einer stationären Kasse müssen, wie es z.B. Rossmann bei seinem Scan-&-Go-Test handhabt – anstatt wenigstens übers Smartphone bezahlen zu können und den Check-out-Strichcode zumindest aufs eigene Smartphone gebeamt zu kriegen.

Albert Heijn versucht in einem Markt in Delft noch was anderes: In Kooperation mit dem Anbieter Prime Vision hat die Kette eine normale SB-Kasse mit Kamera und Sensoren ausgestattet, die Produkte nach der Ablage automatisch erkennen und auf dem Touchscreen anzeigen kann, ohne dass noch mal einzeln gescannt zu werden braucht. Die Kund:innen sind dabei nicht unter Beobachtung, weil die Technolgie in Kassenhöhe angebracht ist und keine Gesichter erfassen kann.

Beim Einkauf muss zwar immer noch der Umweg über die Kasse genommen werden; das Bezahlen würde aber sehr viel schneller gehen und bestehende Läden bzw. Kassen ließen sich mit der Lösung sehr zügig nachrüsten. Außerdem kämen die Handelsketten so vermutlich Datenschutz-Skeptiker:innen ein Stück weit entgegen.


Also, nochmal gefragt: Sterben die Supermarktkassen demnächst endgültig aus? Immer noch: Ja und nein – weil es viele Zwischenlösungen geben dürfte, die zumindest für eine Beschleunigung des Bezahlvorgangs beim Lebensmitteleinkauf sorgen werden.

Ganz sicher stirbt bloß die Selbstverständlichkeit, mit der Handelsketten sich bislang trauen, ihre Kundschaft an Bedarfskassen zu lotsen, die erst geöffnet werden, wenn sich die Schlange einmal durchs Tiefkühlparadies bis ans andere Ladenende gestaut hat. Weil sich daran künftig Händler erkennen lassen, die wirklich gar keine Lust haben, sich und ihrem Personal den Ladenalltag ein klein bisschen angenehmer zu gestalten.

Danke an @derNima!


Nachtrag, 19. Okober: Tesco hat seinen ersten kassenlosen Laden in London inzwischen auch offiziell eröffnet („the first time anyone other than Amazon is rolling out frictionless checkout grocery stores in the world“).

Sterben die Supermarktkassen aus?

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3 Kommentare
  • Skeptisch ist nicht nur die „weniger technikaufgeschlossene Kundschaft“ oder die, „die mit dem ganzen neumodischen Quatsch nichts am Hut haben wollen“, sondern auch all die, die sich von den internationalen Digitaldaten-Sammlern und -Verkäufern erst mal eine bessere Datensicherung wünschen. Gegenwärtig kann von einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem kostbaren Gut nicht gesprochen werden. Ein Handflächenscan ist das letzte, was ich Amazon zur Verfügung stellen würde.

  • Neulich bei Aldi-Süd die Selbstscankasse ausprobiert. Fünf mal musste man mir helfen, weil mein Rucksack zu schwer war, weil ich reduzierte Ware gekauft hab (MHD) und das bestätigt werden muss und weil das Wiegen immer mal wieder Probleme macht.
    Zum Mittagessen drei Artikel kaufen, dafür ist es gut. Ansonsten entlastet es weder Kunden noch Angestellte.

  • „ Den zügigen, unkomplizierten Einkauf von Lebensmitteln, den der Discount dank übersichtlichen Sortimenten und klar strukturierten Läden lange als eines seiner wichtigsten Alleinstellungsmerkmale gepflegt hat. “ Tja, damit scheint es sowieso mehr und mehr vorbei zu sein: Beide von mir in den letzten Tagen besuchten, mit großem Trara umgebauten Penny-Märkte setzten jetzt auf Einbahn-Runden durch den ganzen Laden ohne Abkürzmöglichkeit, dafür aber mit komplettem Sortiments-Chaos „räum hin, wo Platz ist“. Und selbst bei Aldi (Süd) werden die Mischmasch-Regale Richtung Kasse immer größer, für die man auf der Produkt-Suche auf beiden Seiten sich zwischen den Kassen-anstehenden Einkaufswagen durchzwängen muss (oder sind die nur die Erwachsenen-Erweiterung der Kassen-Süsswaren-Billigfusel-Quengel-Stände?). Produkte nicht zu finden ist für mich fast der größere Zeit-Killer als der Bezahlvorgang und hilft sicherlich, Kunden zu Lieferdiensten zu treiben.

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